Technik

Apple macht's einfach gut Airpods Pro sind vorerst die Nummer 1

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Die Form der Airpods Pro ist für einen guten Sitz ideal.

(Foto: kwe)

Mit den Airpods Pro holt Apple nicht nur den Rückstand zur Konkurrenz auf, sondern zieht mit einem überzeugenden Gesamtpaket an ihr vorbei. Doch die kabellosen ANC-Ohrhörer sind nicht alternativlos und der Kampf um Platz 1 ist nur vorerst entschieden.

Manche Zeitgenossen spötteln vielleicht immer noch über das Aussehen der Airpods, doch sie sind inzwischen absolute Bestseller. Einer Counterpoint-Analyse nach hatten die weißen Stöpsel im zweiten Quartal des Jahres bei den kabellosen Ohrhörern einen Marktanteil von 53 Prozent, was etwas mehr als 14 Millionen verkauften Geräten entspricht. In den Quartalen davor gehörten Apple sogar 60 Prozent vom Kuchen, doch viele neue Konkurrenz-Produkte konnten etwas davon abknabbern. Mit den Airpods Pro könnte Apple jetzt seinen Marktanteil aber wieder ausbauen, denn die Ohrhörer sind den Kaliforniern exzellent gelungen.

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Der Stiel dient nicht nur dem sicheren Halt, sondern beherbergt auch Antennen und andere Bauteile.

(Foto: Apple)

Die Vorgänger sind nicht unbedingt die bestklingenden Ohrhörer auf dem Markt und die Touch-Steuerung ist schon sehr minimalistisch. Doch kein Konkurrent bietet iPhone-Nutzern ein ähnlich unkompliziertes Produkt an. Die Einrichtung ist sekundenschnell erledigt und die Stöpsel sitzen ohne Gefummel bequem. Das ist auch bei den Airpods Pro nicht anders, obwohl sie jetzt auch über eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) verfügen und nicht mehr nur einfach im Ohr hängen.

Perfekter Sitz

Ein dicht abschließender Sitz im Ohrkanal ist bei In-Ears entscheidend für einen guten Klang und eine funktionierende Geräuschunterdrückung. Deshalb dauert es normalerweise immer eine Weile, bis man bei Ohrhörern die passenden Aufsätze gefunden hat, von denen Hersteller manchmal bis zu sechs verschiedene Größen mitliefern. Dann muss man die Stöpsel immer noch in die perfekte Position drücken, drehen oder schieben. Und selbst bei den bestsitzenden abschließenden Ohrhörern kommt man gewöhnlich nicht daran vorbei, sie immer mal wieder zurechtzurücken - vor allem, wenn man sich mit ihnen bewegt.

Bei den Airpods Pro ist das völlig anders. Sie sitzen durch die weichen Silikon-Aufsätze noch bequemer als die Vorgänger im Ohr. Und die ideale Position ist sofort gefunden, da sich die Stiele der Airpods in die Knorpel-Kuhle zwischen Tragus und Antitragus des Außenohrs einhängen. Da bleiben sie auch nahezu unverrückbar, egal wie sehr man den Kopf schüttelt. Praktisch: Ob die Stöpsel gut abdichten, kann man auf dem iPhone durch einen kurzen Test in den Bluetooth-Einstellungen herausfinden

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Man sieht, die Airpods Pro sitzen richtig.

(Foto: kwe)

Zum Komfort trägt eine Belüftung bei, die das Druckgefühl verhindert, das bei abschließenden Ohrhörern oft auftritt. Durch den luftig-lockeren Sitz stört auch kein sogenannter Schritthall den Hörgenuss. Das heißt, man hört die leichten Erschütterungen beim Gehen nicht, die normalerweise auf die Ohrhörer übertragen werden. Schön ist auch, dass Apples neue Stöpsel keine Windgeräusche weitergeben oder gar verstärken.

Effektive Geräuschunterdrückung

Die aktive Geräuschunterdrückung der Airpods Pro ist für Ohrhörer ausgezeichnet. Sie filtert nicht nur Störgeräusche aus der Umgebung heraus, sondern auch Misstöne, die sich im Ohr bilden. Grundsätzlich ist es bemerkenswert, wie gut ANC bei den Airpods Pro ist. Die Geräuschunterdrückung kommt zwar nicht an das von ohrumschließenden Kopfhörern heran, weil deren passive Dämmung stärker ist. Doch die Airpods Pro unterdrücken permanente Störungen wie das Rauschen in Zügen effektiv und dämpfen auch andere Geräusche stark ab. Da ist es gut, dass es einen Transparenzmodus gibt, um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen.

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Viel geben die Einstellungen nicht her.

(Foto: kwe)

Aktiviert wird dieser Modus nicht über Touch-Flächen, sondern über Drucksensoren in den Stielen. Das funktioniert einwandfrei und ist viel angenehmer als auf Touchflächen zu tippen wie bei den Vorgängern. Aber die Steuerung ist immer noch zu minimalistisch. Dass keine Stimme ansagt, welchen Modus man gerade eingestellt hat, kann man ja noch akzeptieren. Aber dass es immer noch keine Möglichkeit gibt, die Lautstärke an den Pods zu ändern, nervt. Wie es geht, zeigen andere Hersteller.

Musik startet oder pausiert man mit einmal drücken, zweimal drückt man, um einen Song nach vorne zu springen, dreimal, um zurückzugehen. In den Bluetooth-Einstellungen des iPhone ist es lediglich möglich, pro Ohrhörer festzulegen, ob man durch langes Drücken den ANC-Modus steuern oder Siri starten möchte. Um die Lautstärke zu regeln, muss man zum iPhone greifen, eine Apple Watch nutzen oder Siri einen Befehl erteilen.

Androiden ja, aber ...

Hat man ein Android-Gerät, muss man mit den Voreinstellungen leben. Eine App, in der man etwas ändern könnte, bietet Apple nicht an. Grundsätzlich funktionieren die Airpods Pro zwar auch gut mit Androiden. Für Firmware-Updates muss man sich aber ein Apple-Gerät ausleihen. Außerdem pausiert die Wiedergabe bei Androiden nicht automatisch, wenn ein Pod herausgenommen wird. Immerhin reagiert auch der Google Assistant auf Zuruf.

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Für den wohldosierten Bass ist ein neu entwickelter Tieftöner (rechts) zuständig.

(Foto: Apple)

Der Klang von Apples neuen Ohrhörern ist sehr gut. Die Bässe sind kräftiger und besser dosiert als bei den herkömmlichen Airpods. Die Mitten sind dominant, aber gut abgestimmt, die Höhen hell und klar. Insgesamt ist der Klang stimmig und neutral. Allerdings könnte der eine oder andere Hörer in den Höhen etwas Biss vermissen und bei manchen Songs würde man gerne die Mitten etwas stärker hervorheben und die Bässe ein bisschen zurückfahren.

Um den Klang zu verändern, muss man allerdings Apps von Drittanbietern verwenden, beispielsweise den Equalizer in Spotify. Ansonsten versuchen die Airpods bei aktivem ANC selbst, über die innenliegenden Mikrofone den Sound an die gehörte Musik anzupassen. Deutliche Unterschiede sind allerdings nicht wahrnehmbar. Einen prima Klang-Eindruck machen die Apple-Stöpsel bei Telefonaten, wo man von Gesprächspartnern klar und deutlich zu verstehen ist.

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Die Laufzeit der Airpods Pro ist gut, bis zu fünf Stunden haben sie im Test durchgehalten. Mit den Reserven der Transportbox sind rund 24 Stunden Musikgenuss ohne Ladegerät möglich. Ist alles aufgebraucht, genügen fünf Minuten unter Strom für etwas mehr als eine Stunde Wiedergabe. Das kompakte Case kann auch induktiv geladen werden.

Bisher bestes Gesamtpaket

Was den Komfort betrifft, zeigt Apple der gesamten Konkurrenz die Hacken. Dazu bieten die Airpods Pro eine effektive Geräuschunterdrückung, klingen sehr schön und sind auch recht ausdauernd. Das ergibt zusammen ein Gesamtpaket, das so noch kein anderer Hersteller bieten kann. Allerdings sind 280 Euro eine Menge Geld und die Airpods Pro sind nicht alternativlos - vor allem für Android-Nutzer.

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Einen ähnlich guten Sitz, ein ebenfalls recht wirkungsvolles ANC und einen prima Klang findet man beispielsweise auch bei den Libratone Track Air+ für rund 200 Euro. Den besten Klang in der noch kleinen Gruppe der kabellosen ANC-Ohrhörer bieten wahrscheinlich die knapp 250 Euro teuren Sony WF-1000XM3, wenn sie richtig sitzen. Wer sich noch ein wenig gedulden kann, sollte auch abwarten, was die Huawei FreeBuds 3 können, die am 18. November für 180 Euro auf den Markt kommen. Und Nutzer dürfen sicher sein, dass in den kommenden Monaten noch viele weitere kabellose ANC-Ohrhörer auf den Markt kommen, die die Airpods Pro vom Thron stürzen möchten.

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Quelle: n-tv.de