Olympia

So läuft der zwölfte Olympia-Tag Mindestens ein kleines Wunder ist immer drin

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Denise Herrmann will die deutsche Staffel zu einer Medaille laufen.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Große Favoriten gibt es am zweiten olympischen Mittwoch von Peking aus deutscher Sicht nicht, aber drei Chancen auf kleine Sensationen: Die Biathlon-Frauen müssen Farbe bekennen, Skifahrer Linus Straßer hat sich noch in den Anwärterkreis gefahren und die Langläuferinnen wollen wieder Schweine sein.

Biathlon: Welches Gesicht zeigen die deutschen Biathlon-Frauen im Staffelrennen (ab 8.45 Uhr/ZDF und im Liveticker auf ntv.de) ihrem vorletzten Wettkampf? Das goldige vom starken Einzelwettkampf über 15 Kilometer, in dem Denise Herrmann völlig überraschend gewann und Vanessa Voigt die Bronzemedaille nur ganz knapp verpasste? Oder das enttäuschende und enttäuschte aus dem Sprint, der mit einem deutschen Debakel endete und auch das Verfolgungsrennen zu einer Trainingsrunde unter Wettkampfbedingungen degradierte? Voigt, Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Herrmann werden über 4x6 Kilometer die Antwort geben. Die deutschen Frauen schafften es in vier Weltcup-Staffeln vor Olympia nicht einmal aufs Treppchen, es wäre eigentlich an der Zeit.

Doch die Konkurrenz ist stark: Mit den Norwegerinnen gibt es einen Topfavoriten, auch Schweden und die Belarusinnen sind stark einzuschätzen. 2014 und 2018 war das Team des Deutschen Skiverbandes jeweils leer ausgegangen. Nach acht von elf Wettkämpfen bleiben Herrmann und Co. nur noch drei Rennen, um das schwächste deutsche Olympia-Ergebnis überhaupt abzuwenden. Nur eine Medaille hatte es seit der Wiedervereinigung im Biathlon noch nie gegeben, zweimal Silber 2014 in Sotschi sind das bislang schwächste Resultat für die einstigen Medaillensammler.

Ski alpin: Noch gar keine Medaille hat der Deutsche Ski-Verband zum Gesamtergebnis der deutschen Olympia-Mannschaft beigesteuert. Denkbar knapp verpassten Lena Dürr und Kira Weidle im Slalom und in der Abfahrt jeweils als Vierte Edelmetall. "Es ist so bitter. Die Enttäuschung ist erstmal groß", sagte die 25-jährige Weidle am Dienstag nach ihrem geplatzten Traum und kämpfte mit den Tränen. Nun liegt es an Linus Straßer, die Bilanz zu verbessern: Im Slalom (2. Lauf ab 6.45 Uhr) geht der Bayer als Medaillenkandidat an den Start.

Dass Straßer im erweiterten Favoritenkreis auftaucht, ist vor allem einem Rennen zu verdanken: Beim legendären Nachtslalom von Schladming raste er Ende Januar überraschend zum Sieg - und ist in diesem olympischen Winter damit einer von nur drei Fahrern, die im Slalom zweimal auf dem Podest standen. Konstanz ist allerdings nicht die Sache des erfolgreichsten deutschen Slalomfahrers seit dem Rücktritt Felix Neureuthers: Einmal wurde er noch 14., zweimal schied er aus. "Zwischen Leid und sowas hier liegt so wenig", stellte auch Straßer nach seinem famosen Schladming-Sieg fest. Im Riesenslalom war er im ersten Durchgang ausgeschieden. Nun aber geht es wieder um den Triumph, den größten, den der Sport zu bieten hat.

Langlauf: Die Silbermedaille für die deutsche Langlauf-Staffel der Frauen war eine der großen positiven Überraschungen aus deutscher Sicht bei diesen Olympischen Winterspielen. Völlig überraschend war das deutsche Team in die Phalanx der Skandinavierinnen eingebrochen. Auch für den Teamsprint machen sich die Deutschen nun Hoffungen. "Auch da haben wir eine Chance. Wir sind natürlich jetzt heiß, keine Frage", sagte Katharina Hennig und sagte dann einen Satz, den sie schon vor Staffel-Silber ausgesprochen hatte: "Wir werden wieder kämpfen wie die Schweine."

Hennig sollte ab 10.15 Uhr ursprünglich mit Katherine Sauerbrey ins Rennen gehen, um den Coup aus einem der dramatischsten Langlauf-Rennen der jüngeren Vergangenheit zu wiederholen. Doch wenige Stunden vor dem Rennen gab es eine kurzfristige Änderung: Sauerbrey, die von Teamchef Peter Schlickenrieder ursprünglich für das Zweierteam nominiert worden war, fühle sich nicht hundertprozentig fit und habe sich aufgrund der hohen Belastungen in den vergangenen Tagen entschieden, auf den Wettkampf zu verzichten, hieß es. Für Sauerbrey startet mit Victoria Carl eine andere Staffel-Heldin. Nach zwischenzeitlich großem Abstand auf die Plätze drei und vier rettete die deutsche Staffel am Ende einen Vorsprung von 2,5 Sekunden auf die drittplatzierten Schwedinnen und drei Sekunden auf Finnland "auf der letzten Rille" ins Ziel, wie es Teamchef Peter Schlickenrieder formulierte. Favorisiert sind Norwegen, Schweden, und die USA.

Wegen der extremen Kälte sind die Wettbewerbe vorgezogen worden. Ursprünglich waren die Rennen jeweils 105 Minuten später angesetzt gewesen. In den chinesischen Bergen macht große Kälte den Sportlern zu schaffen. Beim Skisprung-Teamwettkampf sanken die Temperaturen auf unter minus 20 Grad. Bei den Männern gehen nach Hennig/Sauerbrey Albert Kuchler und Janosch Brugger für Deutschland ins Rennen.

Ski Freestyle: Kein Deutscher konnte sich für die Finals im Slopestyle der Freestyle-Skiartisten qualifizieren. Spektakulär wird der Wettbewerb ab 2.30 Uhr dennoch. Im Slopestyle gleiten die Sportlerinnen auf einem anspruchsvollen Kurs über Eisenstangen und springen über Schneeschanzen. Dabei zeigen sie spektakuläre Flugeinlagen - mitunter sogar rückwärts. Gleiches gilt für die zweite Freestyle-Entscheidung des Tages: Auch bei den Aerials ist kein deutscher Starter vertreten. In der Disziplin Aerials springen die Athletinnen über eine steile Schanze fast senkrecht nach oben in die Luft und zeigen spektakuläre Kombinationen aus Salti, Drehungen und Grätschen (ab 12 Uhr).

Shorttrack: "Olympia hat immer eigene Regeln und Gesetze. Es gab so viele Stürze, so viele Favoriten sind rausgeflogen. Jeder ist nervös. Mein Ziel ist es, auf jeden Fall ins Halbfinale zu kommen. Da ist dann im Shorttrack alles möglich", sagt Anna Seidel. Die 23-Jährige ist Deutschlands beste Shorttrackerin und rechnet sich über 1500 Meter ab 12.30 Uhr durchaus etwas aus. Die zweimalige Europameisterin, die schon 2014 mit gerade einmal 15 Jahren in Sotchi ihre ersten Olympischen Spiele erlebte, gehört nicht zur absoluten Weltspitze, in Deutschland ist sie aber unantastbar. Und wenn erstmal das Halbfinale geschafft ist, dann ist eben auch alles möglich. Im Shorttrack gehen die Kufenathletinnen auf - im Vergleich zum klassischen Eisschnelllaufen - kürzeren und engeren Bahnen in ihre Rennen. In der Staffel über 5000 Meter startet kein deutsches Team.

Quelle: ntv.de, ter

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