Technik
Die Kameraeinheit des Moto G6 sieht ein bisschen wie ein lustiges Mondgesicht aus.
Die Kameraeinheit des Moto G6 sieht ein bisschen wie ein lustiges Mondgesicht aus.(Foto: kwe)
Freitag, 04. Mai 2018

Starkes Gerät für 250 Euro: Das Moto G6 ist Preis-Leistungs-Sieger

Von Klaus Wedekind

Kann das Moto G6 an die großen Preis-Leistungs-Erfolge seiner Vorgänger anknüpfen? Es hat auf jeden Fall das Zeug dazu. Das Smartphone bietet ein starkes Gesamtpaket für 250 Euro.

Seit dem ersten Moto G ist das Erfolgsrezept von Motorola, Smartphones mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten. Auch die sechste Generation der G-Serie soll für schlappe 250 Euro kaum Wünsche offen lassen im Vergleich zu mehr als drei Mal so teuren Geräten. Die sechste Generation sei "die perfekte Kombination von Premium-Funktionen und erschwinglichem Preis", sagt Deutschlands Motorola-Chef Lars Christian Weisswange. Ob das so ist, hat n-tv.de ausprobiert.

Schick, aber empfindlich

Das Display kann sich sehen lassen.
Das Display kann sich sehen lassen.(Foto: Motorola)

Tatsächlich muss man zweimal hinsehen, bevor man optische Unterschiede zu aktuellen Top-Smartphones erkennt. Das Moto G6 sieht mit seiner seitlich gebogenen Glas-Rückseite und dem glänzenden Rahmen sehr schick aus. Ein Hingucker ist die runde Doppel-Kamera, die in einer runden Erhebung mit hübschen optischen Details untergebracht ist.

Auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln, in der Hand fühlt sich das Gerät sehr hochwertig an. Weil so eine gläserne Schönheit auch besonders empfindlich ist, ist es lobenswert von Motorola, eine durchsichtige Schutzhülle aus Silikon mitzuliefern. Wasserdicht ist das Gerät nicht, aber eine Nano-Beschichtung soll es im Regen oder vor verschütteten Getränken schützen.

Das Display ist 5,7 Zoll groß und hat wie fast alle neuen Smartphones ein Seitenverhältnis von 18:9. Mit einer Full-HD-Plus-Auflösung und einer Pixeldichte von 424 ppi ist es sehr scharf und auch Kontraste, Farben und Blickwinkel können gefallen. Die Helligkeit ist gut, der Bildschirm lässt sich unter freiem Himmel problemlos ablesen, so lange man nicht im direkten Sonnenlicht steht.

Gutes Display, gelungene Bedienung

Insgesamt ist das LCD für ein Smartphone dieser Preisklasse wirklich gut. Der Rand um den Bildschirm ist etwas breiter als beispielsweise beim Huawei P20, aber das stört nicht weiter. Hübsch: Es gibt wie bei teureren Geräten einen augenschonenden Nachtmodus, der sich auf Wunsch automatisch bei Sonnenuntergang und -aufgang ein- und ausschaltet.

Technische Daten
  • System: Android 8.0
  • Display: 5,7 Zoll, LCD, Full HD+, 424 ppi
  • Prozessor: Snapdragon 450
  • Arbeitsspeicher: 3 GB
  • Interner Speicher: 32 GB + microSD
  • Kamera: 12 MP, f/1.8 + 5 MP
  • Frontkamera: 8 MP
  • WLAN n, Bluetooth 4.2
  • USB-C
  • Akku: 3000 mAh
  • Maße: 153.8 x 72.3 x 8.3 mm
  • Gewicht: 167 g

Der Fingerabdrucksensor unter dem Display ist sehr schmal, arbeitet aber trotzdem zackig und präzise. Er kann auch die virtuellen Tasten ersetzen, die dann keinen Platz mehr auf dem Display verschwenden. Wischer nach links oder rechts und länger oder kürzer drücken hat man schnell gelernt.

Als weitere Bedienungshilfe bietet das G6 eine Sprachsteuerung, mit der man nicht nur Nachrichten diktieren, sondern auch Apps Befehle geben kann. Die Funktion ist noch in der Beta-Phase und man muss sehr genau auf seine Worte achten, aber es lohnt sich, ihre Entwicklung im Auge zu behalten.

Ausreichend Leistung

Schaut man unter die schicke Motorhaube, findet man im G6 typische Komponenten eines günstigen Mittelklasse-Smartphones. Der Snapdragon 450 ist ein Chip, der im Alltag brav seinen Dienst verrichtet und mit 3 Gigabyte Arbeitsspeicher nur selten überfordert ist. Nicht mehr und nicht weniger.

32 Gigabyte interner Speicher sind okay. Auf dem Testgerät blieben nach 138 installierten Apps noch rund 19 Gigabyte übrig, für Fotos und Videos kann man eine microSD-Karte einschieben. Klasse: Das G6 bietet auch noch einen dritten Steckplatz für eine zweite SIM-Karte.

Im Moto G6 finden zwei SIM-Karten und eine microSD-Karte Platz.
Im Moto G6 finden zwei SIM-Karten und eine microSD-Karte Platz.(Foto: kwe)

Der Akku ist mit 3000 Milliamperestunden zwar nicht allzu üppig ausgefallen. Die Ausstattung des G6 ist allerdings so genügsam, dass man gut über den Tag kommen sollte. Außerdem hat das Smartphone eine Schnelllade-Funktion.

Solide Kamera mit interessanten Extras

Die Doppel-Kamera auf der Rückseite ist für ein 250-Euro-Smartphone erstaunlich gut. Die Hauptkamera löst mit 12 Megapixeln auf und hat eine recht lichtstarke Blende f/1.8. Unterstützt wird sie für künstliche Unschärfe bei Porträts von einer 5-Megapixel-Kamera.

Die Ergebnisse sind bei Tageslicht sehr ansprechend und auch in der Dämmerung liefert das Moto G6 noch recht ansehnliche Bilder. Die Kamera fokussiert zwar nicht so schnell wie bei Top-Geräten - vor allem bei schwächeren Lichtverhältnissen. Aber sie stellt das Ziel meistens schnell genug scharf. Etwas zackiger und genauer arbeitet sie im manuellen Modus. Auch Videos sehen gut aus, so lange man nicht zu viel Bewegung ins Spiel bringt.

Motorola bietet neben den üblichen Filtern auch Funktionen mit künstlicher Intelligenz. Die KI befindet sich dabei allerdings nicht unbedingt auf dem Smartphone und man muss akzeptieren, dass Aufnahmen auf Cloud-Servern verarbeitet werden. Tut man dies, erkennt das Moto G6 auf Fotos Sehenswürdigkeiten oder Objekte und liefert entsprechende Informationen dazu. Die Erkennung dauert manchmal ein Weilchen, aber liefert meistens brauchbare Resultate. Außerdem kann die Kameras Text aus Fotos extrahieren, Visitenkarten einlesen oder QR-Codes ohne Zusatz-App scannen.

Nicht konkurrenzlos, aber spitze

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Moto G6 wieder ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und es kaum Geräte gibt, die für 250 Euro ähnlich gut sind. Ist man bereit, etwas mehr auszugeben, ist das G6 ist nicht mehr konkurrenzlos günstig.

Beispielsweise hat das neue Nokia 6.1 für 280 Euro einen besseren Chipsatz, der auch bereits Bluetooth 5.0 beherrscht. Außerdem bietet es mit Android One eine Version von Googles Betriebssystem, die Updates über zwei Jahre hinweg garantiert und für schnell und regelmäßig ausgelieferte Sicherheitspatches steht.

Motorola ist in dieser Hinsicht nicht mehr ganz so vorbildlich wie früher. Das G6 soll nur noch das Update auf Android 9 bekommen und Sicherheitsupdates kommen alle zwei bis drei Monate statt monatlich. Trotzdem ist das noch mehr, als bei anderen Smartphones in dieser Preisklasse zu erwarten ist und die Kamera hat Motorola etwas besser hinbekommen als Nokia. Außerdem hat das G6 ein moderneres und besseres Display im 18:9-Format. Man könnte sagen: Das Moto G6 ist nicht einsame Spar-Spitze, aber auf jeden Fall ein Preis-Leistungs-Sieger.

Quelle: n-tv.de