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Vorrunden-Finale im Re-live Unerklärliches DHB-Team rettet sich ins Ziel

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Schön war's nicht immer, aber zumindest gab es Grund zum Jubeln.

(Foto: imago images/Bildbyran)

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gibt bei der Europameisterschaft weiter Rätsel auf: Auch beim Sieg gegen den Underdog aus Lettland bleibt das Team von Bundestrainer Christian Prokop lange unter den eigenen Möglichkeiten. Lesen Sie jetzt das Vorrundenfinale im Re:live nach.

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Fazit: Zur Halbzeit sah es erfreulich aus, nach der Pause setzte sich die deutsche Mannschaft sogar noch deutlicher ab. Dann brach das DHB-Team wieder ein, die deutschen Torhüter bekamen wieder keinen Finger an den Ball - und im Angriff schlichen sich wieder zu viele Ungenauigkeiten ein. Unerklärlich, wie eine Mannschaft mit so hohen Zielen, gegen einen auf beinahe jeder Position schwächer besetzten Gegner, nach hoher Führung so einbrechen kann. Am Ende rettete sich Deutschland zu einem denkbar knappen Sieg gegen die Letten, Selbstvertrauen dürfte hier außerhalb Lettlands niemand gesammelt haben. Deutschland zieht trotzdem in die Hauptrunde ein, dort warten mutmaßlich Kroatien, Österreich, Weißrussland und die Tschechei.

Schluss, 27:28: Dainis Kristopans hat heute früher Feierabend: Der Riese kassiert sieben Sekunden vor Schluss eine Zwei-Minuten-Strafe. Und dann ist das Spiel zu Ende. Jubeln tut im deutschen Lager niemand. Dafür war diese Vorstellung in der zweiten Hälfte zu schwach. Die Deutschen wirken ein wenig geschockt von ihrer eigenen Vorstellung. Weiter geht´s am Donnerstag in Wien.

59. Minute, 27:28: Gensheimer erzielt seinen vierten Treffer. Deutschland wird dieses Spiel wohl gewinnen, aber jubeln tun hier vor allem die Letten. Die haben ein gutes Spiel von ihrer Mannschaft gesehen. Unglaublich, wie Deutschland hier in der zweiten Hälfte wieder ins Straucheln gerät. Wir erinnern uns: Die Letten haben sich hier bisher zwei Klatschen abgeholt.

56. Minute, 25:27: Andreas Wolff glücklos. Vom Pfosten prallt ein Kristopans-Wurf an den Rücken der Weltklassetorwarts und von dort ins Tor. Deutschland zieht sicher in die Hauptrunde ein, aber diese zweite Hälfte war dann doch wieder nicht mehr dazu geeignet, sich hier ein bisschen Begeisterung zu erspielen.

55. Minute, 24:27: Ein großer Moment für den Drittliga-Torwart Edgars Kuska: Erst hält der 29-Jährige gegen Kohlbacher, keine drei Sekunden später den Nachwurf gegen Kastening. Danach holt sich Kohlbacher seine zweite Zeitstrafe ab. Deutschland in Unterzahl - und Michalczik geht direkt hinterher. Viel Platz für die Letten - und die treffen.

53. Minute, 23:27: Erst trifft Kristopans, dann Gensheimer. Weltklasseleute unter sich.

52. Minute, 23:26: Der eingewechselte Marian Michalczik setzt schnell um, was Prokop gerade in der Auszeit gefordert hatte: In die Tiefe gehen, mal zwei Minuten provozieren. Beides gelingt dem Leipziger. Dazu gibt es einen Siebenmeter, Reichmann verwandelt sicher.

50. Minute, 22:25: Die Letten haben jetzt hier richtig Spaß: In Überzahl trifft der kleinste Spieler bei dieser EM: Andis Ermanis misst 168 Zentimeter und damit hast einen halben Meter weniger als Kristopans.

48. Minute, 21:25: Andreas Wolff bekommt hier noch keine Hand an den Ball, aber wenn Kristopans aus dem dritten Stock mit weit über 100 Stundenkilometern abschließt, ist das auch undankbar. Deutschland hängt gerade ein bisschen durch und Lettland ist auf vier Treffer dran.

45. Minute, 19:25: In den ersten beiden Partien sind die Letten nach 40, 45 Minuten eingebrochen. Und heute? Deutschland wird dieses Spiel gewinnen, die Frage ist: Wie hoch? Beide Teams versenken derweil jeweils einen Siebenmeter, für das DHB-Team trifft Reichmann.

42. Minute, 18:24: Hinten kommt Andreas Wolff ins Tor, vorne trifft Drux. Hier geht alles seinen geregelten Gang, auch ohne die ganz große Aufregung. Den 18. Treffer kann Wolff unterdessen noch nicht verhindern.

40. Minute, 16:23: Kühn schwingt sich zum Regisseur auf: Eben fand der Rückraumkanonier Kohlbacher am Kreis, jetzt spielte der Melsunger Uwe Gensheimer stark frei. Zweiter Treffer für den Kapitän. Aber er kann es weiterhin auch selbst: Achter Versuch, achter Treffer.

38. Minute, 15:21: Jetzt ist Deutschland in Überzahl und nutzt das aus: Der starke Timo Kastening dreht den Ball aus einem ganz schweren Winkel durch die Beine des lettischen Torwarts. Der ist arg gezeichnet, nachdem Schmidt ihn vor ein paar Minuten ohne Absicht im Gesicht getroffen hatte.

36. Minute, 15:20: Lettland trifft in Überzahl : Aivis Jurdzs, lange in Deutschland tätig, besorgt das 14:19 - aber vorne kümmert sich Julius Kühn um den alten Abstand.

35. Minute, 13:19: Und da ist Kristopans: Erst bedient er seinen Kreisläufer, der die Strafe gegen Wiencek provoziert und dann trifft der angehenden Pariser selbst.

34. Minute, 12:19: Das kann hier richtig deutlich werden. Paul Drux trifft zum 18:11. Ich aber bewundere den Giganten Kristopans: Der verteilt 135 Kilo auf 214 Zentimeter und steht hier wieder - wie schon gegen Spanien - jede einzelne Sekunde des Spiels auf dem Feld, vorne wie hinten. Ach ja: Kühn erzielt während der Bewunderung seinen sechsten Treffer. Und Wiencek muss zum zweiten Mal strafbedingt auf die Bank.

31. Minute, 11:17: Kühn kanns auch filigran: Der Melsunger bedient hinter Kristopans Rücken Jannik Kohlbacher - und der erzielt den ersten Treffer der zweiten Halbzeit.

Halbzeitfazit: Die deutsche Mannschaft tat sich erst schwer, lag Mitte der ersten Halbzeit gegen den krassen Außenseiter sogar kurz in Rückstand. Dann aber legte das Prokop-Team zu, erzielte viele einfache Tore aus dem Rückraum und schloss Gegenstöße konsequent ab. Und die Mannschaft sendet positive Zeichen: Jede erfolgreiche Aktion wird von der Bank begleitet, man will sich hier und heute um jeden Preis noch ein gutes Gefühl für die kommenden Aufgaben holen. Auch wenn daran erinnern sollte, dass es heute gegen Lettland und nicht Norwegen geht, ist das ein gutes Signal. Es wirkt hier seit längerer Zeit alles überzeugter und wacher, als noch im ersten Spiel gegen die Niederlande. Eine Pflichtaufgabe kann man auch schlechter lösen. Gleich geht es hier weiter.

Halbzeit, 11:16: Boah! Kühn steigt hoch und erzielt mit dem fünften Versuch seinen fünften Treffer. Da siehste als Torwart einfach kein Land. Mit der Pausensirene erzielen die Letten den letzten Treffer der ersten Halbzeit.

29. Minute, 10:15: Tolle Szene: Bitter hält seinen vierten Ball - und wird dafür von Andreas Wolff gefeiert. Wolff, der nach dem Spanien-Spiel tief enttäuscht von seiner eigenen Leistung war, füllt seine Rolle heute stark aus. Ein funktionierendes Torhütergespann wird noch wichtig werden im Laufe des Turniers.

28. Minute, 10:15: Der Bundestrainer wechselt hier munter durch, jetzt stellen Schmidt, Weber und Kühn den Rückraum - und Kühn trifft, wie Kühn eben trifft: Mit mächtig Bumms.

26. Minute, 10:14: Starke Aktion von Kastening. Der Rechtsaußen antizipiert einen lettischen Pass richtig, spritzt dazwischen und macht sich auf die Reise - mit erfolgreichem Ende.

25. Minute, 9:13: WIr müssen uns bei Dainis Kristopans entschuldigen. Nach dem "Kristopans ist am Limit" traf er schon zweimal. Und musste dafür noch nicht mal springen.

24. Minute, 8:13: "Kristopans ist schon am Limit", haben die deutschen Spieler in der Auszeit analysiert. Wir werden das im Auge behalten. Gegen den Treffer des eingewechselten David Schmidt kann Lettland auf jeden Fall nichts entgegen setzen und auch Julius Kühn darf direkt noch einen nachlegen.

22. Minute, 8:11: Tormaschine Kristopans gelingt hier wenig, der Hüne steht bei einem Treffer. Besser macht es auf der anderen Seite wieder Kühn, der den Ball in den Winkel nagelt. Interessant: In der Auszeit gibt Prokop die Marschroute für den Angriff vor, für die Abwehr darf Abwehrchef Hendrik Pekeler die Ansage machen. Kristopans erzielt dann aber mit etwas Glück doch noch seinen zweiten Treffer.

21. Minute, 7:10: Von ganz, ganz weit draußen trifft Julius Kühn in Unterzahl. Und hinten schnappt sich Gensheimer einen Kristopans-Pass. Aber Kai Häfner scheitert beim folgenden deutschen Angriff.

18. Minute, 7:9: In Überzahl setzt sich Deutschland erstmals etwas ab: Wiencek sichert in der der Abwehr den Ball, vorne trifft Hendrik Pekeler ins leere Tor. Die deutsche Abwehr steht hier jetzt gut, auch wenn Kohlbacher die zweite deutsche Zwei-Minuten-Strafe kassiert.

16. Minute, 6:8: Tobias Reichmann hat Gensheimer tatsächlich als erster Siebenmeterschütze abgelöst. Der Melsunger trifft.

15. Minute, 6:7: Johannes Bitter hält einen Siebenmeter und eskaliert, als hätte er den ersten Hauptrundensieg festgehalten. Die deutschen Torhüter stehen nach der dünnen Vorstellung gegen Spanien unter Druck - und der entlud sich da sichtbar. Jannik Kohlbacher bringt Deutschland wieder in Führung.

13. Minute, 6:6: Jetzt trifft Gensheimer - und die deutsche Bank springt geschlossen auf.

12. Minute, 6:5: Lettlands "Mannschaft des Jahres" lässt sich nicht abschütteln - auch, weil Uwe Gensheimer seinen ersten Wurf direkt liegen lässt. In Unterzahl konnten die Letten ausgleichen - und sogar in Führung gehen.

10. Minute, 4:5: Zweiter Treffer für Kastening und wieder zwei Minuten für die Letten.

9. Minute, 4:4: Zwei wilde Minuten mit Fehlern hüben wie drüben schließt Aivis Jurdz mit dem Ausgleich ab.

7. Minute, 2:4: Philipp Weber darf im linken Rückraum ran und schafft den Durchbruch: 3:2. Danach klaut Patrick Wiencek den Letten einen Ball, schickt Timo Kastening in den Gegenstoß und der Hannoveraner bringt sich beim Bundestrainer wieder ins Gedächtnis.

5. Minute, 2:2: Die deutsche Abwehr steht, in der zweiten Welle trifft wieder Drux. Aber Ingars Dude, eben noch der Sünder, gleicht aus.

3. Minute, 1:1: Im Angriff startet wieder Paul Drux auf der Mitte. Der Berliner holt erst eine frühe Zwei-Minuten-Strafe raus und trifft dann direkt.

1. Minute, 1:0: Johannes Bitter beginnt im deutschen Tor, auf Rechtsaußen löst Timo Kastening Tobias Reichmann ab. Dainis Kristopans trifft trotzdem.

18:11 Uhr: Um den Klassenunterschied noch einmal zu illustrieren: Lettlands Nationaltrainer Armands Uscins steht im Ligaalltag bei einem deutschen Fünftligisten in Wittenberg an der Seitenlinie, mit Gert Lilienfelds (HSC Coburg) und Austris Tuminskis (EHV Aue) spielen zwei lettische Rückraumakteure in der zweiten Handballbundesliga, Torwart Edgars Kuksa spielt in Aurich drittklassig.

18:05 Uhr: Während in Deutschland lamentiert wird, dass noch Sand im Getriebe ist, haben andere Nationen schon ganz andere Probleme: Die Franzosen sind gestern zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder bei einem Großturnier in der Vorrunde rausgeflogen. Und Dänemark, Weltmeister, Olympiasieger und Topfavorit, steht nach der unerwarteten 30:31-Auftaktpleite gegen Island auch schon mit dem Rücken zur Wand. Das DHB-Team dagegen wird sicher in der Hauptrunde dabei sein, wo sie allerdings mit null Punkten ins Rennen gehen wird. Aber: Wie es Prokop und Gensheimer schon gesagt haben: Es ist alles noch drin, man hat es noch in der eigenen Hand. Und "es" heißt in diesem Falle: Halbfinaleinzug.

Deutschland ist sicher weiter: ...

... bei einem Sieg gegen Lettland
... bei einem Remis gegen Lettland, wenn die Niederlande nicht gegen Spanien gewinnen
... bei einer Niederlage mit maximal neun Toren Differenz gegen Lettland, wenn die Niederlande gegen Spanien verlieren

17:55 Uhr: Für die lettische Mannschaft ist das Turnier nach zwei deutlichen Pleiten - 22:33 gegen Spanien und 24:32 gegen die Niederlande - bereits gelaufen, aber im deutschen Lager hat man trotz der herben Ernüchterung gegen Spaniens - Pardon, ich schreibe das voller Hochachtung - Seniorentruppe noch einiges vor: "Wir müssen jetzt zusehen, dass wir den nächsten Step nach Wien machen", sagte Christian Prokop mit Blick auf den Spielort der möglichen deutschen Hauptrundengruppe. Der Bundestrainer verriet, er "glaube an diese Mannschaft", ungeachtet der Pleite gegen den Europameister, bei der sich sein Team auf jeder einzelnen Position unterlegen präsentiert hatte. Und Uwe Gensheimer, der Kapitän, der bisher ein so finsteres Turnier erlebt, hat sich auch persönlich viel vorgenommen: "Wir haben auch über das Mentale gesprochen. Es ist wichtig, sich jetzt zu berappeln. Es ist noch nichts gelaufen, es ist noch alles drin", sagte der Linksaußen. Als Kapitän wolle er nun "vorangehen und meine Leistung zeigen. Dafür habe ich gegen Lettland eine neue Chance."

17:45 Uhr: Liebe Leserinnen und Leser, liebe Handballfreundinnen und -freunde,

ein herzliches Willkommen zum letzten Vorrundenspiel der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der diesjährigen Europameisterschaft. Gegen EM-Neuling Lettland geht es für das Team von Bundestrainer Christian Prokop um den Einzug in die Hauptrunde und etwas mehr noch um einen gelungenen Abschied aus der Vorrundenstadt Trondheim. Nach der schaurigen Vorstellung beim 26:33 gegen Spanien am Samstag, braucht die Mannschaft dringend wieder Rückenwind - und den holt man sich am besten mit einer überzeugenden Leistung und einem klaren Sieg gegen die Letten.

Und die sind eigentlich der richtige Gegner zur rechten Zeit, denn international ist diese Mannschaft bestenfalls zweitklassig - auch wenn sie mit Dainis Kristopans einen echten Megastar in ihren Reihen haben. Und das ist wörtlich zu verstehen: Der Rückraumriese von Champions-League-Sieger Vardar Skopje misst satte 214 Zentimeter - nicht nur deshalb ist Paris Saint-Germain auf die Tormaschine aufmerksam geworden. Ab dem Sommer reiht sich der 29-Jährige ins Nobelensemble der Franzosen ein. Heute wird er der deutschen Deckung ordentlich Arbeit bereiten, 14 Treffer hat Kristopans im laufenden Turnier bereits erzielt - das sind satte acht Treffer mehr, als dem deutschen Kapitän Uwe Gensheimer gelangen.

Quelle: ntv.de