Olympia

Pfiffe und Olympia-Proteste in Rio Nur das Feuerwerk rettet Temer

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Brasiliens Interimspräsident Michel Temer eröffnet die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro - und wird ausgepfiffen.

(Foto: AP)

Viele Menschen feiern die Eröffnung der Olympischen Spiele. Doch ausgerechnet in Brasilien und in Rio de Janeiro gibt es auch Proteste - gegen die hohen Kosten und die Krise des Landes. Interimspräsident bekommt das bei seiner kurzen Rede zu spüren.

Die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro ist von Protesten gegen die Regierung sowie der politischen und wirtschaftlichen Krise in Brasilien überschattet worden. Auch im Stadion war dies spürbar: Als der brasilianische Interimspräsident Michel Temer am Freitagabend zum Abschluss der Feier im berühmten Maracana-Stadion die Spiele für eröffnet erklärte, wurde er von den Zuschauern ausgepfiffen.

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Vor dem Stadion protestieren Menschen gegen Olympia in Rio.

(Foto: REUTERS)

"Nach diesem wunderbaren Spektakel erkläre ich die Olympischen Spiele von Rio für eröffnet", sagte Temer bei seinem kurzen Auftritt. Zuvor hatte er sich auffallend zurückgehalten. Die Protestrufe und Pfiffe des Publikums wurden erst durch das Feuerwerk übertönt, mit dem die Zeremonie endete. Brasilien steckt mitten in einer schweren Politik- und Wirtschaftskrise. Gegen Präsidentin Dilma Rousseff läuft ein Amtsenthebungsverfahren, das sie und ihre Anhänger als verdeckten Putsch ihres Vizes Temer betrachten.

Applaus für Flüchtlingsmannschaft

In seiner Ansprache bezog sich auch IOC-Präsident Thomas Bach auf die Krise: "Ihr habt Rio in eine moderne und einzigartige Stadt verwandelt", sagte der Deutsche, der seinerseits wegen des Umgangs des Internationalen Olympischen Komitees mit den Dopingvorwürfen gegen russische Sportler umstritten ist. "Und ihr habt all unsere Bewunderung, weil ihr dies in einem schwierigen Moment der Geschichte Brasiliens getan habt."

Besonderen Applaus erhielt beim Einzug der 207 nationalen Olympia-Mannschaften die Flüchtlingsmannschaft, die unter der Olympischen Flagge erstmals an den Spielen teilnahm. "Ihr habt eine Botschaft der Hoffnung für die Millionen Flüchtlinge in aller Welt. Ihr habt aus euren Häusern fliehen müssen wegen Gewalt, Hunger oder nur weil ihr anders seid", sagte Bach. Jetzt würden sie "einen wunderbaren Beitrag zur Gesellschaft" erbringen.

Unter den ausländischen Gästen waren Frankreichs Präsident François Hollande und sein argentinischer Kollege Mauricio Macri. Im Vergleich zu früheren Spielen hatten sich jedoch deutlich weniger Staats- und Regierungschefs angemeldet. Bundespräsident Joachim Gauck hatte aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig abgesagt. Brasiliens derzeit suspendierte Präsidentin Rousseff und ihr Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva boykottierten die Feier aus Protest gegen das laufende Amtsenthebungsverfahren.

Proteste in Rio

Die rund 78.000 Zuschauer in dem ausverkauften Stadion waren dennoch in Partystimmung. Der brasilianische Sänger Paulinho da Viola sang die Nationalhymne und Supermodel Gisele Bündchen defilierte in einem goldfarbenen Kleid zu dem berühmten Bossa-Nova-Song "Garota de Ipanema" von Tom Jobim, der von dessen Enkel Daniel gesungen wurde. Auch die Musikstars Caetano Veloso, Gilberto Gil und Anitta traten bei der Feier auf.

Außerhalb des Stadions war die Stimmung dagegen weniger geprägt von Freude als von Ärger oder schlicht Desinteresse. Kurz vor der Eröffnung hatte es in Rio erneut Proteste gegen die Spiele gegeben. Mehrere tausend Menschen demonstrierten mit Schildern, auf denen "Nein zu den Olympischen Spielen" zu lesen war, gegen das Sportereignis vor dem Luxushotel Copacabana Palace, wo viele Sportler wohnen.

Viele Brasilianer sind wütend über das teure Sportspektakel, für das insgesamt rund elf Milliarden Euro ausgegeben wurden. Als Brasilien 2009 den Zuschlag für die Spiele erhielt, war es am Höhepunkt seines Wirtschaftsbooms, doch hat sich seitdem die Lage gravierend verschlechtert. Inzwischen steckt das Land in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten mit hoher Arbeitslosigkeit und starker Inflation.

Quelle: ntv.de, mli/AFP