Technik

Edles Phone mit Triple-Kamera LG V40 ist ein später Knaller

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Das LG V40 hat eine Rückseite aus mattem Glas.

(Foto: jwa)

Das LG V40 Thinq ist ein schickes, starkes und vielseitiges Smartphone, das es mit den anderen Stars der Branche aufnehmen kann. Seine Technik ist top, Design und Verarbeitung sind spitze. Doch es hat ein Problem.

Besser spät als nie - diese Redewendung gilt in vielen Lebensbereichen, aber nicht in der Technikbranche. Wer beim rasenden Fortschritt nicht mithält, kommt unter die Räder, und wer zu spät kommt, den bestraft der Kunde mit Nichtbeachtung. Das LG V40 ist so ein Nachzügler: Vorgestellt wurde es im Herbst 2018 und mit seiner starken Technik und den insgesamt fünf Kameralinsen hätte es gut in den heißen Oktober gepasst, als Konkurrent zum Huawei Mate 20 Pro, dem Google Pixel 3 XL, dem iPhone XS Max und dem Oneplus 6T.

Viel Potenzial

Technische Daten

  • System: Android 8.1
  • Display: 6,4 Zoll, OLED, 3120 x 1440 Pixel, 538 ppi
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher 64/128 GB + microSD
  • Kamera: 12 MP, f1.5 / 12 MP, f2.4 (Tele) / 16 MP, f1.9 (Weitwinkel)
  • Frontkamera: 8 MP, f1.9 / 5MP, f2.2 (Weitwinkel)
  • WLAN ac, LTE, Bluetooth 5.0, NFC
  • USB-C
  • Dual-SIM (Nano-SIM-microSD-Hybrid-Slot)
  • Stoßsicher gemäß MIL-STD-810G1
  • IP68
  • Akku: 3300 mAh, Quick Charge, Qi
  • Maße: 158,7 x 75,8 x 7,7 mm
  • Gewicht: 169 g

Doch ein Deutschlandstart war erst nicht vorgesehen, wurde im Dezember dann im Nachhinein doch noch angekündigt, im Januar ging es hier in den Verkauf. Doch damit kommt das V40 Thinq, so sein voller Name, zur Unzeit. Die Branche blickt längst nach Barcelona, wo Ende Februar auf dem Mobile World Congress (MWC) die neuen Flaggschiffe vorgestellt werden und auch LG ein neues Spitzenmodell zeigt. Hätte man das V40 also lieber gar nicht erst nach Deutschland bringen sollen - nach dem Motto: Besser nie als spät?

Abwegig ist der Gedanke nicht, denn ein Verkaufsschlager wird das V40 jetzt nicht mehr werden. Dabei hat es allemal das Zeug zum Hit, Schwächen zeigt es im Test keine. Technisch ist es erstklassig ausgestattet: Mit bis zu 128 Gigabyte hat es einen sehr großen internen Speicher und mit 6 Gigabyte Arbeitsspeicher genug Kapazität für flüssiges Multitasking. Der Prozessor, ein Snapdragon 845, garantiert flottes Arbeitstempo und der Akku hält mit seiner Kapazität von 3300 Milliamperestunden lange genug durch, auch wenn das V40 nicht zu den ausdauerndsten Marathonläufern zählt.

Das Display ist zudem richtig stark - es leuchtet strahlend hell, hat tolle Kontrastwerte und ist knackig scharf. Die höchste Auflösung von 3120 x 1440 Pixeln ist aber nur für VR-Anwendungen interessant, auf mittlerer Stufe (2340 x 1080 Pixel) ist die Anzeige nicht sichtbar schlechter, aber der Akku hält länger durch. Kleines Manko: Seitlich betrachtet zeigt der Bildschirm einen ganz leichten Blaustich, den es auch schon bei Googles Pixel 2 XL gab, dessen Bildschirm von LG gefertigt wurde. Störend ist das aber nicht.

Pflicht erfüllt, Kür geglückt

Damit erfüllt das V40 den Pflichtteil mit Bravour. Der erste Teil der Kür besteht aus der vielseitigen Software. Auf der Basis von Android 8.1 spendiert LG dem Smartphone eine ganze Reihe von Extras. Dazu gehört etwa die Personalisierung der Navigationsleiste, in der man bis zu 5 Schaltflächen beliebig anordnen kann. Screenshots und handschriftliche Memos lassen sich leicht erstellen, die sogenannten "QSlide"-Apps (etwa Telefon, Kalender, E-Mail) schweben in kleinen Fenstern mit anpassbarer Transparenz und Größe über dem aktuellen Bildschirm. Per "Context Awareness" lassen sich bestimmte Aktionen abhängig von Ort und Zeit automatisieren, es gibt einen Gaming-Modus, HDR-Videoeffekte und hochauflösende Audioausgabe über den analogen 3,5-Millimeter-Klinkenausgang.  

Das V40 ist damit ein echtes Software-Multitalent und auch wenn die allermeisten Funktionen nicht neu sind, beweist es wieder einmal, dass LG-Smartphones einiges drauf haben. Das gilt auch für die Kamera: Drei Objektive hat es auf der Rückseite, neben der normalen Brennweite knipst es auch Weitwinkelaufnahmen und Bilder mit Zweifach-Zoom, die unter guten Lichtbedingungen durchweg gut gelingen. Nützlich: In einer Vorschau im Sucherbild kann man auf einen Blick sehen, wie sich der Bildausschnitt verändert, und auf Wunsch macht das V40 drei Bilder gleichzeitig.

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Das LG V40 hat ein tolles Display.

(Foto: jwa)

Außerdem gibt es einen Porträtmodus mit verschiedenen Lichteffekten, eine AI-Cam sowie automatische Optimierung von Nachtaufnahmen. Hier ist aber trotz Optimierung die Schwachstelle des V40: Nachtfotos gelingen ihm nicht ganz so beeindruckend wie den Triple-Kamera-Konkurrenten Huawei P20 Pro und Mate 20 Pro.

An der Front hat das V40 zwei Kameralinsen, mit denen es entweder ein normales Porträt oder ein Gruppenbild aufnehmen kann. Selfies gelingen beiden Linsen gut, hier liegt das V40 gleichauf mit der Konkurrenz. Nettes Extra sind auch hier die Beleuchtungseffekte, mit denen man Selbstporträts einen professionelleren Look geben kann.

Am Gerät liegt es nicht

Das LG V40 ist ein rundum gelungenes Smartphone, auch wenn es mit seinem 6,4-Zoll-Bildschirm einigen Nutzern zu groß sein dürfte. Sein Problem ist am ehesten der späte Marktstart in Verbindung mit dem hohen Preis: Das V40 kostet 900 Euro, mit Vertrag-Subventionierung bekommt man es aktuell nur bei der Telekom.

Ähnlich starke, schon früher veröffentlichte Smartphones sind bereits leicht im Preis gesunken. Der direkte Konkurrent Mate 20 Pro kostet zwar auch noch über 800 Euro, ist aber etwas günstiger. Das Samsung Galaxy Note 9 gibts für rund 800 Euro, das Huawei P20 Pro kostet unter 600 Euro. Alle drei hatten zudem schon ihre Zeit auf dem Markt. Das aktuelle LG-Topmodell wird es aber schwer haben, sich noch zu verkaufen, denn das erste Quartal ist für die Smartphone-Branche ohnehin eher umsatzschwach. Und wenn Ende Februar in Barcelona die nächste Smartphone-Generation samt neuem LG-Flaggschiff vorgestellt wird, kräht kein Hahn mehr nach dem V40.

Quelle: n-tv.de

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