Olympia

Sogar BND ist eingeschaltet Riesenangst vor dem olympischen Lauschangriff

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Wer rein will in die Olympia-Blase, darf dies nur mit der Abgabe seiner Daten.

(Foto: dpa)

Das Coronavirus macht den Olympischen Spielen zu schaffen. Die Gesundheit der Teilnehmenden ist wichtig. Um vorzubeugen, gibt es eine App, in der Gesundheits- und Reisedaten hinterlegt werden müssen. China scheint diese aber noch ganz anders zu nutzen. Nicht der einzige Weg, auf dem spioniert wird.

Mitgehörte Gespräche? Diebstahl von wichtigen Daten im Kampf um Gold? Totale Überwachung? Bei den deutschen Wintersportstars geht bei Olympia in China neben der Vorfreude auch die Angst vor Cyberattacken um. Die deutschen Athletinnen und Athleten sollen aus Furcht vor Spionage in Peking keine persönlichen Handys benutzen, selbst der Auslandsgeheimdienst BND wurde eingeschaltet.

"Wen sollst du sonst dazu fragen? Wir mussten uns an irgendwen wenden", sagte Alpin-Chef Wolfgang Maier über den ungewöhnlichen Schritt. Der Nachrichtendienst habe angesichts der umfangreichen Überwachungsinstrumente in China geraten, Informationen zum Wachsen von Skiern oder der Materialforschung "zu Hause zu lassen" und Geräte mitzunehmen, "auf denen nur das Notwendigste drauf ist". Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) riet den Athleten, nur Wegwerf-Handys zu benutzen. "Ich bin ganz ehrlich: Wenn man so einen Rat gibt, hat man kein gutes Gefühl dabei, sonst würde man diesen Rat ja gar nicht erst geben", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert bei Spox.

Besonders heikel scheint die offizielle Olympia-App "My2022" zu sein, die alle Sportler, Trainer, Betreuer und Funktionäre auf einem Smartphone installieren und private Gesundheits- sowie Reisedaten hinterlegen müssen, um in China einreisen zu dürfen. Offiziell soll dadurch die Kontaktnachverfolgung bei positiven Corona-Tests verbessert werden, Experten befürchten jedoch, die Software könnte für einen Lauschangriff genutzt werden.

Absichtlich zu Überwachungszwecken sabotiert?

So haben Forscher des "Citizen Lab" der Universität Toronto nachgewiesen, dass die App einen "einfachen, aber verheerenden" Verschlüsselungsfehler aufweist, durch den persönliche Daten wie Gesundheitsinformationen und Sprachnachrichten abgegriffen werden könnten. China habe "in der Vergangenheit Verschlüsselungstechnologien untergraben, um politische Zensur und Überwachung durchzuführen", hieß es in einem Statement: "Daher ist die Frage berechtigt, ob die Verschlüsselung in dieser App absichtlich zu Überwachungszwecken sabotiert wurde oder ob der Fehler auf Nachlässigkeit der Entwickler zurückzuführen ist." Auch andere Nationen wie die USA, die Niederlande oder Großbritannien schlugen Alarm - Athleten sollen keine eigenen Computer und Telefone mit nach China nehmen, sondern nur Leih- oder Wegwerfgeräte.

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Die lokalen Olympia-Organisatoren wiesen die Vorwürfe zurück, es gebe für Cyber-Bedrohungen "keinerlei Beweise", und "relevante Informationen" würden nur für die Spiele verwendet. Doch wirklich beruhigt hat das außerhalb Chinas wohl niemanden. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat den DOSB und einige Athleten über das Risiko informiert, in China ausgeforscht oder abgehört zu werden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Außerdem habe das BSI seinen Leitfaden zur IT-Sicherheit angepasst und verteilt. Das australische Team will ein eigenes WLAN für die Athleten in ausgewiesenen Bereichen zur Verfügung stellen.

Man kann wohl nicht vorsichtig genug sein. "Der Überwachungsstaat hat keine Ausnahmeklausel für Sportler", sagte Robert Potter, Experte für Internet-Sicherheit, der Nachrichtenagentur AFP: "Ich kenne niemanden, der nach China eingereist ist und nicht in irgendeiner Form elektronisch überwacht wurde."

Quelle: ntv.de, ara/sid

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