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Pyeongchang gewinnt Olympia-Poker Und der Gewinner ist ... Deutschland?

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Jetzt ist die Luft raus: Ein schlaffer Ballon wirbt für München als Gastgeber.

(Foto: dpa)

Es sind Knebelverträge reinsten Wassers, mit denen das IOC Olympia-Städte an sich kettet und auspresst. Und doch: Die Politik will auch gehörig sportlich sein - und niemandem die Feier verleiden. In München fällt die Wintersause zwar nun doch aus. Aber ob das wirklich schlimm ist?

Das "Festival der Freundschaft" fällt aus. Die Olympischen Winterspiele 2018 werden nicht in München stattfinden, sondern im südkoreanischen Pyeongchang. Das kuriose Wahlvolk des Internationalen Olympischen Komitees wollte es so - und das ist keine Überraschung. Auch, wenn München das Momentum zuletzt auf seiner Seite gewähnt hatte.

Für nationale Depressionen besteht nach der Niederlage gegen den Favoriten Pyeongchang kein Anlass, bedauern darf man das Scheitern trotzdem. Immerhin 33 Millionen Euro hat die Bewerbung gekostet, und die wurden, anders als zuvor versprochen, keineswegs nur von privaten Sponsoren aufgebracht. Die Investition schien freilich verlockend: Sportliche Großveranstaltungen à la Olympische Spiele geben den Ausrichtern immer die Gelegenheit, sich selbst gemeinsam mit der Welt zu feiern, das eigene Image nachhaltig aufzupolieren. Und vielleicht wäre Deutschland 82 Jahre nach den Winterspielen von Garmisch-Partenkirchen tatsächlich einfach mal wieder dran gewesen, das kann man so sehen. Ganz sicher wäre München mit seiner Tradition, seinen begeisterungsfähigen Fans und den anspruchsvollen Sportstätten ein guter Gastgeber gewesen.

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Es darf gefeixt werden: versammelte bayerische Olympia-Gegner nach der Verkündung.

(Foto: dapd)

Nun wird Deutschland 2018 trotz einer starken Bewerbung selbst nur Gast sein in Pyeongchang, und das kann man auch begrüßen. So groß der gemeinschaftliche Rausch während Olympischer Spiele oder Weltmeisterschaften im eigenen Land auch ist: Das öffentliche Misstrauen gegenüber intransparenten und korruptionsanfälligen Sportgroßverbänden wie dem Fußball-Weltverband FIFA und dem IOC sollte mindestens ebenso groß sein.

Unter dem Deckmäntelchen sportlicher Werte und mit Billigung der Politik genießen deren Funktionäre bei ihrem viel zu oft viel zu dubiosen Treiben weitgehende Narrenfreiheit. Das haben die skandalösen Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar (2022) und die beispiellose Schlammschlacht beim FIFA-Kongress vor wenigen Wochen bewiesen. Das zeigt besonders eindrucksvoll auch der Host-City-Vertrag, den München als Olympia-Ausrichter mit dem IOC hätte abschließen müssen.

Gewissensfrage ignoriert

Es ist ein rechts- und sittenwidriger Knebelkontrakt, der dem IOC maximale Gewinne plus Privilegien wie Steuerfreiheit garantiert, ihm aber alle Vermarktungsrechte an seinem Premiumprodukt lässt und die finanziellen Lasten und Pflichten fast komplett dem Ausrichter aufbürdet. So steht es in einem Gutachten des Regensburger Rechtsprofessors Gerrit Manssen für die Münchner Olympiagegner. So hat es indirekt auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude selbst bestätigt.

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Bayerns Landesvater Seehofer: Glanz hätte auch ihn getroffen.

(Foto: dapd)

Unterschrieben hätte der Jurist Ude trotzdem, weil er das Akzeptieren der vom IOC diktierten Bedingungen und damit der eigenen Erpressbarkeit für alternativlos hält. "Eine Stadt steht vor der Entscheidung, an dieser großartigen Veranstaltung mitzuwirken als Gastgeber, oder es sein zu lassen", hat Ude im Bayerischen Rundfunk gesagt. Die Frage, ob man eine Großveranstaltung unter diesen Bedingungen als demokratischer Staat überhaupt noch wollen darf, oder ob man nicht mit dem demonstrativen Bewerbungs-Verzicht auf eine Änderung des Status quo hinwirken sollte, stellen sich die Bürgermeister und Kanzler dieser Welt einfach nicht.

Besserung nicht in Sicht

Der Grund ist simpel und ernüchternd: Weil sich die Politik liebend gern im Glanz des Sports sonnt, blendet sie dessen Schattenseiten geflissentlich aus und ermöglicht sie damit erst. Nicht nur in der Schweiz können Sportfunktionäre für Korruption nicht belangt werden, auch in Deutschland hätten sie praktisch freie Hand. Vorstöße, das zu ändern, erhielten noch weitaus weniger Zustimmung als die Münchner auf der IOC-Session. Selbst die fundierte FIFA-Kritik aus England anlässlich der Skandale bei der WM-Vergabe 2018 bietet keine Aussicht auf Besserung. Sie wurde ja erst laut, als England aus dem Rennen war – weil man vorher die eigenen Chancen gefährdet hätte.

Durch die Abfuhr in Durban bleibt dem Wintersportland Deutschland nun ein großer Rausch verwehrt. Ihm bleibt aber auch die Unterwerfung demokratischer Prinzipien unter die Willkür des Sports erspart. Winterspiele verloren und trotzdem gewonnen, so könnte man das Abstimmungsergebnis des IOC auch deuten. Das Fatale daran ist nur, dass die deutsche Politik zur bedingungslosen Unterwerfung nur allzu gern bereit gewesen wäre.

Quelle: n-tv.de

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