Sicher und praktischDas sind die besten E-Mail-Programme für Windows und macOS
Von Klaus Wedekind
Es liegt nahe, auf Windows-PCs und Mac-Rechnern die vorinstallierten E-Mail-Programme zu nutzen. Es gibt aber gleichwertige oder sogar bessere Alternativen. Zwei Clients stechen nicht nur bei einer BSI-Prüfung heraus, aber es gibt noch eine dritte Lösung als interessanten Kompromiss.
Es gibt verschiedene Gründe, vorinstallierte E-Mail-Programme nicht zu nutzen. Bei Microsoft Outlook sind es unter anderem Datenschutz-Bedenken, da der Client Daten und Nachrichten an die Server des Herstellers übermittelt. Nutzerinnen und Nutzer von Apple Mail wünschen sich vielleicht mehr Möglichkeiten. Das Angebot an Alternativen ist groß, aber laut Tests des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der belgischen Verbraucherschutzorganisation Testachats bieten sich vor allem zwei Programme an. Alternativ bietet sich ein flotter Ableger einer dieser beiden Clients an.
An erster Stelle sollte bei E-Mail-Programmen die Sicherheit stehen. Denn Nachrichten enthalten oft sensible private und berufliche Informationen, die vor dem Zugriff Unbefugter geschützt werden müssen. Ähnliches gilt für Zugangsdaten zu den eingebundenen Konten. In diesem Zusammenhang steht auch die Abwehr von Phishing-Angriffen im Fokus. Aktuell stehen sie zwar wegen der Signal-Kampagne im Rampenlicht, weit häufiger findet Phishing aber über manipulierte E-Mails statt.
Zwei aktuelle Tests
Die elf Clients für Windows 11 und macOS Tahoe, die das BSI untersucht hat, erfüllen größtenteils die grundsätzlichen Sicherheitsanforderungen. Dazu gehören unter anderem integrierte Spam- und Junkfilter. Neun der Prüflinge bieten auch eine nutzbare Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das Bundesamt findet es außerdem gut, dass alle Programme einfache Update-Mechanismen besitzen, wodurch Sicherheitslücken grundsätzlich zeitnah geschlossen werden können. Leider prüfen nur Gmail und Proton Mail aktiv Anhänge auf Schadsoftware oder isolieren sie.
Testachats hat zwar auch die Sicherheit der Programme bewertet, der Schwerpunkt lag aber bei praktischen Aspekten. Das sind einerseits Funktionalität und Vielseitigkeit der Testkandidaten. Dazu gehören unter anderem Optionen zum Lesen, Schreiben, Senden und Organisieren von E-Mails sowie Filter-, Such- und Kalenderfunktionen. Die Verständlichkeit der Oberfläche und Menüs, das Einrichten von Konten oder die Alltagstauglichkeit der Funktionen waren im Test Kriterien, um Benutzerfreundlichkeit und Komfort zu beurteilen.
Thunderbird ist quelloffen, gratis und sicher
Beide Tests zusammengefasst gibt es zwei Empfehlungen. Wenn es darum geht, eine quelloffene, kostenlose Lösung zu installieren, liegt das weit verbreitete Mozilla Thunderbird vorn. Das spendenfinanzierte, werbefreie Programm hat sich für Testachats als besonders leistungsfähig und durch einen sehr großen Funktionsumfang auch für anspruchsvollere Nutzer als geeignet erwiesen. Die Organisation hebt die starke Verwaltung mehrerer Konten, gute Organisation und Suchfunktionen hervor. Allerdings kann der Client auch etwas unübersichtlich und überladen wirken.
In der BSI-Prüfung hat sich Thunderbird als besonders ausgewogen erwiesen, indem das Programm die meisten Sicherheitsanforderungen erfüllt. Dazu gehören unter anderem quelloffene Standards (S/MIME, OpenPGP) für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichteninhalten, ein zuverlässiger Phishing-Schutz und die lokale Speicherung auf dem Computer. Größtes Manko von Mozilla Thunderbird ist, dass er Anhänge nicht aktiv überprüft und potenziellen Schadcode isoliert. Er warnt lediglich vor möglichen Gefahren, wenn ein bestimmter Datei-Typ oder Dateien mit verdächtigen Endungen im Anhang sind.
eM Client top, aber nur für zwei Konten gratis
Nutzerfreundlicher ist eM Client. Testachats lobt die Leistungsfähigkeit und den großen Funktionsumfang des tschechischen Programms, das auch Übersetzungen und Automatisierungen beinhaltet. Glanzpunkt des Clients ist aber speziell seine große Benutzerfreundlichkeit. Schon beim Einrichten bietet er den bequemen Import von Einstellungen aus anderen Programmen an. Dazu kommt eine moderne und besonders übersichtliche Oberfläche und individuelle Anpassungsoptionen.
Betrachtet man die Vergleichstabelle des BSI, sieht man, dass der eM Client in Sachen Sicherheit und Datenschutz ebenso gut wie Mozilla Thunderbird abschneidet. Insofern hätte die tschechische Alternative die Nase insgesamt vorn. Allerdings kann man das Programm nur mit höchstens zwei Konten auf einem Endgerät gratis nutzen. Ansonsten kostet der Client für bis zu drei Endgeräte knapp 60 Euro oder 40 Euro als Jahresabo. Für rund 150 Euro erhält man "lebenslange Upgrades". Die Apps für iOS und Android sind derzeit grundsätzlich kostenlos.
Betterbird als "Thunderbird auf Steroiden"
Als möglicher Kompromiss bietet sich Betterbird an. Dabei handelt es sich um einen optimierten Thunderbird-Ableger (Soft Fork), ein ebenfalls spendenfinanziertes Projekt des ehemaligen Mozilla-Hauptentwicklers Jörg Knobloch. Die Entwickler nennen es "Thunderbird auf Steroiden". Betterbird sei in dreierlei Hinsicht überlegen, schreiben die Entwickler: "Es bietet exklusive neue Funktionen, exklusive Fehlerbehebungen und Korrekturen, die Thunderbird möglicherweise erst später veröffentlicht."
Die Ähnlichkeit zu Thunderbird ist erwartungsgemäß groß, wer es kennt, findet sich in Betterbird schnell zurecht. Der Ableger gilt aber nicht nur durch häufigere Aktualisierungen als stabiler, schneller und sicherer. Der Client weist auch bei der Benutzerfreundlichkeit Vorteile gegenüber dem Original auf.
Das Programm bietet unter anderem eine mehrzeilige E-Mail-Ansicht, vertikale Tabs/Layout‑Varianten, eine feinere Darstellung von Konversationen und die Möglichkeit, Konten und Ordnern unterschiedliche Farben zuzuordnen. Hinzu kommen erweiterte Filter- und Suchfunktionen und Extras wie die Option, Anhänge oberhalb der Nachricht anzuzeigen. Betterbird-Smartphone-Apps gibt es nicht, und sie sind auch nicht geplant.