Technik
Alte Stereoanlagen können auch Musik vom Smartphone streamen, wenn man sie mit Funkmodulen nachrüstet.
Alte Stereoanlagen können auch Musik vom Smartphone streamen, wenn man sie mit Funkmodulen nachrüstet.
Sonntag, 04. März 2018

Bluetooth oder WLAN: So streamt man auf die alte Hi-Fi-Anlage

Wenn man sein Smartphone nicht per Kabel mit der alten Stereoanlage verbinden möchte, muss eine Funkverbindung her. Im Prinzip gibt es hier zwei Lösungen, die beide Vor- und Nachteile haben: Bluetooth oder WLAN.

Umrahmt von großen Lautsprecherboxen waren Hi-Fi-Anlagen früher die unangefochtenen Stars im Wohnzimmer. Doch im Digitalzeitalter tun sie sich schwer. Im Handel verkaufen sich vor allem vernetzte Musikanlagen gut. Nach Zahlen des Branchenverbandes gfu wurden 2017 in Deutschland rund 1,7 Millionen netzwerkfähige Audiokomponenten verkauft - 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Und für 2018 wird eine weitere Steigerung um rund 7 Prozent erwartet. Also ab zum Recyclinghof mit der alten Anlage? Eher nicht, denn es gibt Nachrüstlösungen zum Vernetzen.

Die günstigste Möglichkeit, eine Anlage etwa mit Smartphones oder Tablets zu vernetzen, sind Bluetooth-Audio-Adapter, sagt Christian van de Sand von der Stiftung Warentest. Diese kleinen Empfänger stellt man auf oder neben die Anlage: "Man schließt ganz einfach den Adapter per Kabel an einen freien Audio-Eingang der Anlage sowie an die Steckdose an und kann den Empfänger dann per Bluetooth-Funk mit Smartphone oder Computer vernetzen."

In den meisten Fällen genügt Bluetooth

Musikliebhaber, die Klangqualität ähnlich wie in einem Konzertsaal erwarten, würden mit Bluetooth-Empfängern aber eher nicht rundum glücklich, glaubt Bernhard Grill, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) mit der Zuständigkeit für Audio- und Medientechnologien. "Bei Bluetooth dominieren derzeit noch über 20 Jahre alte Codecs und nicht der überlegene AAC-Codec, der nahezu verlustfrei die Musik überträgt." Wer aber - wie die meisten - Musik eher nebenbei hört, liege mit Bluetooth-Adaptern nicht falsch. Das gilt speziell, wenn Musik komprimiert gespeichert ist oder von Streamingdiensten stammt.

Die Empfänger böten einen guten Einstieg in die akustische Vernetzung, meint auch Warentester van de Sand. Schon die Geräte um 20 Euro hätten in Sachen Klang und Bedienbarkeit überzeugt - wenn man mit der eher geringen Reichweite bis zehn Meter und eingeschränkter Nutzbarkeit leben kann, wenn das Smartphone die Musikquelle ist. Denn Musikhören und gleichzeitig Telefonieren geht etwa nicht.

WLAN-Adapter für Genießer

Einen anderen Funkstandard mit mehr Reichweite und mehr Flexibilität nutzen WLAN-Audio-Adapter: Sie verbinden die Anlage nicht nur mit dem Funknetzwerk daheim, sondern in aller Regel auch mit dem Internet. Das heißt, sie können nicht nur lokale Audio-Inhalte vom Smartphone, Tablet, Rechner, Notebook oder der Netzwerkfestplatte auf der Anlage wiedergeben, sondern auch Musik aus dem Internet streamen.

Für Audioexperte Bernhard Grill ist die WLAN-Übertragung die Lösung der Wahl, wenn der reine Hörgenuss im Vordergrund steht: "Bei WLAN-Übertragung werden höhere Datenraten verwendet, was prinzipiell verlustfreie Übertragung zulässt, so dass die Musik auch von kritischen Hörern nicht vom Original unterscheidbar sein sollte."

WLAN-Adapter (ab 40 Euro) werden in aller Regel per App gesteuert und können sich oft auch mit anderen Anlagen oder Funklautsprechern zusammenschließen, um in mehreren Räumen zeitgleich dieselbe Musik zu spielen. Voraussetzung für diese Multiroom-Funktionalität ist aber, dass alle beteiligten Anlagen oder Funkboxen denselben Standard unterstützen: Airplay, Chromecast, Spotify Connect oder Undok sind Beispiele für herstellerübergreifende Standards. Die Hi-Fi-Hersteller setzen aber oft auf eigene, untereinander nicht kompatible Standards.

Erst günstig testen, dann investieren

Wer die Steuerung per App nicht mag, kann in Erwägung ziehen, einen WLAN-Netzwerkspieler anzuschaffen. Diese Geräte im Format klassischer Hi-Fi-Bausteine haben Bedienknöpfe, Display und Fernbedienung. Die Player sind aber teurer und platzraubender als Audio-Adapter. Warentester van de Sand rät Einsteigern, zunächst mit einem günstigen Bluetooth-Adapter auszuprobieren, ob die Musikübertragung von Smartphone, Computer oder aus dem Internet zur alten Anlage Spaß mache und im Alltag praktikabel sei. Verläuft der persönliche Test überzeugend, kann man sich über eine WLAN-Lösung Gedanken machen.

Quelle: n-tv.de