Fußball-WM 2018

Davidic gegen Le Goliath Kroatien steht Kopf und hofft auf die Mütze

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Ekstase auf dem Platz, Ekstase auf den Rängen, Ekstase in der Heimat: Die Kroaten um Stürmer Mario Mandzukic wollen auch gegen Frankreich jubeln.

(Foto: imago/Xinhua)

Tausende Eil-Reisepässe, zehn Charterflugzeuge auf dem Weg nach Moskau, zusätzliche Eisenbahnwaggons auf den Schienen nach Zagreb: Der finale WM-Showdown versetzt das kleine Kroatien in helle Aufregung. Und die Hoffnung ruht auf einer Mütze.

Vor wenigen Wochen noch war Damir Ribaric ein einfacher Verkehrspolizist, heute ist er in Kroatien unfreiwillig zum stillen Star geworden. Der 37-Jährige hatte Nationaltrainer Zlatko Dalic während der WM-Vorbereitung in der Urlauberhochburg Opatija an der nördlichen Adria seine Dienstkappe geschenkt. Hintergrund war die französische Polizei-Cap, die den kroatischen Trainer Miroslav "Ciro" Blazevic mit seiner Mannschaft bei der WM 1998 als Glücksbringer sensationell auf den dritten Platz begleitet hatte.Dalic hatte bei der WM in Russland vor der internationalen Presse seinen Glücksbringer öffentlich gemacht. Allerdings kenne er nicht einmal den Namen des Spenders, der sich doch bitte melden solle.

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"Es ist wie ein Traum", sagt Polizist Ribaric über seine kleine Mützen-Geschichte. Und wie das Endspiel ausgehen wird, ist ihm natürlich dank seiner Glückskappe auch klar: "Ich habe von Anfang an überhaupt nicht daran gezweifelt, dass Kroatien Erster werden wird", sagte er jetzt den heimischen Zeitungen.

Ob Sieg oder Niederlage im Finale - übertroffen hat die Generation um Rakitic, Modric und Co. die Volkshelden von '98 schon jetzt. Den Kampf um den Weltmeister-Titel erlebt ein zur Ekstase euphorisiertes, kleines Land als krass ungleiches Duell: ein Vier-Millionen-Völkchen gegen das zweitgrößte Land der Europäischen Union, Modrics schmale Schultern gegen elf französische Superstars, David gegen Goliath.

Der kroatische Goliath

So steht es auch in den Medien landauf, landab: "Nach wirtschaftlichen und demografischen Kennzahlen ist der Sieger klar", schrieb die renommierte Zeitung "Jutarnji list" in Zagreb vor dem Endspiel am Sonntag (17 Uhr MESZ/ im ZDF und im Liveticker auf n-tv.de) in Moskau. Frankreich habe 67 Millionen Einwohner, sei zehnmal so groß wie Kroatien und einer der Gründerstaaten der EU. Kroatien mit seinen vier Millionen Menschen war der Union dagegen erst vor fünf Jahren beigetreten und ist damit das jüngste EU-Mitglied. "Das Jahres-Bruttoinlandsprodukt kann man einfach nicht vergleichen, denn es ist in Frankreich 50 Mal größer als in Kroatien", hieß es weiter. "Den 'Feurigen' muss also das Unmögliche gelingen, um die Kroaten zur allerliebsten Medaille zu führen."

Ihr eigenes Goliath-artiges Momentum kreieren sich hingegen die Fans der Karierten. Die für Personalausweise und Pässe zuständige kroatische Polizei hat vor dem WM-Endspiel noch auf die Schnelle 4600 Reisepässe ausgestellt. Das berichteten mehrere Medien in Zagreb wenige Stunden vor dem Finale. Auch die Mutter des in Frankfurt spielenden Stürmers Ante Rebic war darunter. Zehn Charterflugzeuge brachten vor dem Finale gegen Frankreich noch kroatische Fans nach Moskau. Das Nachbarland Slowenien orderte bei der kroatischen Eisenbahn zusätzliche Waggons, um die Fans nach Zagreb zu bringen. Auf dem zentralen Jelacic-Platz werden mindestens 50.000 Menschen erwartet.

Quelle: n-tv.de, mra/dpa

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