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Qualcomm Snapdragon 865 und 765 Diese Chips bringen 5G in Schwung

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Qualcomm hat in Hawaii den Snapdragon 865 und den Snapdragon 765 vorgestellt, die beide 5G unterstützen.

(Foto: Qualcomm)

Qualcomm stellt in Hawaii die neue Chip-Generation vor, die im kommenden Jahr in vielen Top- und Mittelklasse-Smartphones stecken werden. Mit dem Snapdragon 865 und dem Snapdragon 765 soll 5G auf zwei verschiedene Wege massentauglich werden.

Selbst wenn es in Deutschland 5G schon flächendeckend gäbe, würde kaum jemand den neuen Mobilfunkstandard nutzen, weil es bisher nur sehr wenige Smartphones gibt, die mit ihm etwas anfangen können. Im kommenden Jahr könnte sich das schnell ändern. Denn der führende Chip-Hersteller Qualcomm hat in Hawaii nicht nur einen neuen Top-Chip mit 5G-Modem vorgestellt, sondern auch ein Mittelklasse-SoC mit integrierter 5G-Einheit, das den Mobilfunk-Standard der Zukunft auch in preisgünstigen Smartphones möglich macht.

Kraftpaket für Flaggschiffe

Flaggschiff der neuen Chip-Generation ist der Snapdragon 865, der 2020 in den Top-Smartphones vieler Hersteller stecken wird. Details wird Qualcomm erst im Verlauf seiner Konferenz bekannt geben, im Internet kursieren aber bereits die wahrscheinlichen Spezifikationen, die "ZDNet" eingesammelt hat.

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Die Rückseite des Snapdragon 865.

(Foto: Qualcomm)

Der im 7-Nanometer-Verfahren hergestellte Chip soll insgesamt acht Rechenkerne (CPU), von denen vier besonders energieeffiziente Kerne für leichtere Aufgaben mit 1,8 Gigahertz (GHz) getaktet sind, drei den Alltag mit 2,42 GHz bestreiten und ein Hochleistungs-Kern mit 2,84 GHz arbeitet. Damit soll der 865er bis zu 20 Prozent leistungsfähiger sein als der Vorgänger Snapdragon 855. Ähnlich sieht es beim On-Bord-Grafikprozessor (GPU) Adreno 650 aus, er soll den Adreno 640 ebenfalls um bis zu 20 Prozent übertreffen.

Mobilfunk ausgelagert

Interessanter als die zu erwartende Leistungssteigerung ist aber, dass Qualcomm die 5G-Einheit erneut nicht in das System on a Chip (SoC) integriert hat. Stattdessen kommt ein gesonderter Modem-Chip (X55) zum Einsatz, auf dem von 2G bis 5G alle Funkstandards abgedeckt werden. Damit stellt sich die Frage, wie energieeffizient das Chip-Duo arbeitet. Die aktuelle Kombi eines Snapdragon 855 plus X50-Modem hat nämlich den Nachteil, viel Strom zu verbrauchen und damit die Laufzeiten von Smartphones stark zu verkürzen. Außerdem ist eine getrennte Lösung teurer und benötigt mehr Platz.

Wie "Computerbase" schreibt, wird der X50-Chip noch im 10-Nanometer-Verfahren hergestellt. Vereinfacht erklärt bedeutet eine kleinere Strukturgröße bei Prozessoren, dass die Abstände zwischen Bauteilen kleiner sein können, wodurch die Elektronen kürzere Wege zurücklegen müssen, was Energie spart. Der X55 wird im 7-Nanometer-Verfahren hergestellt, könnte also energieeffizienter arbeiten. Wie viel, hängt davon ab, ob ein Großteil der Struktur 7-Nanometer-Abstände hat oder nur einzelne Elemente.

Ohne 5G kein Snapdragon 865

Wichtiger als die unterschiedliche Strukturgröße ist aber wahrscheinlich, dass der X50 ausschließlich ein 5G-Modem war und für alle anderen Standards ein Modem auf dem SoC zuständig ist. Damit hält Qualcomm möglicherweise den Stromverbrauch in vertretbaren Grenzen. Allerdings bedeutet das, dass jedes Smartphone mit Snapdragon 865 ein 5G-Gerät ist. Günstigere Chip-Versionen, die nur 4G unterstützen, sind nicht mehr möglich. Man wird den 865er also vermutlich nur in teuren Smartphones finden.

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Geleakte Bilder zeigen das Xiaomi Redmi K30, eines der ersten Smartphones mit Snapdragon 765.

(Foto: @TechDroider)

Doch dafür gibt es jetzt den Snapdragon 765, bei dem auch das 5G-Modem (X52) integriert ist. Dabei handelt es sich um einen Chip der gehobenen Mittelklasse, der für die breite Masse besonders interessant ist. Wie schon der Vorgänger Snapdragon 730 beispielsweise im Xiaomi Mi Note 10 zeigt, dürfte die Leistung die meisten Nutzer zufriedenstellen, für Gaming-Spezialisten hat Qualcomm den stärkeren 765G im Köcher. Dass das SoC mit höchstens 3,7 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) weniger hohe Datenraten als ein Snapdragon 865 mit externem Modem (bis zu 7 Gbit/s) erreichen kann, spielt im Alltag wohl keine Rolle.

Snapdragon 765 für gehobene Mittelklasse

Außerdem ist der Chip weltweit einsetzbar, da er bei 5G auch den Millimeterwellen-Frequenzbereich (mmWave) ab 30 Gigahertz (GHz) abdeckt, der in Europa und in den USA benötigt wird. Bei allen anderen Chips ist dafür bisher ein ausgelagertes Modem nötig.  Daher ist für den Durchbruch von 5G der schwächere Snapdragon 765 vermutlich wichtiger als der Flaggschiff-Chip Snapdragon 865. Auf der Qualcomm-Konferenz in Hawaii haben bereits mehrere Hersteller günstige 5G-Mittelklasse-Smartphones mit dem 765 angekündigt, darunter Nokia (HMD Global), Motorola oder Xiaomi.

Quelle: n-tv.de

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