Fußball-WM 2018

Gute Laune vor dem Ghana-Spiel Für Hummels könnte es eng werden

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Wenn Mats Hummels bis zum Samstag nicht fit wird, gibt es Alternativen.

(Foto: imago/Xinhua)

Die erste Hürde ist genommen, jetzt soll der nächste Schritt Richtung Achtelfinale gelingen. Nach dem Traumstart der DFB-Elf herrscht heitere Stimmung im Campo Bahia - einzig die Verletzung von Mats Hummels drückt ein wenig auf die gute Laune.

Mit dem überzeugenden 4:0-Sieg zum WM-Auftakt gegen den Weltranglisten-Vierten Portugal hat die deutsche Nationalmannschaft alle Erwartungen übertroffen und sich eine gute Ausgangslage verschafft, um die Gruppenphase als Erster zu beenden. Nach einigen entspannten Stunden im Campo Bahia ist auch schon wieder Schluss mit Erholung. Bundestrainer Joachim Löw trimmt seine gefeierten Portugal-Sieger für die Operation Achtelfinale.

"Der erste Plan ist aufgegangen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir ins Achtelfinale kommen", erklärte der hochgelobte Portugal-Schreck Thomas Müller. "Jetzt heißt es, den Zusammenhalt, das Selbstbewusstsein und die Freude aus diesem ersten Auftritt mitzunehmen und konzentriert in die Vorbereitung auf das nächste Spiel gegen Ghana zu gehen", verkündete Kapitän Philipp Lahm die Marschroute bis zum Anpfiff am Samstag ((ab 21 Uhr, live in der ARD und im n-tv.de Ticker) in Fortaleza, wo noch intensivere klimatische Bedingungen als zum Start in Salvador erwartet werden.

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Zwei Leistungsträger im deutschen Team: Thomas Müller und Toni Kroos

(Foto: imago/Moritz Müller)

Schon am Donnerstagabend bricht der DFB-Tross in den nächsten Spielort auf. Auf den Boden zurückholen musste Löw seine Spieler nach dem traumhaften Turnierstart nicht, wie Mittelfeld-Stammkraft Toni Kroos versicherte: "Wir haben das erste Spiel gewonnen, aber das zählt im zweiten Spiel nicht." Die Mannschaft habe sich mehr vorgenommen haben. Bis zum  Titelgewinn brauche man sieben Siege, verkündete Kroos.

Löws neuer Schlachtplan bleibt geheim

Für das zweite Gruppenmatch bastelt Löw an einem neuen Schlachtplan. Personelle Veränderungen möchte die Sportliche Leitung aber nur im Notfall vornehmen, wie Co-Trainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz im Campo Bahia in Santo André durchblicken ließ: "Jeder hat gesehen, dass es gegen Portugal gut geklappt hat."

Einzig die Verletzung von Mats Hummels drückt ein wenig auf die gute Laune. Die schmerzhafte Oberschenkelblessur mit Einblutung zwingt den starken Dortmunder erst einmal zu einer Trainingspause. Am Mittwoch wurde der 25-Jährige intensiv behandelt. "Es wird mit Sicherheit knapp bis Samstag", berichtete Flick. Selbst am Strand waren das rechte Knie und der Oberschenkel getaped, das Aufstehen aus dem feinen Sand fiel ihm erkennbar schwer.

Sollte die medizinische Abteilung Hummels bis zum zweiten WM-Einsatz nicht einsatzfähig bekommen, würde Löw seine Abwehr trotzdem nicht großartig umbauen. Jérôme Boateng, der mit einer Schiene am verletzten rechten Daumen zum Bruderduell gegen den für Ghana spielenden Schalker Kevin-Prince Boateng antreten kann, würde von außen ins Abwehrzentrum rücken. Rechts wäre dann wie nach Hummels' Auswechslung wohl Shkodran Mustafi die erste Alternative, auch wenn Flick von mehreren personellen Möglichkeiten sprach. Fix ist, dass Kapitän Lahm im Mittelfeld bleibt: "Es ist nicht vorgesehen, dass Philipp rechts spielt", verkündete Flick. Auch der Dortmunder Kevin Großkreutz wäre eine Außenverteidiger-Option.

Flexibles Trio hat überzeugt

Das neue 4-3-3-System soll auch gegen die "robusten Ghanaer" (Flick) greifen, die nach ihrem missglückten 1:2-Turnierstart gegen Jürgen Klinsmann und dessen US-Boys in der Gruppe G schon mächtig im Zugzwang sind. Kroos, Lahm, Khedira - das flexible Trio im zentralen Mittelfeld hat Löw überzeugt. "Wichtig ist, das so oft wie möglich zeigen zu können", betonte Kroos, der im ersten Spiel auch durch eine für ihn außergewöhnliche Laufleistung aufgefallen war. Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger bleibt im Wartestand: "Klar, dass es immer wieder Härtefälle gibt bei Aufstellungen", sagte Kroos, der in der Vergangenheit meist der Leidtragende war.

Beim Training der prominenten Reservisten im Campo Bahia schossen Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger, die gegen Portugal keine Minute zum Einsatz kamen, Ersatzkeeper Ron-Robert Zieler die Bälle jedenfalls schon mit solcher Wucht um die Ohren, dass nicht nur Löw klar wurde: Seine "Spezialkräfte" kämpfen mit Biss um ihre Chance. "Wir haben sehr intensiv mit denen trainiert, die nicht gespielt haben", sagte Flick. "Jeder muss an die Grenze gehen". Und immer bereit sein. Lukas Podolski spulte zusammen mit Fitnesscoach Darcy Norman sogar ein zusätzliches Laufprogramm ab.

Von Begeisterung bis zur Disziplin

Im Trainer-Raum hängt ein Banner, auf dem das deutsche WM-Motto steht: "Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin." Die Begeisterung sei mit dem Kickstart gegen Portugal entfacht, bemerkte Flick, aber das finale Ziel Rio de Janeiro sei noch weit entfernt: "Wir haben einen langen, langen Weg, den ersten Schritt haben wir gemacht." Noch sechs Spiele sollen folgen, aber dafür müssten einige Dinge noch verbessert werden, mahnte Torwart Manuel Neuer: "Nach dem tollen Ergebnis und dem Sieg gegen Portugal muss man trotzdem noch im Hinterkopf haben, dass nicht alles perfekt war. Ghana wird ein anderes Spiel."

Auch ein einfacheres? "Das weiß ich nicht. Gegen Portugal haben wir auch gedacht, dass es enger wird. Das ist immer ein bisschen Wundertüte, was kommt", sagte Kroos. Vor vier Jahren hatte das DFB-Team nach einem 4:0-Turnierauftakt gegen Australien im zweiten Match gegen Serbien 0:1 verloren und dann gegen Ghana lange geschwächelt. Mesut Özil erlöste Deutschland mit dem 1:0-Siegtreffer. Auch wegen dieser Erinnerung unterstrich der Münchner Kroos: "Wir müssen konzentriert weiterspielen, dann haben wir mehr als eine gute Chance auf das Achtelfinale."

Quelle: ntv.de, dsi/sid/dpa