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Lothar Matthäus, auch im brasilianischen Fernsehen unterwegs.
Lothar Matthäus, auch im brasilianischen Fernsehen unterwegs.(Foto: Stefan Giannakoulis)
Sonntag, 29. Juni 2014

Ein "capitão campeão" in Brasilien: Einschlafen mit Lothar Matthäus

Von Stefan Giannakoulis, Salvador da Bahia

Fußballexperten haben sie in Brasilien genug. Und jetzt zur Weltmeisterschaft kommen auch noch die Deutschen, trinken Bier und fragen nach Schwarzbrot. Nur einen, den haben sie extra geholt und sogar einen Dolmetscher für Fränkisch-Portugiesisch engagiert.

Brasilien ist ein Land voller Fußballexperten. Und wer die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft von Salvador über Fortaleza und Recife und nun zum Achtelfinale nach Porto Alegre begleitet, der trifft wenig überraschend besonders viele aus Deutschland. Sie sind meist sehr nett, sehnen sich nach Schwarzbrot, scheinen aber mit dem einheimischen Bier, sei es Skol oder Itaipava, ganz zufrieden.

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Einige haben schon alles gesehen, waren überall dabei: Wankdorf, Wembley, Mexiko City, München, Cordoba, Gijón, natürlich Mailand und Rom. Sie erzählen ungefragt schöne Geschichten und sind ein bisschen stolz darauf, was sie schon alles von der Welt gesehen haben. "War ein tolles Tor von Gerd Müller." Freunde und Kenner des Fußballs allerorts, nur im Hotelrestaurant hat gestern einer behauptet, es seien ja bei dieser WM "in der Vorrunde schon mehrere namenhafte Vereine ausgeschieden". Ich habe dann lieber auf dem Zimmer gegessen - was ein großes Glück war.

Herzogenaurach, Rom oder Rio - Hauptsache Fußball

Lothar Matthäus ist nämlich auch in Brasilien. Ich habe ihn im Fernsehen gesehen, in einer Sendung, die "É campeão" heißt. Er sitzt da in einem Panoramastudio des Senders "SporTv" in Rio de Janeiro. Er macht keine schlechte Figur; sieht aus wie immer, redet wie immer, gestikuliert wie immer, ist gut gebräunt wie immer, unrasiert, sehr hellblaues Hemd, ein Knopf mehr auf als die andern, dunkelblaues Jackett. Er sitzt da wie einer, der sich denkt: Herzogenaurach, Rom oder Rio - Hauptsache Fußball. Mutmaßlich redet er auch wie immer. Aber ich verstehe ihn nicht, weil ein Dolmetscher aus dem Off simultan vom Fränkischen ins Portugiesische übersetzt und Lothar Matthäus übertönt. Ist aber nicht weiter schlimm.

Wie ich schnell erkannte, handelt es sich um eine exklusive Runde. Mitreden darf nur, wer sich "capitão campeão" nennen darf - Kapitän einer Weltmeistermannschaft: Carlo Alberto Torres, der mit Brasilien 1970 Weltmeister wurde. Daniel Alberto Passarella, genannt "el gran capitan", 1978 Weltmeister mit Argentinien. Und Fabio Cannavaro, Weltmeister mit Italien 2006. Es drängt sich aber der Eindruck auf, als genieße "o alemão" Lothar Matthäus in Brasilien eine gewisse Reputation. Sie erinnern sich tatsächlich daran, dass er es war, der die Auswahl des DFB in Italien zum bis heute letzten Titelgewinn führte. Sie wissen schon: 1990 war das, Mailand, Turin und Rom. Dass er 2006 nach nur anderthalb Monaten als Trainer beim brasilianischen Erstligisten Atlético Paranaense das Handtuch warf und verschwand, ohne sich beim Verein abzumelden, sehen sie einem "capitão campeão" natürlich nach.

Irgendwann haben sie die Sendung dann einfach noch mal von vorne gezeigt. Überhaupt zeigen sie in Brasilien ständig Fußball im Fernsehen, bis tief in die Nacht werden auf mehreren Kanälen die Spiele des Tages gezeigt. Aber leider bin ich eingeschlafen. Nur einen Satz von Lothar Matthäus habe ich verstanden: "Ich bin immer gerne hier in Brasilien."

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Quelle: n-tv.de