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Welches soll man kaufen? So gut sind iPhone 12 und 12 Pro

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Links das iPhone 12, rechts das iPhone 12 Pro.

(Foto: kwe)

Das iPhone 12 ist ein großer Fortschritt im Vergleich zu seinem Vorgänger, die Pro-Variante ist noch etwas besser ausgestattet. Was die Geräte auf dem Kasten haben und ob es sich lohnt, mehr Geld für die Pro-Variante auszugeben, hat ntv.de ausprobiert.

Schon ein paar Wochen bevor das mini und das Max erhältlich sein werden, hat Apple das iPhone 12 und das iPhone 12 Pro auf den Markt gebracht. Beide haben nicht nur das 6,1 Zoll große Display gemeinsam, die Unterschiede zwischen Standard und Pro sind bei den 2020er-Modellen sehr klein. Umso schwieriger ist es für potenzielle Käufer, eine Entscheidung zu fällen. ntv.de hat beide Geräte ausprobiert und ahnt jetzt, welches der beiden ein Verkaufsschlager werden wird.

Gelungenes Design

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Zwischen den Displays ist kein Unterschied zu erkennen.

(Foto: kwe)

Wofür man Apple einfach feiern muss, ist das Design seiner neuen Smartphones. Denn sie stechen mit ihren klaren Kanten angenehm aus dem abgerundeten Einerlei heraus. Apple treibt's zwar inzwischen ebenfalls recht bunt, hat aber auch bei der Farbwahl Geschmack bewiesen und verzichtet auf einen schillernden Auftritt. Danke.

Neben unterschiedlichen Farben ist der einzige Unterschied beim Gehäuse das Material des Rahmens. Während das Pro einen Stahlrahmen hat, wird das einfache 12er von Aluminium ummantelt. Beides hat Vor- und Nachteile. Der speziell beschichtete glänzende Stahl ist griffiger, zieht aber Fingerabdrücke magisch an. Der Aluminiumrahmen zeigt dagegen keine Kontaktspuren, ist dafür aber etwas rutschiger.

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Das iPhone 12 wiegt 162 Gramm, das 12 Pro 187 Gramm.

(Foto: kwe)

Beide Modelle haben den gleichen 6,1 Zoll großen OLED-Bildschirm. Damit hat das iPhone 12 im Vergleich zum Vorgänger, der nur ein LCD hat, einen großen Sprung gemacht. Und weil die Ränder jetzt wesentlich schmaler sind, ist das neue Gerät sogar rund 4 Millimeter schmaler und kürzer als der Vorgänger. Beim Pro beschränkt sich der Fortschritt auf ein Größenwachstum. 0,3 Zoll scheinen dabei nicht viel zu sein, machen aber tatsächlich einen deutlich sichtbaren Unterschied.

Identische Displays

Die Displays von iPhone 12 und 12 Pro unterscheiden sich im direkten Vergleich nicht. Auf höchster Helligkeitsstufe zeigen sie exakt die gleichen leuchtenden, natürlichen Farben und kräftigen Kontraste. Beide Panels sind mit einer Pixeldichte von 460 ppi knackig scharf. Zudem gehört True Tone, wo die Darstellung an das Umgebungslicht angepasst wird, nun auch zum Repertoire des einfachsten iPhone.

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Das MagSafe-Ladegerät dockt magnetisch an das iPhone an.

(Foto: kwe)

Gemeinsam haben die Bildschirme beider Modelle auch, dass sie keine höhere Bildwiederholfrequenz aufweisen, wie dies bei zahlreichen Android-Neuheiten der Fall ist. Apple hat sich Gerüchten zufolge gegen 90 oder 120 Hertz (Hz) entschieden, um den Stromverbrauch niedrig zu halten. Das ist nachvollziehbar, auch bei Konkurrenten mit höheren Raten ist die Frequenz deswegen meistens standardmäßig auf 60 Hz eingestellt. Dass die Darstellung beim Scrollen etwas mehr zittert als bei 90 oder 120 Hz, ist allerdings nicht zu übersehen.

Beide Panels werden von einem neuen Keramik-Glas geschützt, das viermal bruchsicherer als die Schutzgläser der Vorgänger sein soll. Erste Falltests bestätigen, dass das "Ceramic Shield" tatsächlich sehr widerstandsfähig ist. Die Rückseiten bedeckt aber herkömmliches Schutzglas, weswegen ein Cover empfehlenswert ist. Auch sonst halten die neuen iPhones einiges aus, sie sind nach IP68 wasser- und staubdicht.

Chip spielt in eigener Liga

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Die Hauptkamera macht Fotos mit vielen Details.

(Foto: kwe)

Angetrieben werden alle neuen iPhones von Apples neuem 5-Nanometer-Chip A14. Leistungsmäßig spielt er in einer eigenen Liga, und seine Grenzen können aktuell gar nicht ausgetestet werden. Käufer dürfen sich aber darauf verlassen, dass die Prozessoren auch in einigen Jahren noch genug Kraft haben und vier oder fünf große iOS-Updates mitmachen werden.

Im Pro-Modell stehen dem Chip 6 Gigabyte (GB) RAM zur Seite, der A14 des iPhone 12 kann nur auf 4 GB zugreifen. Das mag vielleicht in Zukunft eine Rolle spielen, aktuell macht sich im Alltag der Unterschied nicht bemerkbar.

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Auch die Superweitwinkelkamera beherrscht jetzt Nachtaufnahmen.

(Foto: kwe)

Die vielleicht wichtigste Neuerung aller neuen iPhones ist 5G. Dort wo es in Deutschland zur Verfügung steht, gibt's gewöhnlich auch ein sehr gutes LTE-Netz, weswegen der Unterschied derzeit kaum eine Rolle spielt. Das könnte sich aber durch neue Anwendungen bald ändern. Denn weil so viele Menschen iPhones kaufen, wird 5G durch die 12er-Generation vermutlich einen neuen Schub erhalten.

Ausdauernd trotz 5G

Da in Berlin 5G der Telekom schon in großen Flächen zur Verfügung steht, konnten die iPhones zeigen, wie gut sie für den Standard gerüstet sind. Im Opensignal-Test erreichten die Geräte Downloadraten zwischen 600 Mbit/s und 1,1 Gbit/s, der Upload bewegte sich zwischen 37 und 60 Mbit/s, die Latenz betrug durchgehend 19 Millisekunden. Um Strom zu sparen, aktivieren die Geräte nur bei Bedarf 5G und bleiben sonst im LTE-Netz.

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Bei HDR-Aufnahmen ist der Fortschritt im Vergleich zum iPhone 11 nicht besonders groß.

(Foto: kwe)

So sind auch die Laufzeiten der Geräte erfreulich lang. Man kommt mit ihnen gut über den Tag und hat vor dem Schlafengehen auch bei intensiverem Gebrauch noch meistens Reserven um die 30 Prozent. Um ein Ladegerät müssen sich iPhone-12-Käufer selbst kümmern, Apple liefert kein Netzteil mehr mit. Das ist aber okay und für den Umweltschutz besser, da sich sowieso schon in den meisten Haushalten die Ladegeräte ansammeln.

Wer möchte, kann die neuen Apple-Smartphones auch kabellos aufladen, das funktioniert mit allen gängigen Qi-Geräten. Die 12er-Modelle können aber auch magnetisch am ebenfalls neuen MagSafe-Ladegerät andocken. Das hat den Vorteil, dass die Induktionsspulen exakt übereinander sitzen und so besonders effizient arbeiten. Außerdem rutscht das iPhone nicht von der Station, wenn es vibriert. Noch ist nur das Apple-Original für fast 44 Euro erhältlich, in Zukunft wird es aber auch günstigeres Zubehör von Drittanbietern geben.

Verbesserte Kameras

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Alle Kameras liefern leuchtende, aber realistische Farben.

(Foto: kwe)

Auf der Rückseite hat das iPhone 12 eine optisch stabilisierte Dual-Kamera mit Weit- und Superweitwinkel-Objektiv, beim Pro kommen zusätzlich eine Tele-Kamera und ein Lidar-Sensor hinzu. Die Auflösung beträgt nach wie vor 12 Megapixel, allerdings hat Apple die Blenden vergrößert und die Linsen verbessert. Außerdem macht der neue Chip die Kameras leistungsfähiger.

Die Resultate sind ausgezeichnet, unterscheiden sich aber nicht allzu sehr von denen der Vorgänger-Modelle. Den größten Unterschied stellt man bei Nachtaufnahmen fest, die man jetzt auch mit der Superweit- und der Frontkamera machen kann. Hier sieht man, dass die Kameras lichtempfindlicher geworden sind.

Ebenso neu ist, dass maschinelles Lernen jetzt bei Superweitwinkel-Aufnahmen nicht nur Schärfe und Detaildarstellung verbessert, sondern auch Verzerrungen ausgleicht. Das sieht man den Fotos an. Dass auch HDR noch besser arbeiten soll, kann sein, ist aber nicht so offensichtlich.

Was Videos betrifft, könnten die neuen iPhones mal wieder Bestmarken in professionellen Tests erreichen. Die Stabilisierung arbeitet hervorragend, und die Aufnahmen sehen auch bei wenig Licht noch richtig gut aus. Und wer die Kameras richtig ausreizen möchte, filmt jetzt in 4K-Dolby-Vision. Der A14-Chip ist dabei auch stark genug, um solche Filme auf dem Gerät zu bearbeiten.

Pro-Modell kaum besser ausgestattet

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Das Pro-Modell hat zusätzlich eine Telekamera mit zweifacher optischer Vergrößerung an Bord. Sie liefert ebenfalls sehr schöne Aufnahmen, ist aber im Vergleich zu Kameras mit fünffachem optischen Zoom kein allzu großer Zugewinn. Ähnliches gilt für den Lidar-Sensor, der dem einfachen 12er fehlt. Er hilft spürbar bei Nachtaufnahmen besser zu fokussieren und macht den Fokus auch bei Tageslicht zackiger, fehlt beim Standard-iPhone aber nicht wirklich. Interessanter ist da die Möglichkeit RAW-Aufnahmen zu machen, was Apple bei den Pro-Geräten mit einem Update nachrüsten möchte.

Beide Geräte - das iPhone 12 und das iPhone 12 Pro - sind hervorragende Smartphones mit einem außergewöhnlich gelungenen Design. Alles in allem sind die Unterschiede zwischen iPhone 12 und 12 Pro nicht besonders groß, weshalb sich die Mehrausgabe eigentlich nur für Nutzer lohnt, die unbedingt eine Tele-Kamera haben möchten. Ansonsten ist man mit dem Standard-Modell bestens bedient, das mit 128 GB Speicher 925 Euro kostet. Für das iPhone 12 Pro mit ebenso großem Speicher sind 1120 Euro fällig.

Quelle: ntv.de