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Facebook den Rücken kehren Beliebte und sichere Whatsapp-Alternativen

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Für Whatsapp gibt es etliche gute Alternativen.

(Foto: imago images/Friedrich Stark)

Es ist gar nicht so schwer, auf Whatsapp zu verzichten, wie viele Nutzer vielleicht glauben. Zum Umstieg kann man Facebooks Dienst weiternutzen und andere Messenger parallel ausprobieren und den Freunden vorschlagen. ntv.de stellt fünf interessante Alternativen vor.

Auch wenn Facebook offenbar zurückrudert, sind viele Nutzer nach wie vor darüber verärgert, dass der Konzern wieder einmal versucht hat, mehr Daten als bisher von seinem Messenger Whatsapp abzugreifen. Viele bleiben dem Dienst nur deswegen zähneknirschend treu, weil sie fürchten, ihre Freunde und Bekannten könnten nicht mitziehen. Doch diese Sorge ist weitgehend unbegründet, ein Wechsel zu besseren Alternativen, die den Datenschutz ernster nehmen, ist ziemlich unkompliziert. Außerdem muss man auch nicht sofort alles auf eine Karte setzen.

Man muss Whatsapp nicht gleich löschen

Es ist nicht nötig, das Whatsapp-Konto sofort zu löschen, man kann problemlos mehrere Messenger gleichzeitig nutzen. So hat man alle Zeit der Welt, auszuprobieren, ob die Kontakte tatsächlich so unflexibel sind, wie man glaubt. Vielleicht warten sie ja nur, dass irgendjemand endlich den Anfang macht oder sie lassen sich durch gute Argumente überzeugen.

Bedenken, man müsste bei anderen Messengern Abstriche machen, sind ebenfalls unbegründet. Inzwischen bieten die meisten Konkurrenten eine ähnliche Funktionsvielfalt wie Whatsapp. Oft haben sie sogar noch mehr auf dem Kasten. Nachrichten, die nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht werden, gibts beispielsweise bei anderen Messengern schon länger.

Es geht um Metadaten, nicht um Chat-Inhalte

Die Sicherheit der Chat-Inhalte stand bei Facebooks jüngstem Versuch eines verstärkten Datenabgleichs wohl auch gar nicht zur Debatte. Dazu hätte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgeweicht werden müssen. Es ging offenbar um sogenannte Metadaten, also beispielsweise wer wann und wie oft mit wem Kontakt hat. Solche Informationen sind für Werbetreibende oder staatliche Ermittler gewöhnlich weit wertvoller als Chat-Inhalte.

Wer wechseln möchte, findet in den App-Stores zahlreiche Messenger, aber nicht alle sind sicherer und besser als Whatsapp. ntv.de stellt fünf Alternativen vor. Die Auswahl ist nicht vollständig, es gibt weitere gute Dienste.

Telegram

Telegram ist mit weltweit rund einer halben Milliarde monatlich aktiver Nutzer sehr beliebt. Das liegt unter anderem an seinem großen Funktionsumfang. Der Messenger bietet zwar auch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an, aber nur dann, wenn Nutzer einen "geheimen Chat" starten. Standardmäßig werden Konversationen auf Cloud-Servern gespeichert. Dies geschieht zwar auch verschlüsselt, Nutzer müssen aber dem Anbieter vertrauen, dass dies korrekt gemacht wird. Telegram unterhält nach eigenen Angaben weltweit verteilt eigene Server.

Die Cloud-Synchronisierung bietet den großen Vorteil, dass Telegram auf mehreren Geräten gleichzeitig genutzt werden kann. Außerdem ist ein Umzug zu dem Messenger sehr komfortabel, da man aus Whatsapp exportierte Chat-Verläufe problemlos importieren kann. Komplette Backups werden grundsätzlich in der Cloud gesichert.

Die Programmierung der Apps ist quelloffen, die Server-Codes hält der Anbieter geheim. Da man nicht überprüfen könne, ob auf Servern der gleiche Code ausgeführt werde, biete eine Veröffentlichung keinen Sicherheitszugewinn, heißt es in den FAQ des Messengers. Diese sind übersetzt, eine deutsche Datenschutzerklärung gibt's aber nicht.

Auch Telegram benötigt eine Telefonnummer des Nutzers und gleicht dessen Adressbuch ab. Dies kann allerdings abgeschaltet werden und man kann die synchronisierten Kontakte von den Telegram-Servern entfernen.

Signal

Die Verschlüsselung von Signal gilt als sehr sicher. Das von Open Whisper Systems entwickelte Protokoll kommt auch bei Whatsapp zum Einsatz. Der Messenger der gemeinnützigen US-Stiftung Signal ist komplett quelloffen und alle Chats sind Ende-zu-Ende verschlüsselt.

Auch bei diesem Dienst benötigt man eine Mobilfunknummer. Man kann ihn allerdings auch nutzen, wenn man seine Kontakte nicht abgleichen lässt. In diesem Fall muss man die Nummer eines Empfängers eintippen. Selbstlöschende Nachrichten sind bei Signal schon länger üblich, und was die Funktionsvielfalt betrifft, steht Signal Whatsapp praktisch in nichts nach.

Signal hat sich auf die Fahnen geschrieben, Metadaten, die bei der Server-Kommunikation entstehen, so weit wie möglich zu reduzieren beziehungsweise ebenfalls zu verschlüsseln. So kann die US-Stiftung nur wenige Daten herausrücken, wenn sie von der US-Regierung dazu aufgefordert wird. Eigenen Angaben zufolge sind das nur die Zeitpunkte der Kontoerstellung und der jüngsten Nutzung des Dienstes. Dem Sicherheitsexperten Mike Kuketz zufolge ist dies glaubwürdig, obwohl Signal für die Kommunikation Amazon-Server nutzt.

Threema

Der Messenger Threema benötigt keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Nutzer können sich stattdessen mittels einer Threema-ID anonym mit anderen Nutzern verbinden. Das Telefonbuch wird laut Anbieter nur auf Wunsch abgeglichen, wobei die Daten anonymisiert und nach dem Abgleich sofort wieder gelöscht werden. Die Datenschutzerklärung liegt auf Deutsch vor. Wie sich der Messenger finanziert, ist klar: Die App kostet einmalig rund 4 Euro.

Im Gegenzug ist ein Gerätewechsel sehr aufwändig, weshalb Threema eher nicht geeignet ist, um beispielsweise mit einer Multi-SIM auf Dienst- und Privat-Smartphone genutzt zu werden.

Threema stammt aus der Schweiz und unterliegt den dort geltenden strengen Sicherheitsbestimmungen. Chats werden standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt, übermittelte Daten sofort vom Server gelöscht. Auch bei den Metadaten verhält sich der Messenger vorbildlich. Laut FAQ wird nicht gespeichert, wer mit wem chattet. Threema sei von Grund auf so konzipiert, dass keine Datenspur entsteht. Bis Ende 2020 wurde Threema dafür kritisiert, seinen Code nicht offenzulegen. Seitdem sind die Apps aber quelloffen, die Programmierung der Server bleibt aber wie bei Telegram weiter geheim.

Ginlo

Der deutsche Messenger Ginlo wurde ursprünglich als Simsme von der Deutschen Post herausgebracht und dann von der Brabbler AG bis zur Insolvenz 2019 unter dem jetzigen Namen betrieben. Im Juli 2020 feierte Ginlo eine Wiedergeburt in einer eigenen Gesellschaft.

Der Messenger ist durchgehend verschlüsselt, nutzt nach eigenen Angaben ausschließlich deutsche Server und ist DSGVO-konform. Der Anbieter garantiert einen werbefreien Betrieb, finanziert wird Ginlo für private Nutzer durch eine kostenpflichtige Version für Unternehmen.

Man muss zur Anmeldung seine Telefonnummer eingeben. Ein Abgleich des Adressbuchs findet nicht automatisch statt. Nutzt man die Funktion, werden anonymisiert nur die Kontakte synchronisiert, die ebenfalls Ginlo nutzen. Die Daten werden danach sofort wieder vom Server gelöscht.

Was die Metadaten betrifft, macht Ginlo keine Angaben. Im Handbuch heißt es lediglich, man erhebe ein Minimum an persönlichen Daten, die Einhaltung des Datenschutzes habe bei Ginlo absolute Priorität. Kritisiert wurde Ginlo dafür, seinen Quellcode nicht offenzulegen. Seit Mitte April ist dieser nun für die iOS- und die Android-App auf GitHub einsehbar.

Jabber (XMPP)

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Bei allen Unterschieden haben die oben genannten und fast alle anderen Messenger eines gemeinsam: Sie sind nicht miteinander kompatibel und ein Unternehmen hat die totale Kontrolle. Bei Jabber ist dies anders. Der Dienst basiert auf dem quelloffenen Protokoll XMPP. Jabber ist daher kein eigenständiger Dienst mit proprietären Apps, sondern es gibt viele Dienste mit verschiedenen Clients, die alle miteinander kommunizieren können. Es gibt deswegen auch keine zentralen Server.

Chats sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und man benötigt normalerweise keine Mobilfunknummer. Stattdessen nutzt man eine Jabber-ID, die aus dem Benutzernamen und dem gewählten Client besteht und wie eine E-Mail-Adresse aussieht. Es ist auch möglich, sich damit bei anderen XMPP-Diensten anzumelden. Man kann davon ausgehen, dass Jabber-Dienste besonders sorgsam mit Nutzerdaten umgehen. Die Details sollte man aber in den jeweiligen AGB und Datenschutzerklärungen nachlesen.

Quelle: ntv.de

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