Fußball-WM 2018

Volksheld mit Doping-Akte Peru hofft nach "Koka"-Drama auf Guerrero

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Bei seinem Comeback traf Paolo Guerrero am 3. Juni gleich doppelt.

(Foto: AP)

Im Oktober 2017 scheint die Fußball-WM für Paolo Guerrero gelaufen: In seinem Blut finden sich Spuren von Kokain, der Peruaner wird gesperrt. Doch sogar die Gruppengegner setzen sich für den Kapitän der Konkurrenz ein - und es gibt tatsächlich ein Happy End.

Paolo Guerrero lässt den Ball tanzen. Einmal, zweimal, dann netzt er gefühlvoll ein. Der Kapitän und peruanische Rekordtorschütze wirkt im letzten Training vor dem WM-Auftakt gegen Dänemark, als wäre er nie weg gewesen. Der "Koka-Komplott", die monatelange Sperre, die vielen Prozesse - all das ist vor der Begegnung in Saransk (18 Uhr im ZDF und im Liveticker bei n-tv.de) vergessen. "Ich bin einfach nur froh, bei der WM dabei zu sein", sagte Guerrero über seinen komplizierten Weg nach Russland.

Guerrero ist 34 Jahre alt und hat 34 Tore für sein Land geschossen, doch die Krönung wäre dem Ex-Profi von Bayern München und des Hamburger SV beinahe verwehrt geblieben. In seiner Dopingprobe vom 5. Oktober 2017 wurde ein Abbauprodukt von Kokain gefunden, der Stürmer erhielt zunächst eine mehrmonatige Sperre. Perus erste WM seit 1982 ohne Guerrero?

Der Aufschrei in der Heimat war groß. Zumal Guerrero eine besondere Geschichte mit jener Mannschaft verbindet, die Peru vor 36 Jahren als bislang letzte bei einer WM vertrat. Eine, über die er nicht gerne redet. Ersatztorhüter war damals Guerreros Onkel, Jose Gonzalez. Fünf Jahre nach der Endrunde starb Gonzalez wie die gesamte Mannschaft von Alianza Lima bei einem Flugzeugabsturz. "Ich war damals drei Jahre alt. Ich weiß noch genau, wie meine Mutter weinte, als sie die Nachricht im Radio hörte", berichtete Guerrero einmal.

Kopfschüttelnde Anti-Doping-Kämpfer

In Russland soll sich der Kreis schließen. Sogar Perus Präsident Martin Vizcarra monierte die "zu harte" Strafe, im ganzen Land hängten Fans Plakate mit der Aufschrift "Perdon Paolo" ("Begnadigt Paolo") aus den Fenstern. Sogar die Kapitäne der drei Gruppengegner schrieben einen offenen Brief, in dem sie sich für Guerrero einsetzten, der "14 Jahre lang mit Stolz" um die WM-Teilnahme gekämpft habe. Diese Unterstützung zeige "die Solidarität im Fußball", sagte Nationaltrainer Ricardo Gareca und bedankte sich noch einmal im Namen des gesamten Teams.

Denn tatsächlich: Am 31. Mai, vier Tage vor Bekanntgabe des WM-Kaders, wurde die Sperre vom Schweizer Bundesgericht ausgesetzt, unter anderem mit dem Hinweis auf das fortgeschrittene Alter des Stürmers. Während Perus Fußballfans feierten, schlugen Anti-Doping-Organisationen weltweit die Hände über dem Kopf zusammen.

Guerrero, der die verbotene Substanz über einen Coca-Tee aufgenommen haben will, war es egal. Bei seinem Comeback am 3. Juni traf er beim 3:0-Sieg gegen Saudi-Arabien trotz fehlender Spielpraxis doppelt. Kein Wunder also, dass in Russland die Hoffnungen einer ganzen Fußballnation auf ihm ruhen. Ein Volksheld ist er schon lange, 2016 lockte der Film "Guerrero" alleine in der ersten Woche eine halbe Million Menschen in die Kinos.

Bei der WM will Guerrero das in ihn gesetzte Vertrauen zurückgeben. "Die Zuneigung der Peruaner ist großartig. Kinder schreiben mir, beten für mich - mir fehlen die Worte", sagte der Torjäger und versprach: "Ich werde alles tun, was ich kann, um Peru Freude zu bringen."

Quelle: n-tv.de, Erik Roos, sid

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