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Die Ringe-Panne bei der Eröffnungsfeier ist noch die harmloseste Sotschi-Erinnerung.
Die Ringe-Panne bei der Eröffnungsfeier ist noch die harmloseste Sotschi-Erinnerung.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 08. Februar 2018

Größenwahn und Dopingkomplott: Sotschi - das olympische Milliarden-Mahnmal

In Sotschis einstigem Doping-Vertuschungs-Labor herrscht noch immer Hochbetrieb, dort werden weiter Cocktails gemixt, allerdings ganz legal. Die meisten Sportstätten sind indes verwaist: Vier Jahre nach den Winterspielen trägt Sotschi schwer am olympischen Erbe.

Das Zentrum des Skandals brummt noch immer, vor allem an den Wochenenden. Vor ziemlich genau vier Jahren wurde in diesen Räumen die gesamte Sportwelt betrogen - heute geht dort allabendlich Hochprozentiges über die Theke: Das Anti-Doping-Labor von Sotschi 2014 ist jetzt eine Cocktailbar. Und die hat aus dem Eklat eine Geschäftsidee gemacht. Einmal "Meldonium" für 650 Rubel? Oder eine "B-Probe", serviert im Schnapsglas? Die landet für 320 Rubel auf dem Tresen.

Das Vermächtnis der vergangenen Winterspiele ist allgegenwärtig in der Schwarzmeerstadt, und das wird nicht nur beim Blick in die Getränkekarte des "La Punto" unweit des Olympiastadions deutlich. Sotschi bleibt wohl auf ewig gebrandmarkt als Epizentrum des russischen Doping-Bebens. Aber das ist nur die eine Sache. Olympia 2014, das waren auch die teuersten Spiele der Geschichte - der Höhepunkt der Verschwendungssucht im Zeichen der Ringe. Ein Badeort für russische Familien wurde auf Geheiß Wladimir Putins für umgerechnet mindestens 40 Milliarden Euro aufgemotzt zur High-Tech-Olympiastadt, manche Schätzungen gehen gar von 50 Milliarden Euro aus. Und jetzt? Ist Sotschi wieder ein Badeort für russische Familien, der wenig mit seinen Errungenschaften anzufangen weiß.

In der Fischt-Arena finden im Sommer 2018 einige WM-Spiele statt. Was danach kommt? Keiner weiß es.
In der Fischt-Arena finden im Sommer 2018 einige WM-Spiele statt. Was danach kommt? Keiner weiß es.(Foto: Artur Lebevev/AP/dpa)

Ein Spaziergang durch den Olympiapark macht das deutlich. Fast Seite an Seite glänzen dort die riesigen Gebäude in der Sonne. Das gewölbte Dach des Olympiastadions Fischt ist was fürs Auge, ein ästhetischer Bau. Eine Funktion erfüllt die Arena aber selten. Ursprünglich sollte sie die Heimat des neugegründeten FC Sotschi werden, doch der Klub schaffte es nie nachhaltig in den Profibetrieb. Im vergangenen Jahr wurden in Sotschi einige Begegnungen des Confed Cups ausgetragen, im kommenden Sommer sorgen vier Gruppen- und zwei K.o.-Spiele der Fußball-WM für Leben auf den Tribünen. Dann ist wohl auf Jahre hinaus erstmal Ruhe im Fischt.

Nur wenige Schritte entfernt stehen gleich zwei Multifunktions-Arenen. Der große Bolschoi-Eispalast beheimatet heute den Eishockeyklub HK Sotschi. 300 Meter weiter wurde die kleinere Schaiba-Eisarena errichtet, die nach den Spielen eigentlich in einer anderen russischen Stadt wieder aufgebaut werden sollte. Sie steht noch immer an Ort und Stelle.

Top-Sportstätten - nur wofür?

Kaum genutzt sind auch zahlreiche Stätten im rund 40 Kilometer entfernten Bergdorf Krasnaja Poljana. Das Biathlon- und Skilanglaufzentrum spielt trotz höchster Standards seit den Winterspielen international keine Rolle mehr. Auf den Skisprung-Schanzen war der Satz von Severin Freund zum deutschen Teamgold am 17. Februar 2014 das letzte Highlight. Der Sanki-Eiskanal immerhin wurde zunächst in den Weltcup-Kalender der Bob- und Rodelsportler aufgenommen, seit mittlerweile zwei Jahren war die internationale Elite aber auch hier nicht mehr zu Gast. Und das Rosa Chutor Skiressort, für dessen Errichtung massive und heftig kritisierte Eingriffe in die Natur vorgenommen wurden, hat zumindest bei reichen Russen Anklang für den Winterurlaub gefunden.

Wenigstens ein sportliches Großevent pro Jahr bleibt Sotschi aber auf Jahre erhalten: Die Formel 1 hat ihren Vertrag verlängert, bis mindestens 2025 sollen die Boliden ihre Runden auf dem Kurs entlang der olympischen Sportstätten drehen. Allerdings ist Sotschi sogar für ein Ereignis dieser Größenordnung irgendwie überdimensioniert. Die 40.000 Hotelzimmer vermag nichtmal die Formel 1 annähernd zu füllen. Und so dürfte die Stadt am Schwarzen Meer nicht nur wegen des Staatsdoping-Skandals in die Geschichte eingehen. Sie ist auch ein Mahnmal gegen olympischen Größenwahn.

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Quelle: n-tv.de