Technik

Nach über elf JahrenEines der besten Spiele aller Zeiten kriegt ein spätes Upgrade

29.08.2026, 19:15 Uhr imageVon Tobias Hauser, Köln
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Geralt ist zurück (Foto: CD Projekt Red/Fool's Theory)

"Witcher 3" ist inzwischen absolutes Kulturgut - und schon einige Jährchen alt. Daher war es eine Überraschung für viele, als der Entwickler ankündigte, noch eine Erweiterung zu veröffentlichen. Um noch einen draufzusetzen, gibts ein komplettes Remaster. ntv.de hat Einblicke in beides bekommen.

Elf Jahre ist es schon her, dass "Witcher 3" erschien, über zehn Jahre, seit die letzte Erweiterung "Blood and Wine" das Licht der Welt erblickte. Da ist es schon ein wenig überraschend, dass nächstes Jahr mit "Songs of the Past" noch ein weiterer DLC, also eine Erweiterung, erscheinen wird.

Warum hat sich der polnische Entwickler CD Projekt Red dafür entschieden, Zeit und Ressourcen in ein über eine Dekade altes Spiel zu stecken? "Warum nicht?" ist die Antwort, zumindest wenn man Miles Tost fragt. Er ist beim Entwicklerstudio für Leveldesign zuständig und hat gerade auf der Gamescom eine rund einstündige Präsentation zu "Songs of the Past" gezeigt.

Ein weiterer, etwas substanziellerer Grund, für den ungewöhnlichen Weg, den das Studio damit geht: Jede Menge Gamer in ihren Mittzwanzigern waren bei der Erscheinung noch zu jung für "The Witcher 3". Das neue DLC und das Remaster des Originalspiels, das Spieler schon Ende September kostenlos bekommen, sind also ein guter Startpunkt, für alle jene, die vor elf Jahren noch zu jung für Geralts Abenteuer waren. Sogar in seinem Team seien mindestens drei Entwickler, die bei Release 14 oder jünger waren, rechnet Tost vor.

Außerdem, ergänzt Despoina Anetaki, Questdesignerin im polnischen Studio, gebe es eben manchmal Ideen, die so gut seien, dass man sie nicht in der Schublade liegen lassen könne. So sei das auch bei "Songs of the Past" gewesen, das zusammen mit dem ebenfalls polnischen Entwicklerstudio Fool's Theory entsteht. Diese Idee dreht sich vor allem um Geralts treuen Begleiter Rittersporn.

Der war in "Witcher 3" hauptsächlich witziger Sidekick des schweigsamen Hexers. "In den Büchern gibt es all diese philosophischen Konversationen mit Rittersporn", erklärt Anetaki. "Wir wollten uns die Zeit nehmen für Julian Alfred Pankratz Vicomte de Lettenhove, wie er mit ganzem Namen heißt, nicht nur für Rittersporn." Die Spieler sollen nun auch den Menschen hinter den Witzen und Liedern kennenlernen. Nicht nur die Romanzen, für die die Spielereihe bekannt ist, sondern auch ein wenig "Bromance", sagt Tost. Dafür geht es an den Ort, an dem der Barde aufgewachsen ist: Leffen.

Wie es die Tradition will, bedeutet eine neue "Witcher 3"-Erweiterung nämlich auch ein neues Gebiet: Leffen zeichnet sich hauptsächlich dadurch aus, dass es unglaublich idyllisch ist. Zumindest wirkt das auf den ersten Blick so. "Ich sag's mal so: Diese Expansion wird, was das angeht, noch ein paar Überraschungen beinhalten", verrät Tost. Erste Abgründe unter der makellosen Oberfläche zeigen sich schon bei der Demo auf der Gamescom. Letten scheint eine Gegend der starken Kontraste zu werden.

Auf der Suche nach Rittersporn

"Songs of the Past" steigt ein nach einer durchzechten Nacht. Geralt wacht auf und macht sich verkatert auf die Suche nach seinem treuen Begleiter Rittersporn. Doch der ist nicht auffindbar. Nur seine Laute findet der Hexer. Die würde der leidenschaftliche Barde sicherlich nie aus den Augen lassen - egal, wie besoffen er ist.

Geralt geht der Sache also auf den Grund und landet zusammen mit Rittersporns Cousine Lilla in einem düsteren Dornengarten, der eng verbunden mit der Familie des Barden zu sein scheint. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass seine Großmutter Geralt und Lilla davon abbringen wollte, sich auf die Suche nach Rittersporn zu machen? Es scheint noch einiges mehr dahinterzustecken.

In dem kurzen Einblick zeigen sich bereits die Stärken im "Witcher"-Storytelling. Nehmen wir zum Beispiel Rittersporns Großmutter, die uns wie die klassische fiese Märchen-Omi präsentiert wird - also pedantisch, besserwisserisch, manipulativ, gemein und streng. Doch dann bricht das Spiel diese typische Dynamik genau im richtigen Moment für eine Sekunde auf, wenn Lilla nach einer Auseinandersetzung zur Großmutter geht, ihr die Liebe versichert und sie auf die Stirn küsst.

Da fällt auch ganz kurz die Maske der Großmutter und wir erhalten einen kleinen Einblick in das, was hinter ihren Mauern vorgehen könnte. Ist da auch Sorge, die wir sehen? Es sind Momente, in denen das Team mit Klischees spielt, um sie im richtigen Moment zu brechen. Wie das aussehen kann, wenn es perfekt umgesetzt wird, zeigt beispielsweise die beliebte Questlinie um den Roten Baron im Hauptspiel.

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Die Kette kommt endlich

Auch beim Gameplay kommt mit dem Remaster nun Neues auf uns zu. Für Kritiker waren vor allem die Kämpfe und das Levelsystem die großen Schwächen von "The Witcher 3". Um auch die glücklich zu machen, rüstet der Entwickler CD Projekt Red bei beidem nach. Allen voran fällt der Blick dabei auf die Kette, die Geralt nun statt seiner Armbrust in den Kämpfen nutzen kann. Die war schon im Trailer für den ersten Witcher-Teil im Jahr 2008 zu sehen, hat es dann aber nie ins Spiel geschafft.

Mit der Kette zieht Geralt Gegner zu sich oder bricht deren Deckung aus der Distanz. Außerdem kann der Hexer mit ihr auch Schwachpunkte der Gegner treffen. Es ist eines der Elemente, das die Kämpfe vielfältiger und abwechslungsreicher machen soll. Neue Finisher-Animationen kommen auch noch hinzu - für den Coolness-Faktor.

Ein weiterer Aspekt, der im Basisspiel eher simpel gehalten war, ist das Level-System. Auch das überarbeiten die Entwickler mit dem Remaster. Nun gibt es einen neuen Skilltree. Wir können dort weiterhin zwischen verschiedenen Schwerpunkten entscheiden. Wollen wir beispielsweise einen Großteil unserer Punkte in Geralts Zeichenmagie stecken, können wir ihn dahingehend stärken. Bei den Zeichen wurden übrigens auch die Animationen merkbar überarbeitet.

Viele bereits bestehende Fähigkeiten sollen mit dem Update verbessert werden, außerdem kommen neue hinzu. Spieler sollen bereits früher mehr Punkte erhalten und dadurch zum Experimentieren angeregt werden. Auch einige der besonders starken Builds will CD Projekt Red ein wenig abschwächen. Wie gut all das funktioniert, war beim Zuschauen noch schwer zu beurteilen.

Bei den Fans hat der Entwickler bereits mit den Ankündigungen für das kostenlose Remaster und "Songs of the Past" die Herzen gewonnen. "Welcher andere Entwickler hätte so etwas getan?", fragen viele. An ein Scheitern oder eine Enttäuschung seitens des polnischen Entwicklers scheint niemand zu glauben. Sechs Jahre nach dem Debakel um den holprigen Start von "Cyberpunk 2077" ist das Image des Studios wieder aufpoliert. Und bisher deutet auch tatsächlich nichts darauf hin, dass "Songs of the Past" enttäuschen könnte. Es ist sowieso nur die Generalprobe. Denn in zwei Jahren soll "Witcher 4" erscheinen. Das dürfte die wirkliche Herausforderung werden.

Quelle: ntv.de

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