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Volks-Smartphone von Motorola Moto G ist unschlagbar günstig

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Das Motorola Moto G könnte den Markt für günstige Smartphones aufmischen.

(Foto: kwe)

Motorola verkauft mit dem Moto G das erste echte "Volks-Smartphone". Denn es bietet keine veraltete Hardware und Software zum Schleuderpreis, sondern aktuelle Mittelklasse-Technik und ein Betriebssystem mit Zukunft.

"Zu oft basieren Smartphones, die sich preisbewusste Menschen leisten können, entweder auf veralteter Technologie, die nicht mit den heutigen Diensten Schritt halten kann, oder es handelt sich um drei Jahre alte Topgeräte, die als Billigversion vermarktet werden. Wir denken, es ist an der Zeit für eine bessere Lösung", steht in der Presseinfo zum Moto G. Ist das so? n-tv.de hat Motorolas "Volks-Smartphone" getestet.

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Motorola zentriert gerne.

(Foto: kwe)

Das Moto G ist ganz offensichtlich der kleine Bruder des Moto X, das bisher nicht in Europa angeboten wird. Es hat die gleichen runden Ecken und die gleiche Rückseite, auf der Kamera, LED-Licht und Motorola-Logo zentrie rt in der oberen Hälfte untereinander sitzen. Ebenso schwingt sich eine Vertiefung um die ebenfalls mittige Kopfhörerbuchse auf der Oberseite. Nur der Lautsprecher sitzt beim kleinen Moto auf der linken, nicht der rechten Seite.

Schlank ist das Gerät mit 65,9 x 129,9 x 11,6 Millimetern nicht gerade. Doch Motorola kaschiert die kräftige Taille mit sechs Millimeter dünnen Seiten. Außerdem passt das Bäuchlein zum strammen Gewicht von 143 Gramm. Die Verarbeitung des Moto G ist gut, aber nicht makellos. So fällt beim Testgerät der Bildschirm ein wenig aus dem Rahmen, wodurch sich oben und auf der rechten Seite ein kleiner Spalt auftut, in dem sich Schmutz ansammelt. Auch An-/Ausschalter und Lautstärke-Wippe auf der rechten Seite sind ein wenig klapprig.

Starker Akku, aber fest verbaut

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Das Moto G ist nicht besonders dünn.

(Foto: kwe)

Die Rückseite aus leicht mattiertem Polycarbonat sitzt bombenfest und schließt dicht mit dem Rahmen ab, nur an der Kamera federt der Akkudeckel leicht. Dadurch hört man zwar nie einen Knarzer, riskiert allerdings einen abgebrochenen Fingernagel, wenn man die Schale abzieht, um die SIM-Karte einzulegen. Bei dieser Gelegenheit kann man auch einen Blick auf den Akku werfen, auf dem leider steht, dass er vom Nutzer nicht gewechselt werden kann. Ebenso sucht man vergeblich einen Einschub für microSD-Karten. Wer möchte, kann sich auch eine farbige Rückschale für das Moto G kaufen. Doch angesichts des günstigen Smartphone-Preises sind 20 Euro für das Stück Plastik doch enorm teuer.

So lange die Batterie nicht kaputt ist, hat ein Moto-G-Nutzer kaum nötig, sie auszutauschen. Denn der Akku hat mit 2070 Milliamperestunden eine sehr ordentliche Kapazität, die für eine lange Laufzeit ausreicht. 15 Stunden bei 5 Stunden aktivem Display hat das Moto G im Testbetrieb mindestens durchgehalten. Aktiviert man in den Akku-Einstellungen die Schonfunktion, ist noch weit mehr drin.

Display auf Retina-Niveau

Durch schwache Hardware erkauft sich Motorola die lange Laufzeit ganz sicher nicht. Der 4,5 Zoll große LCD-Bildschirm hat 1280 x 720 Pixel und spielt mit 329 ppi in der gleichen Liga wie das Retina-Display des iPhone 5S. Es liefert kräftige, aber realistische  Farben mit einem schönen Schwarz. Der Kontrast ist knackig und die Blickwinkel mehr als okay. Außerdem kann der Bildschirm sehr hell leuchten, wenn man die automatische Anpassung umgeht.

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Der Akku ist beim Moto G fest verbaut, einen Einschub für microSD-Karten gibt es nicht.

(Foto: kwe)

Ein mit bis zu 1,2 Gigahertz getakteter Vierkern-Prozessor Snapdragon 400 samt Grafikeinheit Adreno 305 und ein Gigabyte Arbeitsspeicher sind allerbeste Mittelklas se. Im Antutu-Benchmark-Vergleich liefert sich das Moto G  ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Samsung Galaxy S3 und lässt das Nexus 4 hinter sich. So kommen auch Spieler beim Moto G voll auf ihre Kosten. Im Test kam das Gerät locker mit dem grafisch aufwendigen Riptide GP 2 klar und stellte alle Details auf seinem schönen Display so gut wie ein Top-Smartphone dar.

Das Moto G hinterließ im Test insgesamt einen äußerst flüssigen Eindruck, Ruckler oder Zuckler erlaubte sich das Gerät nur kurz nach dem Einschalten, alle Eingaben wurden zackig umgesetzt. Auch im Internet bewegt man sich mit dem Moto G äußerst flott, der Chrome-Browser baut Webseiten nur einen Wimpernschlag langsamer auf als beim Nexus 5. Mobil muss man allerdings auf LTE verzichten, das sich Motorola ebenso wie NFC gespart hat.

Kamera okay, Software prima

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Schaltet man den HDR-Modus ein, gelingen deutlich bessere Fotos.

(Foto: kwe)

Bei günstigen Smartphones darf man meistens keine besonders gute Kamera erwarten. Das Moto G ist hier auch keine wirklich große Ausnahme. Seine Kamera ist aber doch ein wenig mehr als schnappschusstauglich, auch wenn sie oft etwas träge reagiert. Bei günstigen Lichtverhältnissen macht die Kamera sogar sehr anständige Fotos und man kann auch in bescheidenem Tempo Serienbilder schießen. Außerdem hat man die Möglichkeit, den Punkt für Belichtungsmessung und Fokus selbst zu wählen.

Das Menü erreicht man schnell, indem man es von links ins Bild zieht. Schaltet man den HDR-Modus ein, verbessert sich die Qualität der Fotos stark, die Kamera nimmt sich aber auch deutlich mehr Zeit. Manchmal ist es da besser, einen Schnappschuss zu machen und sie dann mit den sehr umfangreichen Möglichkeiten der Galerie-App zu verbessern. Bei Videos erreicht die Kamera des Moto G gar Mittelklasse-Niveau. Zwar sind Aufnahmen ohne Bildstabilisator schnell verwackelt, aber die Automatik passt Belichtung und Schärfe relativ zügig an und man kann sogar - mit verminderter Qualität - Zeitlupenfilme drehen.

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Das Moto G bietet derzeit das beste Preis-Leistungsverhältnis bei günstigen Smartphones.

(Foto: kwe)

Was den Klang betrifft, schlägt sich das Gerät mit seinen beschränkten Mitteln sehr wacker. Der Lautsprecher auf der Rückseite liefert zwar fast keine Bässe, scheppert aber nicht und ist sehr laut. Beim Telefonieren wird man klar und deutlich verstanden, Anrufer klingen ebenso gut.

Pures Android mit schlauen Extras

Motorola liefert das Moto G weitgehend mit purem Android 4.3 aus, lediglich ein paar nützliche Extra-Apps sind an Bord. Migrieren hilft SMS, Anrufverlauf, SIM-Kontakte, Medien und einige Einstellungen von einem anderen Android-Smartphone auf das Moto G zu übertragen. Assist erkennt an Hand von Kalendereinträgen automatisch, ob sich der Nutzer in einer Besprechung befindet, schaltet das Gerät stumm und/oder verschickt eine automatische Antwort. Während der gewählten Nachtruhe-Zeit sind bis auf den Wecker alle Töne abgeschaltet, man kann aber Favoriten und Personen, die zwei Mal innerhalb von fünf Minuten anrufen, von der Regel ausnehmen.

Moto Care analysiert das Nutzerverhalten und zeigt in den Benachrichtigungen Verbesserungstipps an. Beispielsweise warnt der Assistent, wenn man Einstellungen vorgenommen hat, die die Akku-Laufzeit verringern. Möchte man dies nicht, kann man Care in den Datenschutz-Einstellungen die Berechtigung entziehen.

Unterm Strich ist das Moto G ein gutes Mittelklasse-Gerät, das vor allem durch sein schönes Display und eine lange Akku-Laufzeit überzeugt. Außerdem bietet es wie ein Nexus das pure Android-Vergnügen und Motorola garantiert ein Update auf die neueste Version 4.4 (KitKat).  Das alles bekommt man zu derzeit unschlagbar günstigen Preisen: Mit acht Gigabyte kostet das Moto G 169 Euro, das 16-Gigabyte-Modelll kostet 199 Euro.

Quelle: n-tv.de

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