Fußball-WM 2018

Remis zwischen DFB-Elf und USA? Es wird keine Schande von Recife geben

Der historische Vergleich liegt auf der Hand: Weil den Fußballern aus Deutschland und den USA ein Remis reicht, um ins Achtelfinale der WM einzuziehen, erinnert sich alle Welt an die Schande von Gijón 1982. Aber nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

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Deutschland - Österreich im Molinon-Stadion in Gijon, Spanien. Deutschland führt früh mit 1:0. Beide Teams inszenieren bis zum Ende ein harmloses Ballgeschiebe, weil das frühe deutsche 1:0 beiden Seiten zum Einzug in die Finalrunde reicht, und Algerien damit ausgeschaltet ist.

(Foto: dpa)

Wenn es dann am Donnerstag in Recife nach 75 Minuten 2:2 steht? Wenn beide Teams bis dahin ein packendes Spiel geliefert haben? Und wenn dann die DFB-Elf nicht wie gegen Ghana mit Macht auf das dritte Tor drängt, sondern sich zur Abwechslung auf ihre taktische Grundordnung besinnt, ein wenig Ruhe ins Spiel bringt, den Ball laufen lässt und ja, wenn sie dann einen Gang zurückschaltet? Und wenn auch die Spieler aus den Vereinigten Staaten das Gefühl haben, ganz gut bedient zu sein?

Wenn also das letzte Spiel der Gruppe G bei dieser Weltmeisterschaft in Brasilien tatsächlich unentschieden endet und beide Teams, Deutschland als Gruppesieger, die USA als Zweiter, das Achtelfinale erreichen - setzen sie sich dann dem Verdacht aus, sich abgesprochen haben? Und hat die Welt des Fußballs dann ein neues Skandalspiel, von dem alle noch Jahrzehnte später als der Schande von Recife sprechen? Nein, das wird nicht passieren. Und das aus guten Gründen.

„Stille Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven“

Zur Erinnerung: Das Spiel zwischen Deutschland und Österreich am 25. Juni 1982 bei der WM in Spanien, also vor fast auf den Tag genau 32 Jahren, ging gar nicht remis aus. Horst Hrubesch hatte die DFB-Elf nach elf Minuten in Führung gebracht. Doch dann war Schluss mit Fußball. Den Deutschen reichte dieser knappe Sieg, die Österreicher durften sich eine Niederlage mit maximal zwei Toren erlauben, um ebenfalls die Zwischenrunde zu erreichen. Was folgte war ein grotesker Nichtangriffspakt, der an Lächerlichkeit nicht zu überbieten war. Willy Schulz, der mit der deutschen Mannschaft 1966 das WM-Endspiel erreicht hatte, sprach hinterher von einer "stillen Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven".

Leidtragende waren die Algerier, die zwar in der ersten Gruppenpartie die deutsche Mannschaft besiegt hatten, nun aber nach Hause fahren mussten. Dieses, nun ja, Spiel, war tatsächlich eine Schande, für die sich alle Beteiligten bis heute schämen müssten. Und dieses Spiel ist der Grund, warum seitdem die letzten Gruppenspiele stets gleichzeitig stattfinden.

Eine solche Posse werden sich die Mannschaften am Donnerstag (live ab 18 Uhr im n-tv.de-Ticker) in der Arena Pernambuco zu Recife nicht leisten wollen, ja gar nicht leisten können. Die beiden ehrgeizigen Trainer, Joachim Löw und sein ehemaliger Chef Jürgen Klinsmann, erst recht nicht. Eben weil der Geist von Gijón über diesem Spiel schwebt. Und weil beide klare sportliche Interessen verfolgen. Schließlich geht es darum, als Gruppenerster den stark eingeschätzten Belgiern aus dem Weg zu gehen. Wenn das Spiel unentschieden endet, dann nur, weil es irgendwann schlichtweg vernünftig ist, nicht kurz vor Schluss noch zu viel zu riskieren. Wie in jedem anderen Spiel auch. Eine Schande ist das nicht.

Quelle: ntv.de