Fußball-WM 2018

Beißattacke hat Folgen Fifa ermittelt gegen "Kannibalen" Suárez

Zum dritten Mal verwandelt sich Luis Suárez vom Torjäger in einen Kannibalen. Der Schiedsrichter verpasst den Moment, in dem der Uruguayer seinen Gegenspieler in die Schulter beißt. Doch die Fifa greift auf einen Paragrafen zurück, der nachträgliche Bestrafung erlaubt.

Luis Suárez ist einer, der ständig zwischen Genie und Wahnsinn agiert. Rote Karten und Skandale gehören zu ihm wie die angeborene Abgezocktheit vor dem Tor. Im letzten Gruppenspiel gegen Italien setzte in der 79. Minute offensichtlich irgendwas in seinem Nervensystem aus. Suárez visierte die Schulter seines Gegenspielers Giorgio Chiellini an, um dann den Kopf nach vorn zu stoßen und zuzubeißen. Nach dieser unglaublichen Beißattacke droht dem Stürmerstar nun das WM-Aus. Der Fußball-Weltverband hat gegen ihn ein Disziplinarverfahren eröffnet. Der Angreifer und der uruguayische Verband haben bis Mittwochabend (17 Uhr Ortszeit) Zeit, "ihre Position und jegliche Beweisdokumente, die sie als relevant erachten, darzulegen".

Spekuliert wird bereits über eine Sperre für den Rest der WM, zumal Suárez ein Wiederholungstäter ist. Schon 2010 bei Ajax Amsterdam und 2013 beim FC Liverpool biss er einen Gegenspieler, bekam seinen Spitznamen "Kannibale von Ajax" und wurde jeweils lange gesperrt. Bei seinem letzten Opfer, Branislav Ivanovic vom FC Chelsea, war die Wunde kaum zu übersehen.

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Luis Suárez hält sich die Zähne. Der Biss muss fest gewesen sein, was auch spätere Fotos von der Schulter Giorgio Chiellinis zeigen.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Die Attacke des England-Legionärs vom FC Liverpool löste vor allem im Mutterland des Fußballs heftige Reaktionen aus. "Bannt dieses Monster", forderte der "Daily Telegraph". "Macht Beißer Suárez zum Geächteten", lautete es bei der "Daily Mail".

Selbst auf der Insel, wo Suárez noch vor wenigen Wochen nicht nur als Torschützenkönig der Premier League gekrönt, sondern auch zum besten Spieler gewählt worden war, gibt es für den "Dr.-Jekyll-and-Mr-Hyde" des Weltfußballs kein Erbarmen mehr. Nach den Beißattacken 2010 im Trikot von Ajax Amsterdam und vor gut einem Jahr im Dress des FC Liverpool, für die der Torjäger jeweils gesperrt worden war, befand der "Mirror": "3 Bisse und du bist draußen."

Suárez spielt Beißattacke runter

Der Wiederholungstäter versuchte die Beißattacke im entscheidenden Gruppenspiel um den Einzug ins WM-Achtelfinale in Brasilien zwar zu verharmlosen. "Das passiert im Spiel und auf dem Platz", meinte Suárez, nachdem er den Tatort zunächst wortlos verlassen hatte. Den Journalisten zeigte der 27-Jährige nach dem geglückten Einzug in die K.o.-Runde nur den erhobenen Daumen. Und er zwinkerte ihnen zu. Als sei nichts Tragisches passiert. Der Biss an diesem 24. Juni 2014 in der 79. Minute im Stadion von Natal könnte die Karriere des bis dahin heftigst von Europas Spitzenclubs umworbenen Suárez jedoch schwer beeinträchtigen.

Die rasche Eröffnung einer offiziellen Untersuchung zeigt die Tendenz, dass die Fifa den Fall ernst nimmt. Bereits am Samstag steht das WM-Achtelfinale Uruguays gegen Kolumbien an. Bis dahin muss die Akte Suárez spätestens wieder geschlossen sein, um den Turnierverlauf nicht zu gefährden.

Die Fifa beruft sich unter anderem auf Artikel 77.a ihres Disziplinarkodexes. Demnach kann der Weltverband nachträglich einschreiten, wenn eine Spielszene vom Schiedsrichter nicht beobachtet wurde. Dies war offenbar in Natal der Fall. Suárez wurde in seiner Karriere auch schon wegen rassistischer Äußerungen gegen den Franzosen Patrice Evra für einen längeren Zeitraum verbannt. Bei der vergangenen WM hatte er im Viertelfinale gegen Ghana für ein absichtliches Handspiel auf der Torlinie die Rote Karte gesehen und das Halbfinale gegen die Niederlande (2:3) verpasst.

Quelle: n-tv.de, dsi/nsc/dpa

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