Von Google Maps bis ChatGPTHier findet man europäische Alternativen zu US-Diensten
Von Klaus Wedekind
Einige US-Internetdienste sind schwer oder noch gar nicht zu ersetzen. Für viele gibt es aber europäische Alternativen, die ebenso oder wenigstens annähernd so gut sind. Man muss sie nicht mühsam suchen, ein privates, nicht kommerzielles Projekt listet sie auf.
Schon bevor Trumps Maga-Regierung begonnen hatte, nationale und internationale Gesetze, Regeln und Vereinbarungen zu ignorieren und zu brechen, war die große Abhängigkeit von US-Diensten bedenklich. Jetzt stellt sie angesichts der Unberechenbarkeit der Machthaber in Washington und der erzwungenen oder freiwilligen Kooperation der großen Tech-Konzerne ein Damoklesschwert dar, das über unseren Köpfen schwebt.
Viele suchen daher nach europäischen Alternativen für US-Dienste, um wenigstens einige davon ersetzen zu können. Das ist nicht immer einfach und manchmal - noch - vergeblich. Aber es gibt mehr Möglichkeiten, sich dem Einfluss von Google & Co. zu entziehen, als man vielleicht denkt. Und man muss sich gar nicht selbst auf die Suche begeben. Der österreichische Softwareentwickler Constantin Graf hat das nicht kommerzielle Projekt European Alternatives ins Leben gerufen, das empfehlenswerte Dienste auflistet.
Klare Regeln
Dabei geht es nicht ausschließlich um Ersatz für US-Lösungen, die Website zeigt allgemein europäische Alternativen zu beliebten Diensten an, um die digitale europäische Wirtschaft zu fördern.
Dabei gibt es klare Regeln, um von dem Projekt aufgelistet zu werden. Normalerweise muss ein Unternehmen beziehungsweise die Muttergesellschaft oder Holding den Hauptsitz in einem EU-, EWR-, EFTA-, oder DCFTA-Mitgliedsland oder in Großbritannien haben. Das gilt auch für Hosting-Anbieter, ein Sub-Hosting-Provider in einem der genannten Länder ist nicht ausreichend. Die einzige Ausnahme sind Open-Source-Projekte, die selbst gehostet werden können.
Übersichtlich gestaltet
Die Website ist übersichtlich gestaltet und man findet sich schnell zurecht. Man kann durch den Überblick aller gelisteten Dienste schmökern, die ersetzt werden können. Ähnlich sieht es bei Kategorien wie E-Mail-Anbieter oder Navigations-Apps aus. Außerdem kann man eine Stichwortsuche starten.
Besonders einfach ist es für Privatnutzerinnen und -nutzer, fündig zu werden. Beispielsweise gibt es 20 Alternativen zu Gmail, von denen einige wie posteo.de und mail.de in Deutschland angesiedelt sind. Für den Google-Übersetzer gibt es fünf europäische Empfehlungen, unter anderem das Kölner Unternehmen DeepL.
Statt als Cloud-Speicher Dropbox zu nutzen, kann man sich für zehn alternative Lösungen entscheiden. Wer sich ein wenig auskennt, kann den deutschen Open-Source-Filehosting-Dienst Nextcloud nutzen. pCloud und Proton Drive sind Beispiele für Schweizer Anbieter, die unter den europäischen Alternativen zahlreich sind.
Auch Unternehmen haben manchmal die Wahl
Aus der Schweiz stammt auch Threema, die besonders sichere Alternative zu Whatsapp. Für X ist es schon schwieriger, europäischen Ersatz zu finden, auch die beliebte Alternative Bluesky ist ein US-Unternehmen. Etwas mühsamer ist die quelloffene Social-Media-Plattform Mastodon, noch exotischer ist das Open-Source-Projekt Pleroma.
ChatGPT? Auch hier gibt es mit Lumo eine Schweizer Lösung, die zur Proton AG gehört. Eine weitere Möglichkeit ist das französische Le Chat von Mistral AI.
Insgesamt listet European Alternatives derzeit rund 90 Dienste auf, zu denen es europäische Alternativen gibt. Auch Unternehmen werden fündig, obwohl das Angebot für sie knapper ist. Aber sogar Amazon Web Services (AWS) kann man ersetzen, die Website listet zwölf alternative Cloud-Anbieter auf. Ebenso viele Treffer gibt es bei Slack oder Microsoft Teams.
Alternativen nicht immer gut
Wichtig zu wissen ist, dass European Alternatives keine Produkte testet. Möglicherweise sind gelistete Lösungen also keine guten Alternativen. Man muss daher ein wenig recherchieren und ausprobieren, bevor man den Wechsel wagt. Falls möglich, ist für eine gewisse Zeit ein paralleler Betrieb empfehlenswert. Bevor man ein Risiko eingeht, ist es besser, vorerst einen US-Dienst weiterzunutzen und auf eine geeignete Alternative zu warten.