Wer gewinnt die "Game-Awards"?"GTA 6" könnte ein außergewöhnliches Jahr krönen
Von Tobias Hauser
Die Gamingwelt fiebert auf den sechsten Teil der "Grand Theft Auto"-Reihe hin. Dabei geht unter, was für ein unglaubliches Jahr die Spieleindustrie jetzt schon hatte. Eine wahre Flut an guten Spielen erschien. Vielleicht fehlen genau deshalb aber bisher die klaren Highlights.
Wer sich für Videospiele interessiert, hatte in den vergangenen Monaten vermutlich vor allem einen Gedanken: "Woher soll ich die Zeit nehmen?" Denn 2026 ist ein Jahr, das sich durch eine unglaubliche Menge an sehr guten Spielen auszeichnet. Das dürfte sich auch bei den Nominierungen für die jährlichen "Game-Awards" abzeichnen, die im November bekanntgegeben werden sollen. Nur um darzustellen, wie schwer der Job der Jury ist, sind in diesem Text alle möglichen Anwärter gefettet.
Allein der September zeigt, was für ein Jahr es war: "The Blood of Dawnwalker" kombiniert ein innovatives Zeitsystem mit einer tollen Story und launigen Kämpfen. "Control Resonant" bringt Weirdness und mutiges Open-World-Design. Die Kämpfe in "Onimusha: Way of the Sword" beeindruckten mit überragender Tiefe und spannenden Bossen. Und das ist nur ein kleiner Auszug aus der Releaseliste.
Und dennoch bleibt ein Problem. In der Flut aus guten Spielen fehlen bisher die absoluten Highlights. Spiele, über die noch in zehn Jahren geredet wird, wenn es um die besten Games der Dekade geht. Spiele, die Genres neu definieren oder erschaffen. Spiele wie "Red Dead Redemption 2", "Baldurs Gate 3" oder "Elden Ring". Um es in der Sprache des Gaming-Journalismus auszudrücken: Es ist das Jahr der 8/10-Spiele. Hier und da gibt es sogar eine 9/10, wie etwa "Resident Evil Requiem". Doch die 10/10 fehlt bisher.
Das könnte sich selbstverständlich ändern, wenn "GTA 6" erscheint. Nur Spiele die vor dem 20. November rauskommen, sind für den Preis zulässig. "GTA 6" erscheint am 19. Doch der heißerwartete sechste Teil des Gangster-Epos' ist nicht, was 2026 jetzt schon zu einem außergewöhnlichen Jahr macht. Das wäre eine Abwertung für all das, was die Industrie 2026 geleistet hat. Ein Blick auf ein besonderes Jahr:
Wer gewinnt "Game of the Year"?
Bei der Diskussion um die sechs Nominierten für den "Game of the Year"-Preis zeigt sich diese breite Qualität. Es gibt locker 15 Spiele, die eine Nominierung verdient hätten. Games, die in anderen Jahren zum erweiterten Favoritenkreis gehört hätten, werden dieses Jahr mit Sicherheit nicht mal nominiert - ganz nebenbei erschienen allein in der ersten Hälfte dieses Monats mit "Star Wars: Galactic Racer" und "Castlevania Belmont's Curse" zwei Geheimtipps für die Nominierungslisten, die vermutlich leer ausgehen werden.
Doch das Jahr hat zwei Gesichter: Denn auf der anderen Seite steht der Fakt, dass die meisten Gewinner der vergangenen Jahre ausnahmslos all diese Spiele ausstechen würden - zumindest wenn man das noch nicht erschienene "GTA 6" erstmal ausklammert. Bisher dürfte der vielversprechendste Kandidat auf den Titel "Resident Evil Requiem" sein. Ein großartiges Spiel, das aber nicht an die Strahlkraft anderer Preisträger heranreicht: In den vergangenen Jahren gewannen etwa "Last of Us 2", "Elden Ring", "Baldur's Gate 3" und zuletzt "Clair Obscur: Expedition 33". Es sind Spiele, die eine Ehrfurcht erwecken, bei der "Requiem" nicht mithalten kann.
Neben dem neuen "Resident Evil" haben auch ein paar weitere Spiele sehr gute Chancen auf eine Nominierung: "Fire Emblem: Fortune's Weave" etwa, das auf der Plattform Metacritic, die Kritikerbewertungen zusammenfasst, an einem Durchschnitt um die 90 kratzt. Auch "GTA 6" sollte eine Nominierung sicher haben, falls der Release kein Totalausfall wird. Schaut man sich den Hype und die Erwartungen an, könnte man meinen, auch der Sieg dürfte für Entwickler Rockstar schon feststehen. Doch die beiden letzten Rockstar-Spiele "GTA 5" und "Red Dead Redemption 2" verloren in ihren Erscheinungsjahren gegen "The Last of Us" und "God of War".
Chancen auf eine Nominierung hat definitiv auch das Remake von "Legend of Zelda: Ocarina of Time", das am 5. November erscheint, genau wie "Phantom Blade Zero", das die Lücke für Fans von Action-Rollenspielen schließen könnte, da sich in dieser Kategorie bis jetzt kein klarer Favorit hervorgetan hat. Unter den bisherigen Releases können sich neben den bereits erwähnten "Control Resonant", "The Blood of Dawnwalker" und "Onimusha" auch etwa "Pragmata", "Big Walk", "Saros", "Pokopia", "Star Wars Zero Company", "Gears of War: E-Day", "007 First Light", "Forza Horizon 6" "Nioh 2" "Mina the Hollower", "Crimson Desert" und "Mewgenics" Hoffnungen machen. Puh. Da stellt sich schon wieder die Frage, woher man die Zeit nehmen soll.
Eine vielseitige Liste
Die Liste ist nicht nur lang, sondern auch divers. Da ist das strategische, rundenbasierte "Zero Company", das mit taktischer Tiefe, Star-Wars-Feeling und einem komplexen Klassensystem glänzt. Es könnte - ähnlich wie "Mewgenics" - Strategiefans bei den Awards vertreten. "Pragmata" sicherte sich einen Platz im Herzen vieler Spieler durch den Mut - trotz eines großen Budgets und Publishers - nicht auf Nummer sicher zu gehen und genauso frische wie seltsame Ansätze auszuprobieren. Und natürlich die Indie-Perle "Big Walk", bei der zwei bis zwölf Spieler gemeinsam Rätsel lösen und, wie der Name schon sagt, gehen. Das Spiel steht auf Metacritic bei einer beeindruckenden Durchschnittswertung von 91 Punkten und dürfte Favorit für die Indie-Kategorie sein.
Auch budgettechnisch ist alles dabei. Indie-Games wie "Big Walk" oder dem Pixel-Game im Retro-Stil, "Mina the Hollower", treffen auf AA-Spiele, die - was das Geld angeht - in etwas höheren Klassen spielen, jedoch nicht an die Finanzmittel der absoluten Blockbuster herankommen. Dazu gehören etwa "The Blood of Dawnwalker" und "Star Wars: Zero Company". Am anderen Ende des Spektrums warten AAA-Spiele wie "007 First Light" und "GTA 6".
Egal, wer am Ende nominiert wird, und wer den Preis gewinnt: Schon vor "GTA 6" hatte 2026 mehr zu bieten, als ein Artikel fassen kann. Alles, was fehlt, um ein Jahr für die Geschichtsbücher zu werden, ist ein herausstechendes Highlight. Sollte Rockstars Kronjuwel die verrückten Erwartungen also tatsächlich erfüllen, wäre es die Krönung eines ohnehin fantastischen Jahres für Spielefans.

