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Apple zieht sein Ding durch Wird das iPhone 14 langweilig?

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Schon im März veröffentlichte Leaker Max Weinbach detaillierte Baupläne des iPhone 14 Pro.

(Foto: @MaxWinebach)

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Der Hype der vergangenen Jahre ist vorbei. Jeder weiß, im September kommen neue iPhones, und jeder weiß, dass man von ihnen keine spektakulären Neuheiten mehr erwarten kann. Aber sind die Geräte deswegen langweilig? Es kommt darauf an, wie man es sieht oder besser, wie Apple es verkauft.

Smartphones sind weitgehend ausentwickelt. Viel mehr als jährlich stärkere Prozessoren und raffiniertere Kameras zaubern Hersteller kaum noch aus dem Hut, selbst die sinnvoll nutzbaren Möglichkeiten des maschinellen Lernens scheinen weitgehend ausgereizt zu sein. Geräte wie das Nothing Phone (1) sind da nur ein interessanter Lichtblick. Auch Apple kocht nur mit Wasser und hat schon länger nicht mehr wirklich überraschen können. Beim kommenden iPhone 14 wird das nicht anders sein, aber trotzdem bereitet sich das Unternehmen auf einen reißenden Absatz vor. Wie kommt das?

Im Detail werden Tim Cook & Co. vielleicht noch etwas enthüllen, was bisher noch nicht bekannt ist, aber im Großen und Ganzen sind die neuen iPhones kein Geheimnis mehr. Die wichtigste und für etliche Nutzer wohl enttäuschende Neuheit ist, dass es kein weiteres mini geben wird. Stattdessen stellt Apple voraussichtlich neben dem iPhone 14 Pro Max mit dem iPhone 14 Max ein weiteres Gerät mit 6,7-Zoll-Bildschirm vor. Ansonsten haben Nutzer wie bisher die Wahl zwischen einem Pro- und einem Standard-Modell mit 6,1 Zoll großem Display.

Die Neulinge wird man eventuell an frischen Farben erkennen, ansonsten muss man beim Design wohl schon sehr genau hinsehen, um Unterschiede zu den aktuellen Modellen zu finden. Wahrscheinlich wird man die neuen Pro-Varianten daran erkennen, dass sie keine einzelne breite Display-Aussparung (Notch) mehr haben. Stattdessen bringt Apple Kamera und Sensoren für die Gesichtserkennung getrennt in einer kreisrunden und einer pillenförmigen Bohrung unter.

Pros deutlich besser ausgestattet als Normalos

Die Normalo-Modelle dagegen werden vermutlich nicht nur die Notch von den 12ern übernehmen. Um die Pros stärker als Premium-Varianten hervorzuheben, stattet sie Apple wahrscheinlich nicht mit seinem neuesten A16-Chip aus, sondern mit dem aktuellen A15. Immerhin könnten sie aber diesmal ebenfalls Displays mit einer Bildwiederholfrequenz bis 120 Hertz (Hz) erhalten, statt bei 60 Hz zu verweilen. Bis auf sparsame 1 Hz bei Standbildern werden ihre Bildschirme aber so oder so nicht herunterregeln können, das bleibt vorerst ein Pro-Feature.

Die Pro-Modelle werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch etwas dicker ausfallen als die Standard-13er. Das dürfte vor allem daran liegen, dass nur bei ihnen die Hauptkamera von 12 auf 48 Megapixel (MP) aufgerüstet wird. Immerhin dürfen sich laut Apple-Kenner Ming-Chi Kuo Käufer aller vier iPhone-13-Varianten über eine neue Frontkamera mit Autofokus und Blende f/1.9 freuen. Bisher sitzt dort eine Kamera mit starrem Fokus und Blende f/2.2.

So viel wie nötig

Das sind zwar - vor allem für die Pros - alles willkommene Verbesserungen, aber im Einzelnen keine spektakulären Neuerungen, die man bei anderen Smartphones nicht schon gesehen hätte. Apple gibt seiner treuen Kundschaft jeden September immer gerade so viel, dass ein Neukauf für Besitzer älterer Geräte interessant ist, Nutzer jüngerer iPhones aber nicht das Gefühl bekommen, veraltete Smartphones zu haben. Und ob das nachhaltig ist oder nicht: Die Upgrade-Politik passt oft auch perfekt zu Mobilfunk-Verträgen, die Nutzern regelmäßig "kostenlose" neue Geräte garantieren.

Apple hat außerdem nicht nur sehr treue Kunden, die ungern ins Android-Lager wechseln, sie sind auch für relativ simple Verbesserungen dankbar, auf die sie oft länger als Käufer anderer Smartphones warten müssen. Dazu gehört laut "Bloomberg" auch ein sogenanntes Always-on-Display, das im Sperrbildschirm die Uhrzeit oder andere Informationen anzeigen kann. Dieses in der Android-Welt seit längerem übliche Feature könnte wiederum den Pro-Modellen vorbehalten bleiben, da es bei 1Hz weniger Strom als bei 60 Hz verbraucht.

Die Taktik geht auf

Ein Leckerli für Interessenten am einfachen iPhone 14 soll dem Branchenmagazin "Digitimes" ein Upgrade von 4 auf 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher sein, was die aktuellen Pro-Varianten bereits haben. Gleich werden die Modelle in dieser Hinsicht deswegen aber wohl trotzdem nicht sein. Denn die einfachen 14er sollen dem Bericht nach beim langsameren LPDDR4X-Speicher bleiben, während die Top-iPhones auf den flotteren und angeblich auch energieeffizienteren LPDDR5-Standard aufgerüstet werden sollen.

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Die Taktik geht offenbar auf. So könnte Apple laut "Digitimes" trotz der schwierigen Marktlage im Gegensatz zu den meisten oder sogar allen Konkurrenten seinen Absatz und seine Marktanteile erneut steigern können. Kuo führt dies vor allem auf eine große Nachfrage in China zurück. Eine mögliche Begründung dafür sei, dass Apple dort die High-End-Sparte beherrsche, seit sich Huawei aus dem 5G-Smartphone-Markt zurückgezogen habe. Deswegen habe Apple in China mehr potenzielle Premium-Käufer. Kuo zufolge hat das Unternehmen auch kaum Schwierigkeiten, seine Lieferketten aufrechtzuerhalten, wobei es sich vor allem auf seinen größten Smartphone-Konkurrenten Samsung verlassen könne.

Es kommt also nicht unbedingt darauf an, ob das iPhone 14 langweilig wird oder nicht. Apple weiß, was seine treuen Nutzer bei der Stange hält und weiß, Gelegenheiten zu nutzen, wenn es darum geht, neue Kunden zu gewinnen. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die kleinen, aber feinen Verbesserungen einmal mehr genügen werden, um die Geräte bei Stiftung Warentest und anderen Bestenlisten an die Spitze zu befördern. Alles andere wäre tatsächlich mal eine Überraschung.

Quelle: ntv.de

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