Technik

Google Nest Hub 2 ausprobiert Wenn der Schläfer in die Radarfalle geht

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Das Display des Google Nest Hub 2 ist sieben Zoll groß.

(Foto: kwe)

Googles neuer Nest Hub wäre eigentlich nur ein gewöhnliches Update, wenn das Gerät nicht einen Radar-Sensor hätte, der es ihm erlaubt, den Schlaf eines Nutzers zu analysieren. Das klingt ein wenig gruselig, aber die Funktion kann sehr hilfreich sein, um eine erholsamere Nacht zu haben.

Normalerweise muss man eine Smartwatch oder irgendein anderes Gerät am Körper tragen, wenn man sein Schlafverhalten aufzeichnen möchte, um mögliche Probleme erkennen und beheben zu können. Das kann allerdings ziemlich stören und selbst ein Grund für eine ruhelose Nacht sein. Beim neuen Google Nest Hub kann das nicht passieren, denn das Gerät hat einen Radar-Sensor eingebaut, der Bewegungen kontaktlos erkennt. ntv.de hat ausprobiert, wie gut der 100 Euro teure Nest Hub 2 den Schlaf analysieren kann und was das Smart Display sonst noch kann.

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Man kann auf dem Display eine einfache Zusammenfassung sehen, ...

(Foto: Google)

Grundsätzlich ist das Gerät nach zwei Jahren ein Update des ersten Nest Hub. Es kann als Zentrale in einem vernetzten Haushalt dienen und ist via Display und Mikrofon ein direkter Weg, um die Dienste von Googles künstlicher Intelligenz zu nutzen. Man kann sich unter anderem Informationen ansagen oder auf dem Bildschirm anzeigen lassen, verbundene Geräte steuern oder auch Sprachnachrichten an andere Google-Lautsprecher oder -Displays schicken.

Neu sind ein verbesserter Klang und die Thread-Kompatibilität. Das ist besonders interessant für Nutzer, die ihr smartes Home mit Geräten verschiedener Hersteller vernetzen möchten. Denn via Thread kann der Nest Hub 2 künftig auch Produkte von Apple, Amazon und anderen Unternehmen steuern, die gemeinsam den Standard Connected Home over IP (CHIP) entwickeln. Die Betonung liegt auf "künftig", denn noch gibt es auf dem Markt keine entsprechenden Geräte.

Radar-Sensor ein alter Bekannter

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... die Zeiten ansehen ...

(Foto: Google)

Die Star-Funktion des Nest Hub 2 ist ohnehin der Radar-Sensor. Dieser ist allerdings für sich keine Neuheit, sondern ein alter Bekannter. Denn Google hat den "Soli-Sensor" bereits 2015 zum ersten Mal vorgestellt und 2019 schon das Pixel 4 damit ausgestattet. Doch zu viel mehr als durch Wischbewegungen die Musikwiedergabe zu steuern, war der Sensor dann letztlich nicht zu gebrauchen.

Im Nest Hub 2 ist das ganz anders. Zwar kann man auch hier den Wecker stumm schalten oder die Wiedergabe von Musik und Videos regeln. Die Hauptaufgabe des Radar-Sensors ist es aber, die Bewegungen einer schlafenden Person zu erkennen, aufzuzeichnen und zur Analyse dem Google Assistant zu übergeben.

Dazu muss das Gerät nahe genug auf dem Nachttisch stehen und korrekt auf den Rumpf ausgerichtet sein. Deshalb richtet man den Hub im Bett liegend über die Home-App auf dem Smartphone ein. Das klappt reibungslos und ist in ein paar Minuten erledigt. Ein Problem hat man allerdings, wenn das Gerät nicht wenigstens ungefähr auf einer Höhe mit der Matratze ist. Und man muss den Hub neu kalibrieren, wenn man dessen Position auf dem Nachttisch verändert hat.

Keine Kamera an Bord

Eine Kamera hat das Smart Display nicht, insofern fühlt man sich nicht beobachtet. Trotzdem ist es ein seltsames Gefühl, dass ein Sensor sämtliche Bewegungen im Schlaf aufzeichnet und an Googles Server schickt. Dort landet kein Bild, auf dem man direkt erkennen kann, was da im Bett passiert. Die Verarbeitung der Daten erfolgt zunächst auf dem Gerät, Google erhält nur die "Schlafereignisse".

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... oder ins Detail gehen.

(Foto: Google)

Dazu gehören Einschlaf- und Aufwach-Zeiten, unruhige Phasen, wie lange man insgesamt im Bett war und wie lange man davon geschlafen hat. Der Radar-Sensor kann sogar die Atemfrequenz anhand der Rumpfbewegung erkennen. Das Thermometer des Nest Hub misst die Temperatur, der Licht-Sensor die Helligkeit im Schlafzimmer. Wenn man das Mikrofon aktiviert, zeichnet das Gerät zusätzlich Schnarchen oder Husten auf, aber diese Geräusche bleiben auf dem Gerät, werden nicht zu Googles Servern geschickt.

Schlaf-Tracking ist Vertrauenssache

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Ist das Mikrofon angeschaltet, registriert der Nest Hub auch Huster und Schnarcher.

(Foto: Google)

Es gibt sicher viele Unternehmen, die liebend gerne Schlafinformationen von Nutzern zu einem Profil hinzufügen möchten. Google versichert, dass die Radar-Aufzeichnungen nicht zur Personalisierung von Werbung verwendet werden und nach einiger Zeit gelöscht werden.

Letztendlich ist es eine Vertrauenssache, die Funktion zu nutzen. Deshalb muss man sie auch selbst aktivieren, in den Werkseinstellungen ist sie ausgeschaltet. Man kann sie auch jederzeit unkompliziert deaktivieren und die bei Google gespeicherten Daten selbst löschen.

Wenn man die Funktion nutzt, ist es überraschend, wie exakt der Radar-Sensor die Bewegungen erfasst. Er hat lediglich Probleme, zu erkennen, ob man eingeschlafen ist oder nur entspannt daliegt. Auch wenn man nicht alleine im Bett ist, lässt sich der Sensor grundsätzlich nicht ablenken, solange man einigermaßen seine Position beibehält, die bei der Einrichtung ermittelt wurde. Wenn zwei Personen husten oder Schnarchen, stößt der Nest Hub 2 aber an seine Wahrnehmungs-Grenzen.

Hilfreiche Auswertung, aber kein Heilmittel

Am nächsten Tag erhält man dann entweder auf dem Display des Nest Hub eine Zusammenfassung der Nacht oder man ruft sie in der Fit-App auf dem Smartphone auf, wenn man die Schlaf-Daten zuvor eingebunden hat. Die aufgezeichneten Informationen scheinen dabei ziemlich akkurat zu sein. Wenn man sich trotz sieben bis acht Stunden Schlaf ausgelaugt fühlt, sieht man beispielsweise gewöhnlich viele unruhige Phasen in der Auswertung. Und wenn man abends ein Gläschen zu viel gehabt hat, erhält man die Quittung in Form von orangefarbenen Schnarch-Abschnitten.

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Nach rund zwei Wochen gibt's dann eine Zusammenfassung mit Empfehlungen für einen gesunden Schlaf. Hier darf man sich wie von der täglichen Auswertung nicht allzu viel erwarten. Denn dass regelmäßige Schlafzeiten, eine niedrige Temperatur und durchgehend Dunkelheit empfehlenswert sind, weiß man auch ohne das Schlaf-Tracking. Hilfreicher ist es, die Funktion zu nutzen, um herauszufinden, ob eine Verhaltensänderung Wirkung zeigt.

Der Google Nest Hub 2 erledigt seine Aufgabe, den Schlaf zu analysieren, erstaunlich gut. Wer kein Problem damit hat, die sensiblen Daten Google anzuvertrauen, bekommt für 100 Euro außerdem einen recht günstigen Tracker, der auch noch zahlreiche andere Funktionen zu bieten hat. Allerdings ist die Schlafanalyse vorerst nur bis zum Jahresende kostenlos, danach könnte eine Gebühr fällig werden.

Quelle: ntv.de

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