Fußball-WM 2018

"Adlergate" und (kein) Elfmeter Warum Serbiens Wut auf Brych falsch ist

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Die Serben sind überhaupt nicht gut auf Schiedsrichter Felix Brych zu sprechen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Die Fußballer Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka ziehen den Hass einer Nation auf sich. Mit ihrem "Adlerjubel" provozieren die Schweizer das serbische Team. Schiedsrichter Felix Brych sanktioniert das nicht, obwohl die Geste verboten ist.

Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri sind zwei unglaublich begabte Fußballer. Im zweiten Gruppenspiel ihrer Schweizer "Nati" bei der Weltmeisterschaft in Russland haben sie das nicht nur mit ihren sehenswerten Toren (2:1) gegen Serbien nachgewiesen. Und dennoch redet am Tag nach dem Spiel niemand über die Klasse der Spieler mit kosovo-albanischen Wurzeln. Das alles dominierende Thema ist die provokante Doppeladlergeste nach ihren Toren. Mit ihren Händen ahmten sie das albanische Wappentier nach. Für die Serben ist das ein Affront. Denn das Land erkennt das Kosovo mit seiner albanischen Bevölkerungsmehrheit nicht als Staat an und will die ehemalige Provinz zurück.

Das sagt der Schweizer Verband

Der Schweizer Fußball-Verband geht nicht davon aus, dass Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri mit Sanktionen der Fifa zu rechnen haben. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie gesperrt werden", sagte Verbands-Generalsekretär Alex Miescher. Bislang habe sich der Weltverband auch noch nicht gemeldet. Claudio Sulser, Team-Delegierter, sieht die Geste so. "Es war eine spontane Reaktion der Spieler. Auf keinen Fall eine politische Botschaft. Ich habe das Ganze mit Xherdan und Granit diskutiert. Ich möchte es vertiefen, wenn wir noch einmal darüber geschlafen haben."

Die Wut der Serben aber richtet sich nicht nur gegen die beiden Schweizer Nationalspieler, sie attackieren auch den deutschen Schiedsrichter Felix Brych, der die Geste in beiden Fällen ungeahndet ließ. Dabei wäre eine Verwarnung von Xhaka und Shaqiri möglich gewesen. Wie n-tv.de-Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, hätten dazu zweierlei Grundvoraussetzungen gegeben sein müssen. "Erstens muss Brych die Szene sehen und zweitens muss er sie auch zweifelsfrei als politische Provokation erkennen. Die kann er dann mit Gelb bestrafen. Das geben die Regeln her." Hat der Referee nun einen Fehler gemacht? Nein, zumindest keinen offensichtlichen, urteilt Feuerherdt: "Im Idealfall hätte er aber über die Bedeutung Bescheid wissen können. Als Schiedsrichter bereitest du dich auf so eine hochbrisante Partie ja intensiv vor."

In diesem Zusammenhang ist durchaus brisant, dass die Doppeladlergeste in der Schweizer "Nati" seit 2014 nicht mehr erlaubt ist. Je nach Quelle haben der Spielerrat und, oder der Verband den Jubel nach heftiger Kritik untersagt. Die Fußballer versuchten sich derweil einigermaßen ungelenk herauszureden: "Es ging hier nicht um Politik, sondern um Fußball", versicherte der frühere Bayern-Profi Shaqiri, und mochte nicht weiter über den Jubel reden. "Im Fußball sind immer Emotionen. Ich war einfach froh, dass ich so ein wichtiges Tor geschossen habe." Xhaka probierte sich mit folgender Erklärung: "Dieser Sieg war für meine Familie, die mich immer unterstützt. Der Jubel war keine Message an den Gegner."

Krstajic zieht eigenartigen Vergleich

Die Serben beschäftigten sich ohnehin lieber Brych und einer aus ihrer Sicht weiteren völlig falschen Entscheidung - nämlich einem verweigerten Elfmeter in der 66. Minute. Sie wüteten mit einem wüsten Medienecho ("Der brutale Diebstahl von Brych" oder "Der Unparteiische massakrierte unsere Mannschaft") und einem über alle Maßen enthemmten Coach Mladen Krstajic: "Wir wurden bestohlen. Ich würde Brych weder Gelb noch Rot geben, sondern ihn nach Den Haag schicken. Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben." Schiedsrichter-Experte Feuerherdt ist ob der Attacken überrascht: "Die Vehemenz der Angriffe gegen Brych hat mich gewundert. Ich fand, dass er das Spiel hervorragend geleitet hat." Zur strittigen Szene Mitte der zweiten Halbzeit sagt er: "Da kannst du Elfmeter geben, musst du aber nicht. Denn auch Stürmer Aleksandar Mitrovic arbeitet mit allen Mitteln. Auf jeden Fall ist es keine klare Fehlentscheidung und somit auch kein Fall für den Videoassistenten." Der hatte tatsächlich nicht eingegriffen.

Die Serben ziehen deswegen sogar einen Protest bei der Fifa in Erwägung. "Wir werden nicht so leicht auf das Achtelfinale verzichten", sagte Savo Milosevic, Vizepräsident des serbischen Fußballverband FSS, laut "Blic", einer serbischen Tageszeitung. "Das ist bei dieser WM die zweite Situation gegen uns. Ich weiß nicht, warum dann der Videoassistent installiert wurde", schimpfte Milosevic weiter: "Das ist skandalös."

Quelle: n-tv.de

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