Olympia

Unterstützer eines Völkermords? Olympias größter Geldgeber steckt in tiefer Krise

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Schöne Bilder, aber zu welchem Preis?

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

7,75 Milliarden Dollar zahlt das US-Unternehmen Comcast für die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen. Für den Sender NBC ergibt sich daraus eine Zwickmühle, denn ein Gelingen des Großereignisses in China liegt dadurch in seinem Interesse. Kritik scheint nicht erwünscht zu sein.

Bob Costas ist ein Mann des Wortes und als solcher eine Ikone. Zwölfmal war der langjährige Moderator und Kommentator des US-Mediengiganten NBC das Gesicht der Olympischen Spiele im Fernsehen, er war "host" zur Prime Time - von 1992 bis 2016. Mittlerweile widmet er sich in beruflicher Hinsicht seiner großen Liebe Baseball, doch wenn er sich wie dieser Tage noch mal zu den Olympischen Spielen äußert, dann hallen seine Worte nach.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verdiene nichts als "Verachtung" und "Abscheu" für die Rückkehr nach China, sagte Costas am Sonntag bei CNN. Die Herren der Ringe seien "schamlos", daher finde Olympia nicht nur in Zeiten von Corona statt, es gebe auch "Einschränkungen bei der Pressefreiheit und das Gefühl, dass jeder dort auf die ein oder andere Art überwacht wird". Das sei schon 2008 so gewesen, und jetzt noch viel schlimmer.

Costas betonte allerdings auch die widersprüchliche Situation, in der sich sein ehemaliger Arbeitgeber mehr denn je befindet: NBC ist der größte Geldgeber des IOC, für die multimedialen Übertragungsrechte bis 2032 zahlt das Mutterunternehmen Comcast 7,75 Milliarden Dollar - und unterstützt damit Spiele in China, die von den USA diplomatisch boykottiert werden. Wegen des "anhaltenden Genozids und Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

Kein Platz für Kritik?

Nicht nur NBC habe ein Problem, sagte Costas. Jedes Unternehmen, "das großen Sport überträgt, ist zugleich in einer Position, bestenfalls nur quasi-journalistisch zu sein". Hier werde über ein Event berichtet, das ja auch promotet werde. Nachrichtensender wie CNN zahlten nicht für das Recht, über das Weiße Haus zu berichten, NBC aber gebe viel Geld für Rechte und Produktion aus, weil es der "zentrale Baustein" seiner ganzen TV-Strategie sei.

Der US-Wirtschaftsprofessor Andrew Zimbalist, Autor mehrerer Bücher über die geschäftlichen Zusammenhänge im Rahmen Olympischer Spiele, glaubt, NBC befinde sich "in einer unmöglichen Situation". Der Sender, sagte er dem Internet-Portal Deadline könne lediglich "versuchen, auf subtile Weise und ohne die Chinesen dabei zu sehr zu beleidigen, ein paar Beiträge" zu kritischen Themen zu bringen. In Wahrheit aber "stecken sie in der Klemme".

Molly Solomon, Chefin der Olympia-Produktion von NBC, weiß um die Zwickmühle, in der sie steckt, mag jedoch keine kritische Berichterstattung über China zusagen. Man werde "Chinas Platz in der Welt beleuchten", ebenso den "geopolitischen Zusammenhang erklären, in dem diese Spiele ausgetragen werden", sagte sie ausweichend. Viel deutlicher stellte sie klar: "Die Athleten bleiben im Zentrum unserer Berichterstattung." Bob Costas wird die Olympischen Spiele in Peking übrigens für CNN kommentieren. Und damit auch ohne jegliche Rücksicht auf Befindlichkeiten.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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