Technik

Mixed Reality vor den Augen Apple-Brille soll dieses Jahr kommen

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Wie die Apple-Brille genau aussehen wird, ist noch nicht bekannt, sie ähnelt aber vermutlich stark aktuellen VR-Brillen.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Schon lange wird sie erwartet, in diesem Jahr soll Apples erste Datenbrille endlich vorgestellt werden. Doch sie ist nur der erste Schritt in eine neue Realität. Weitere Geräte, die den Alltag revolutionieren könnten, sollen folgen.

Schon mehr als fünf Jahre sind Berichte alt, wonach Apple an Prototypen einer Datenbrille arbeite. Angemeldete Patente feuerten die Gerüchteküche immer wieder an. Doch mehr als spannende Zeichnungen von den "Apple Glasses" kamen bisher nicht dabei raus. Jetzt soll es aber endlich so weit sein: Der treffsicherste Apple-Analyst erwartet für Ende des Jahres die Vorstellung der ersten Datenbrille des Unternehmens, die dann Anfang 2023 auf den Markt kommen soll.

Das Ziel sind AR-Kontaktlinsen

Genau genommen geht Ming-Chi Kuo seit März 2021 von einer dreistufigen Revolution aus. Laut "MacRumors" soll der erste Schritt eine "helmähnliche" Brille sein, wie man sie bereits kennt. 2025 soll ein Gerät folgen, das wie eine normale Brille aussieht und irgendwann zwischen 2030 und 2040 sollen dann futuristische Kontaktlinsen folgen.

Im Prinzip handelt es sich beim kommenden Headset am ehesten um ein Mixed-Reality-Gerät. Das heißt, dass die Brille sowohl virtuelle (VR) als auch augmentierte Realität (AR) bieten wird. Bei VR sieht man isoliert von der Umwelt Inhalte auf in die Brille integrierte Displays, bei AR wird die sichtbare Umgebung durch virtuelle Objekte ergänzt.

Microdisplays von Sony

"9to5Mac" zufolge ist das Gerät mit zwei 1,4 Zoll großen hochauflösenden Sony-OLED-Microdisplays ausgestattet, die ihre Anfänge in den elektronischen Suchern der spiegellosen Systemkameras der Japaner haben. Weitere optische Module sollen ermöglichen, dass Träger bei Bedarf zusätzlich die Umgebung sehen können und das Gefühl erhalten, die Bildschirme seien durchsichtig.

Laut "9to5Mac" könnte das zentrale optische Modul ein weiteres AMOLED-Display sein, das in geringerer Auflösung ein von Außenkameras aufgenommenes Bild der Umgebung einblendet. Die Website zitiert dabei aus der aktuellen Branchen-Jahresprognose "Display Supply Chain Paper".

Airpods Pro im Gurt?

"The Information" schreibt, es habe Bilder eines Prototypen sehen können. Demnach soll die Brille mit mehr als einem Dutzend Kameras ausgestattet sein, die auch dazu da sind, Handbewegungen zu verfolgen. Außerdem habe sie eine hoch entwickelte Technik zur Verfolgung von Augenbewegungen (Eye-Tracking) und in einem der Haltebänder sollen Ohrhörer untergebracht sein, die ähnlich den Airpods Pro Surround Sound bieten sollen.

Ein Bild zeigt "The Information" nicht, das Design beschreiben die Autoren als ein "schlankes, geschwungenes Visier, das durch ein weiches Netzmaterial und austauschbare Stirnbänder am Gesicht befestigt ist." Laut Kuo wird die Brille eine enge Verbindung mit iPhones eingehen, kann aber dank eines starken Chips auch autonom eingesetzt werden. Kuo schreibt, das Gerät wiege 300 bis 400 Gramm, Apple arbeite aber bereits an einer leichteren Brille mit stärkerem Chip.

Warm-up und Meta-Schocker

Letztendlich handelt es sich bei dem Headset überwiegend um eine VR-Brille, bei der AR-Element nur eine Zugabe sind. Apples Ziel ist aber vor allem Augmented Reality, was Konzernchef Tim Cook schon seit längerem betont. Wozu dient also die kommende Mixed-Reality-Brille?

"Apple Insider" hält das Gerät für eine Art Warm-up, das Entwicklern und Designern eine Gelegenheit bietet, die AR-Brille vorzubereiten. Das ergibt Sinn, ein weiterer wichtiger Punkt dürfte aber auch Apples wachsende Rivalität mit Facebook beziehungsweise Meta sein. Der Konkurrent hat durch die Oculus-Brillen schon einen Vorsprung.

"Tom's Guide" berichtet, Meta werde in diesem Jahr nicht nur für den Massenmarkt die Quest 3 herausbringen, sondern auch ein Profi-Headset, das unter dem Projektnamen Cambria läuft. Meta-Chef Mark Zuckerberg sagte auf der vergangenen Entwicklerkonferenz Connect seines Unternehmens, das Gerät werde fortgeschrittene AR-Funktionen bieten.

Metaversum für Apple ein Tabu

Endziel ist das Metaversum, das das mobile Internet ablösen und Nutzern eine neue vernetzte Welt mit digitalen Räumen bieten soll. "Das Metaversum zeichnet sich dabei besonders durch die eigene soziale Präsenz aus. Nutzer*innen fühlen sich einander nah - völlig unabhängig davon, wo auf der Welt sie sich gerade befinden", heißt es in einem Meta-Blogbeitrag.

Laut "The Information" soll Meta aktuell Probleme mit der Entwicklung eines eigenen VR-/AR-Betriebssystems haben. Das streitet das Unternehmen zwar ab. Man baue den Bereich sogar eher noch aus, twitterte der zuständige Vize-Präsident. Doch es wird vermutet, dass Meta künftig auf eine angepasste Open-Source-Variante von Android setzen wird. Apple mache dagegen gute Fortschritte bei seinem Betriebssystem namens rOS, schreibt "Macerkopf".

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Interessant ist auch, dass dem "Bloomberg"-Experten Mark Gurman zufolge Apple die langjährige Meta-Kommunikations-Chefin für diesen Bereich abgeworben haben soll. Außerdem habe ihm ein Insider ziemlich unverblümt gesagt, so etwas wie das Metaversum, wobei Nutzer vollständig in eine virtuelle Welt entkommen können, sei für Apple ein Tabu.

Der Fokus der Brille soll auf Spielen, dem Konsum von Inhalten und Kommunikation liegen, schreibt "9to5Macc5". Im "Display Suply Chain Paper" heißt es, es handle sich um ein Gerät vor allem für Profis und Entwickler. Dementsprechend solle es mehrere Tausend Dollar kosten, in Gerüchten ist von 3000 Dollar die Rede.

Quelle: ntv.de

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