Preis-Leistungs-TippsNothing Phone (4a) und (4a) Pro sind heimliche MWC-Stars
Von Klaus Wedekind, Barcelona
Nothing stellt seine beiden neuen Smartphones Phone (4a) und (4a) Pro vor. Mit Startpreisen ab knapp 350 Euro gehören sie zur günstigen Mittelklasse, sind jedoch voraussichtlich fast ebenso gut wie mehr als dreimal so teure Geräte. Nothing muss aber vermutlich noch im Kleingedruckten nachbessern.
Im vergangenen Frühjahr haben sich das Nothing Phone (3a) und das (3a) Pro für ntv.de als Mittelklasse-Stars entpuppt, die beim Preis-Leistungs-Verhältnis den Konkurrenten die Hacken gezeigt haben. Das (3a) glänzt auch bei Stiftung Warentest. Nach wie vor ist es dort mit der Gesamtnote 2,0 klar der Champion in der 300-Euro-Klasse, kaum schwächer bewertet als die um ein Mehrfaches teureren Spitzen-Geräte. Jetzt hat Nothing die Nachfolger Phone (4a) und (4a) Pro vorgestellt, die die heimlichen Stars des Mobile World Congress (MWC) sind.
Teurer Speicher schlägt sich in Preisen nieder
"Heimlich" bedeutet, dass die Briten zu den Unternehmen zählen, die die Geräte zwar zur Messe, aber nicht vor Ort Premiere feiern lassen. Einerseits ziehen Hersteller zunehmend exklusive Events für ihre Smartphones vor, andererseits sind passende Veranstaltungsorte in Barcelona während des MWC extrem teuer und rar. Nutzerinnen und Nutzern kann dieses Detail egal sein, da der MWC ohnehin keine Publikumsmesse ist.
Interessanter ist für sie, dass Nothing wegen der Preisexplosion bei Speicherchips die bisherigen Preise für seine A-Klasse nicht halten kann. Je nach Ausstattung und Variante sind die Geräte 20 bis 90 Euro teurer als die Vorgänger. Weil es der Konkurrenz in diesem Jahr kaum anders ergehen dürfte, könnten auch Nothing Phone (4a) und (4a) Pro Smartphones sein, bei denen man viel Qualität für vergleichsweise wenig Geld bekommt. Ob das tatsächlich so ist, wird sich erst im Praxistest herausstellen, der erste Eindruck und die Spezifikationen sprechen aber dafür.
Tolle Displays, solides Mittelklasse-Innenleben
Beide Geräte sind mit 204,5 und 210 Gramm angenehm leicht. Das (4a) ist nach IP64, das (4a) Pro nach IP65 staub- und wasserdicht. Das Standard-Modell hat ein knapp 6,8 Zoll großes AMOLED-Display mit einer scharfen Pixeldichte von 440 ppi und einer adaptiven Bildwiederholfrequenz von 30 bis 120 Hertz (Hz). Das Display des (4a) Pro ist 6,83 Zoll groß, bietet 450 ppi und bis zu 144 Hz. Beide Panels werden von Gorilla Glass 7i geschützt.
Angetrieben werden die neuen Nothing-Phones von Qualcomms solidem Mittelklasse-Chip Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4. Wahlweise stehen 8 oder 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher zur Verfügung, wobei das Pro moderneren und damit leistungsfähigeren und effizienteren LPDDR5X-RAM an Bord hat, während das Standard-Modell mit LPDDR4X bestückt ist.
Der Flash-Speicher (UFS 3.1) ist 128 oder 256 GB groß. Die Akkus der neuen Nothing-Phones haben jeweils eine Kapazität von 5080 Milliamperestunden, womit sie wie die Vorgänger eine hohe Ausdauer aufweisen sollten. Die Batterien können mit bis zu 50 Watt geladen werden.
Unterschiede bei Glyphen und Kameras
Die Unterschiede zwischen den Geräten sieht man auf der Rückseite der Geräte, die wie bisher durch Panda Glass Einblicke auf das Innenleben gewähren. Allerdings ist nur beim 4a die gesamte Rückseite transparent. Beim Pro ist das nur bei der Kamerainsel der Fall, ansonsten hat das Gerät ein schickes Aluminiumgehäuse.
Wie die Vorgänger haben beide Modelle leuchtende Glyphen, um Benachrichtigungen et cetera anzuzeigen. Beim (4a) handelt es sich dabei aber lediglich um einen Streifen, während das (4a) Pro wie das Phone (3) auf einem runden Interface aufwändigere Animationen, allerdings mit weniger Mini-LEDs, zeigen kann.
Wichtiger sind möglicherweise die Unterschiede bei der Kameraausstattung. Das (4a) hat eine optisch stabilisierte (OIS) Samsung-Hauptkamera mit 50 Megapixeln (MP) Auflösung und Blende f/1.88. Dazu kommen eine Ultraweitwinkel-Kamera von Sony (8 MP/f/2.2) und eine Tele-Kamera (OIS/50 MP/f/2.88) mit 3,5-facher optischer Vergrößerung.
Die Hauptkamera des (4a) Pro (50 MP/OIS/f/1.88) stammt wie die identische Ultraweitwinkelkamera von Sony. Die Samsung Tele-Kamera (50 MP/OIS) erreicht ebenfalls eine 3,5-fache optische Vergrößerung, ist aber mit Blende f/2.68 lichtstärker. Beide Geräte haben 32-MP-Frontkameras mit Blende f/2.2.
Die Smartphones funken mit Bluetooth 5.4 und Wi-Fi 6 und unterstützen bargeldloses Bezahlen via NFC-Chip. Wer eine eSIM nutzen möchte, muss zum Pro greifen, beide Geräte bieten Steckplätze für zwei SIM-Karten.
Interessante Werkzeuge
Beide Modelle haben wie ihre Vorgänger unter dem Einschalter auf der rechten Seite eine zusätzliche Taste. Über sie kann man unter anderem schnell Screenshots oder Kameraaufnahmen dem sogenannten "Essential Space" hinzufügen. So kann man unter anderem Ideen sammeln oder To-do-Listen anlegen. Drückt man die Taste zweimal, öffnet man die zugehörige App. Ein langer Druck führt direkt zur Spracheingabe, wobei man Aufnahmen in Text umwandeln lassen kann.
"Playground" ist eine KI-basierte Kreativ‑ und Entwicklungsumgebung, mit der man beispielsweise einfache Apps und Widgets über Text-Prompts erstellen kann. Die Ergebnisse kann man für sich behalten oder mit der Nothing-Community teilen.
Update-Garantie vermutlich nicht ausreichend
Das Nothing Phone (4a) kostet mit 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Flash-Speicher 349 Euro. Nur bei Amazon gibt es das Gerät mit 8 + 256 GB für 389 Euro, die Variante mit 12 und 256 GB bekommt man für 429 Euro. Für das Pro-Modell mit 8 + 128 GB muss man 479 Euro hinblättern, mit 12 und 256 GB kostet es 549 Euro.
Nothing liefert die Smartphones mit Android 16 aus. Der Hersteller garantiert, das Betriebssystem drei Jahre aktuell zu halten, Sicherheitsupdates werden sechs Jahre lang verteilt. Damit erfüllen die Briten allerdings vermutlich nicht die seit Juni 2025 für Mobiltelefone gültige EU-Ökodesign-Verordnung. Sie schreibt eigentlich vor, dass noch ab Verkaufsende nicht nur Sicherheitsupdates, sondern auch Betriebssystem-Upgrades mindestens fünf Jahre lang kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen.
Nothings Juristen versuchen aber offenbar, die schwammige englische Formulierung im Anhang II, Absatz 6, Paragraf A der Verordnung als Schlupfloch auszunutzen. Dort heißt es nämlich übersetzt: "Vom Zeitpunkt des Inverkehrbringens bis mindestens fünf Jahre nach diesem Zeitpunkt müssen Hersteller, Importeure oder autorisierte Vertreter, wenn sie Sicherheitsupdates, Korrekturupdates oder Funktionsupdates für ein Betriebssystem bereitstellen, diese Updates kostenlos für alle Einheiten eines Produktmodells mit demselben Betriebssystem zur Verfügung stellen."
Hersteller Motorola geht laut "Winfuture" sogar so weit, die Formulierung so auszulegen, dass Updates nur kostenlos sein müssen, aber nicht verpflichtend sind. Möglicherweise müssen erst Verbraucherschutzorganisationen klagen, um mit einem Grundsatzurteil für eine Klarstellung zu sorgen.
.