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Schüler verneigt sich vor Lehrer Huawei-Chef würde für Apple kämpfen

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Huawei-Gründer Ren Zhengfei (74).

(Foto: AP)

Obwohl sein Unternehmen durch die US-Sanktionen in der Existenz bedroht ist, würde der Huawei-Gründer in vorderster Front für Apple kämpfen, sollte China auf die Idee kommen, den iPhone-Hersteller aus Rache in die Mangel zu nehmen. Warum tut er das?

Seit die Trump-Regierung Huawei am 17. Mai auf eine schwarze Liste gesetzt hat, folgt für den chinesischen Telekommunikations-Riesen eine Hiobsbotschaft nach der anderen: Google wirft den Smartphone-Produzenten aus dem Android-Programm, Lieferanten kappen die Versorgung, Chip-Designer ARM beendet die Zusammenarbeit und sogar in China stoppen Auftragsfertiger ihre Fließbänder, wenn sie Gefahr laufen, gegen die Sanktionen zu verstoßen. Der Schlag gegen Huawei ist so brutal, dass viele befürchten, Peking könnte sich rächen, indem es gegen Apple vorgeht. Doch ausgerechnet Huawei-Gründer Ren Zhengfei springt dem iPhone-Hersteller zur Seite. Er wäre der Erste, der Apple in so einem Fall verteidigen werde, sagte er in einem Interview mit "Bloomberg".

"Apple ist mein Lehrer, es ist vorangegangen. Warum sollte ich als Schüler gegen meinen Lehrer vorgehen?", ist seine erstaunliche Begründung. Ist er tatsächlich so sanftmütig und von tiefem Respekt gegenüber dem iPhone-Hersteller erfüllt? Wahrscheinlich ahnt Ren eher, dass die Folgen einer solchen Eskalation für sein Unternehmen und sein Land sehr gefährlich sein könnten und letztendlich die USA am längeren Hebel sitzen.

Taiwaner lagern aus

Schon jetzt haben taiwanische Firmen wie Foxconn, die für die US-Auftraggeber in China produzieren, damit begonnen, ihre Fertigung aus dem Reich der Mitte auszulagern. Laut "Business Insider" gehen sie zunächst zurück nach Taiwan, wo sie bereits Ingenieure und qualifiziertes Personal haben und binnen sechs Monaten Fabriken zum Laufen bringen könnten.

Zunächst werde die Endfertigung und Endkontrolle ausgelagert, dann folgten weitere Herstellungsschritte, sagt Gregor Berkowitz, der US-Technik-Unternehmen berät. Schließlich sei geplant, in zwei oder drei Jahren in Südostasien zu produzieren, unter anderem in Thailand, Indonesien und Vietnam. Neben der politischen Unsicherheit und Strafzöllen sieht Berkowitz die Gründe auch in gestiegenen Löhnen im Reich der Mitte.

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2014 kam Huawei dem iPhone 5 mit dem Ascend P6 schon ziemlich nahe.

(Foto: kwe)

Mit Rachemaßnahmen würde Peking diese Entwicklung nur beschleunigen und sich selbst Zeit stehlen, die es benötige, um seine Industrie umzustellen, unter anderem auf die Fertigung eigener Produkte für den heimischen Markt, so Berkowitz. Und der Huawei-Chef weiß auch, dass sein weltweit operierendes Unternehmen in einem heißer werdenden Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften nur verlieren kann. Sein Unternehmen werde wie ein Sesamsamen, zwischen Mühlsteinen zerrieben, sagte er "Bloomberg".

Vom Jäger zum Gejagten

Was das Lehrer-Schüler-Verhältnis mit Apple betrifft, sagte Ren irgendwie schon die Wahrheit. Schließlich kauft er seiner Familie auch iPhones, wenn sie nicht in China weilt. Allerdings lag Huaweis Respekt in seinen Smartphone-Anfängen vor allem darin, das Design der iPhones als Vorbild zu nehmen. Daraus machte auch Mobil-Chef Richard Yu nie ein Geheimnis. Doch inzwischen hat sich das Blatt gewendet, technisch sind die Huawei-Flaggschiffe in einigen Bereichen führend und auch beim Design gehen die Chinesen mehr und mehr eigene Wege.

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Die kommenden iPhones haben vermutlich ein ähnliches Kamera-Design wie das Huawei Mate 20 Pro.

(Foto: kwe)

Trumps Begründung für den erklärten Telekommunikations-Notstand, Huawei betreibe im staatlichen Auftrag Wirtschaftsspionage, hält Ren für lächerlich. Denn die Technologien, über die Huawei verfüge, hätten die USA gar nicht. Wenn Huawei nicht in Führung gegangen wäre, hätte es Trump gar nicht nötig gehabt, sie so übel anzugreifen, sagte er.

"Trump hat meine Nummer nicht"

Apropos Trump und seine Andeutung, Huawei könnte Teil eines Deals werden. Das sei "ein großer Witz", sagte Ren. "Was haben wir mit dem USA-China-Handel zu tun?" Riefe Trump an, würde er ihn ignorieren und mit wem wolle er dann verhandeln? "Wenn er anruft, antworte ich vielleicht nicht. Aber er hat meine Nummer nicht", ätzte der Huawei-Chef gegen Trump, den er kürzlich noch als "großen Präsidenten" gelobt hatte, der mit Steuersenkungen die Wirtschaft belebe. Und schließlich sagte der gar nicht mehr so diplomatische Huawei-Gründer: Die USA hätten nie ihre Produkte gekauft und würden sie dies irgendwann mal vorhaben, würde er ihnen nichts verkaufen. "Verhandlungen sind unnötig."

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Quelle: n-tv.de

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