Technik

Schnüffeln gegen die Pandemie Was taugen Corona-Riechtests im Alltag?

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Für einen Corona-Riechtest benötigt man lediglich ein Smartphone und Karten mit Duftmustern.

(Foto: kwe)

Riechtests können ein einfaches, aber wirksames Mittel sein, um eine Covid-19-Erkrankung schon im Frühstadium zu erkennen. ntv.de hat ausprobiert, wie das im Alltag klappt, wann der Einsatz sinnvoll ist und wann nicht.

Sars-Cov-2 ist unter anderem deshalb so schwer unter Kontrolle zu bringen, weil Infizierte bereits ansteckend sind, bevor sie offensichtliche Symptome einer Erkrankung aufweisen. Genauer müsste man sagen, keine Symptome spüren. Denn verschiedene Studien haben ergeben, dass rund zwei Drittel der Betroffenen als allererstes Krankheitsmerkmal den Geruchssinn verlieren, dies aber nicht oder zu spät bemerken. Das ergab auch eine Umfrage des Forschungszentrum Jülich unter Betroffenen. Diese Eigenschaft von Covid-19 kann man nutzen, um mit Riechtests frühzeitig Infektionen zu erkennen. Erste Hersteller bieten sie an, ntv.de hat den Test des deutschen Herstellers Corowell ausprobiert.

Einfaches Prinzip

Das Prinzip ist extrem einfach: Man installiert eine App, mit der man den Code auf den Testkarten scannt. So erfährt die Anwendung, welcher Geruch entsteht, wenn man an dem Bereich reibt, auf dem wie bei Parfümproben der Duftstoff aufgetragen ist. Danach riecht man an dem Testfeld und wählt unter verschiedenen angezeigten Möglichkeiten den Geruch aus, den man wahrgenommen hat.

Dann beantwortet man noch ein paar Fragen wie "Haben Sie kürzlich eine Störung Ihres Geruchssinns festgestellt?" und bestimmt auf einer Skala von 1 bis 10, wie leicht es war, den Duft zu erkennen. Zum Schluss erfährt man im Normalfall, dass man bestanden hat und die App zeigt einen QR-Code an, der als Pass dienen kann, beispielsweise zum Betreten eines Büros oder einer Veranstaltung.

Insgesamt haben mehrere Dutzend Personen den Geruchstest jeweils zehnmal ausprobiert. Allgemein fanden alle Teilnehmer die Prozedur sehr einfach und unkompliziert. Wenn es Probleme gab, dann fast ausschließlich mit einer oder mehreren Duftnoten. Das lag einerseits an einer wahrgenommenen Künstlichkeit der Gerüche. Vor allem Schokolade bereitete einigen Probanden Schwierigkeiten. Auch bei fruchtigen Düften fiel auf, dass sie den künstlichen Aromen von Süßigkeiten sehr nahe kommen, aber wenig mit der Realität zu tun haben.

Meistens führte dies nur zu einem Zögern bei der Auswahl, lediglich in Einzelfällen wurde ein Geruch gar nicht identifiziert. Kinder kannten gelegentlich die gerubbelte Duftnote auch einfach nicht. Hier könnte der Hersteller also noch etwas nachbessern.

Erstaunlich hohe Wirksamkeit

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Hat man bestanden, erhält man einen QR-Code, der als eine Art Eintrittskarte dienen kann.

(Foto: kwe)

So weit so gut, aber wie sehr kann man sich auf solche Riechtests verlassen? Nun, einer Vorab-Studie der University of Colorado Boulder zufolge kommen sie der Wirksamkeit von Antigen-Schnelltests sehr nahe. Die Wissenschaftler beobachteten unter anderem, dass ein täglicher Riechtest oder ein Screening an jedem dritten Tag in der Simulation Ausbrüche verhindern konnte, wenn wenigstens 50 Prozent der Infizierten Geruchsstörungen hatten. Bei einer Prävalenz von 75 Prozent stellte sich heraus, dass ein Riechtest alle drei Tage sogar wirksamer als wöchentliche PCR-Tests mit einer eintägigen Bearbeitungszeit ist.

Das bedeutet, dass Riechtests dazu geeignet sind, viele Infektionen in einem frühen Stadium von Covid-19 zu erkennen, in der Infizierte besonders ansteckend sind. Damit könnten diese Tests ein effektives Mittel sein, um die Pandemie einzudämmen. Das entspricht auch der Einschätzung der großen Mehrheit der Versuchsteilnehmer von ntv.de.

Eine weitere Käsescheibe

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Riechtests sind kein Wundermittel, können die bisherigen Corona-Maßnahmen aber sinnvoll ergänzen.

(Foto: Wikipedia/Ian M MacKay/Dr. E.-J. Freyschmidt)

Ob sie wie Antigen-Tests dazu geeignet sind, den Zutritt zu Veranstaltungen, Flugzeugen oder sogar Seniorenheimen zu regeln, wird nicht nur von den Probanden bezweifelt. So fanden die US-Forscher heraus, dass ein Screening bestenfalls zu ungefähr 80 Prozent effektiv ist, wenn 90 Prozent der Infizierten Geruchsstörungen aufweisen. Es würden also zu viele Infizierte unerkannt bleiben.

Neben einer nicht hundertprozentigen Prävalenz kommt bei Riechtests einschränkend hinzu, dass viele - vor allem ältere - Menschen aus ganz anderen Gründen Störungen des Geruchssinns haben.

Riechtests können aber auf jeden Fall ein effizientes, einfaches und günstiges Mittel zur Eindämmung der Pandemie sein, wenn sich Nutzer mit negativem Ergebnis freiwillig isolieren beziehungsweise mit Antigen- oder PCR-Tests Gewissheit verschaffen. Nach dem Schweizer-Käse-Modell sind sie eine weitere Schicht, die es dem Virus schwerer macht, sich zu verbreiten.

Interessant für Unternehmen

In der aktuellen Situation, wo nicht alle Mitarbeiter eines Unternehmens im Homeoffice arbeiten können oder dürfen, erscheinen Riechtests auch als Einlasskontrolle sinnvoll, da sie das Risiko eines Ausbruchs in einer Firma deutlich senken könnten. Voraussetzung ist aber, dass die Mitarbeiter ehrlich sind, denn ein Riechtest kann zu Hause problemlos auch von einer anderen Person gemacht werden. Und Tests, die unter Aufsicht am Firmentor durchgeführt werden, sind weder vorstellbar, noch wünschenswert.

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Leider sind die derzeit verfügbaren Riechtests noch nicht ganz so günstig, wie die in der US-Studie genannten 50 Cent pro Stück. Karten von Corowell kosten derzeit beispielsweise für Endkunden noch knapp 3 Euro, Großabnehmer zahlen ab 100.000 Tickets 1 Euro. Mit wachsenden Produktionsmengen könnten die Tests aber schnell deutlich preiswerter werden.

Wenn man nur sich selbst beobachten möchte, kommt man auch ganz ohne industriell gefertigte Riechtests aus. Man kann sich selbst ein Set von verschiedenen Düften für einen Blindtest zusammenstellen. Dazu füllt man beispielsweise Kräuter und andere aromatische Stoffe in gleich aussehende Döschen und schreibt die Lösung auf die Unterseite.

Quelle: ntv.de