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Corona-Warn-App im Visier AfD verkauft unnütze "Späher-App"

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Das Logo der "Späher App" erinnert stark an das der Corona-Warn-App.

(Foto: Screenshot Google Play Store)

Der Vize-Fraktionschef der AfD im Bundestag, Felser, lässt seine IT-Firma eine App entwickeln, die Nutzer vor Smartphones mit aktiver Corona-Warn-App warnen soll. Doch die Anwendung kann gar nicht liefern, was sich Nutzer vielleicht von ihr erhoffen.

Die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts (RKI) kann inzwischen unter anderem schon deshalb mehr als 15 Millionen Downloads verzeichnen, weil sie in Sachen Datenschutz vorbildlich ist. Weder der Chaos Computer Club noch Bundesdatenschützer Ulrich Kleber noch irgendein anderer Experte, der die quelloffene Anwendung untersuchte, konnte ein Haar in der Suppe finden. Verschwörungstheoretikern oder auch AfD-Anhängern genügt das aber nicht, für sie ist die Corona-Warn-App ein Instrument der Regierung, um die Bürger auszuspionieren und zu kontrollieren. Deshalb hat der stellvertretende Fraktionschef der AfD im Bundestag, Peter Felser, jetzt seine Softwarefirma die "Späher App" entwickeln lassen, die man für 1,19 Euro in Googles Play Store kaufen kann.

App soll "ein wenig Transparenz" bringen

Laut Beschreibung scannt die App nach Bluetooth-Low-Energy-Sendern und verfolgt die Anzahl der Kontakte. Von der Corona-Warn-App ist zunächst keine Rede, doch das Logo der AfD-Anwendung ist eindeutig an das der RKI-App angelehnt. Und Felser sagte "Business Insider", er sei "sehr skeptisch, ob die Corona-Warn-App bezüglich der Daten so sicher ist, wie behauptet wird". Seine App solle dazu dienen, "ein wenig Transparenz in das zweifelhafte Vorhaben der Bundesregierung" zu bringen. "Viele Menschen lehnen eine Überwachungs-App ab und wollen wissen, wann und wo sie damit in Berührung kommen", so Felser.

Für die Finanzierung ist angeblich kein Partei-Geld geflossen, den fünfstelligen Betrag übernehme sein Unternehmen, eine IT-Firma, die die App entwickelt hat. Falls die Kosten durch den Verkauf hereingeholt werden sollten, wolle er mögliche Erlöse für "politische Projekte" spenden, sagte Felser. Ob es so weit kommt, ist zweifelhaft, seit dem 4. Juli hat die "Späher-App" nur 100+ Installationen zu verzeichnen.

Die App kann nicht liefern

Die Frage ist, warum ein Besitzer einer Firma, die "Der App Verlag" heißt, seine Mitarbeiter nicht den für alle einsehbaren Quellcode der Corona-Warn-App untersuchen lässt, wenn er Zweifel "bezüglich der Daten" hat und um "Transparenz" bemüht ist. Stattdessen hat Felser eine Anwendung in den Play Store gebracht, die gar nicht in der Lage ist, die RKI-App eindeutig aufzuspüren. Denn es handelt sich dabei lediglich um eine Anwendung, die alle möglichen Bluetooth-LE-Sender in der Umgebung des Smartphones ermittelt, auf dem sie installiert ist. Das können auch Fitnessarmbänder, Kopfhörer oder irgendwelche anderen Geräte sein, die die energiesparende Funktechnik verwenden.

Wie die Corona-Warn-App nutzt auch die AfD-Anwendung die Stärke des Signals, um die Entfernung zum Sender zu ermitteln. Und sie misst die Dauer des Kontakts. Nutzer können diese Informationen zusätzlich aufzeichnen, doch davon haben sie wohl nicht viel. Denn laut "Golem" versendet die RKI-App die Übertragungsleistung als verschlüsseltes Metadatum, was die "Späher App" nicht verwenden könne. Außerdem änderten Geräte, auf denen die Corona-Warn-App installiert ist, etwa alle 15 Minuten ihre Kennung.

Kostenlose Alternativen

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Warum jemand Probleme damit hat, dass andere Menschen die Corona-Warn-App installiert haben, ist schleierhaft. Dafür müsste man schon glauben, dass alle Geräte mit RKI-App ein großes Überwachungsnetz spannen. Doch wenn Felser seine Entwickler den Quellcode der Anwendung überprüfen ließe, würde er wissen, dass sie nur Kontakte zu anderen Smartphones mit installierter Corona-Warn-App registriert.

Möchte man herausfinden, ob es Geräte mit installierter RKI-App in der Nähe gibt, kann man auch einen x-beliebigen Bluetooth-LE-Mapper installieren, der dies beherrscht und kostenlos ist, beispielsweise RaMBLE. Um damit aus den vielen BLE-Geräten in der Umgebung die mit Corona-Warn-App herauszufinden, tippt man oben rechts neben das Aufzeichnungs-Symbol auf das trichterförmige Icon und kann die Scan-Ergebnisse filtern. Dazu scrollt man unten nach rechts bis "Service UUID". Dort gibt man "fd6f" ein und tippt dann auf das Häkchen.

Quelle: ntv.de, kwe