Technik

Vier Mal höhere Auflösung als 4K Wozu ist ein 8K-Fernseher gut?

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Samsungs fast randloser QLED-Fernseher Q950TS war ein 8K-Highlight der CES 2020.

(Foto: Samsung)

Wenn es nach den Herstellern geht, wird 2020 das Jahr der 8K-Fernseher, jeder von ihnen hat auf der CES wenigstens ein neues Flaggschiff mit der ultrahohen Auflösung vorgestellt. Doch ist die Zeit der Pixel-Monster tatsächlich schon gekommen?

Während im vergangenen Jahr LG und Samsung mit aufrollbaren oder modularen Fernsehern großes Aufsehen erregten, waren ihre TV-Neuheiten auf der eben zu Ende gegangenen Consumer Electronics Show (CES) kaum aufregender als die der Konkurrenten. Neben kleineren Überraschungen wie dem ins Hochformat drehbaren Samsung Sero rollten in Las Vegas hauptsächlich neue 8K-Fernseher vom Stapel. Und alle Hersteller waren sich auf der Showbühne einig, dass den Pixel-Monstern in diesem Jahr der Durchbruch gelingen wird. Die Begründungen dafür erweisen sich aber näher betrachtet als fast ebenso dünn wie die Displays der neuen TV-Boliden.

Auf die Größe kommt es an

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LG hat unter anderem neue 8K-OLED-Flaggschiffe der Signature-Klasse vom Stapel laufen lassen.

(Foto: LG Electronics)

8K-Bildschirme ergeben grundsätzlich nur bei sehr großen Fernsehern Sinn. Denn ihre Auflösung ist mit 7680 x 4320 Pixeln vier Mal höher als bei 4K-Geräten, deren Displays 3840 x 2160 Bildpunkte aufweisen. So viele Pixel machen erst bei Bildschirmdiagonalen ab 85 Zoll beziehungsweise 215 Zentimetern einen deutlich sichtbaren Unterschied. Für so einen riesigen Fernseher muss man aber erstmal Platz haben, selbst wenn er praktisch keinen Display-Rand mehr hat wie beispielsweise Samsungs neues 8K-Flaggschiff Q950TS. Trotzdem seien TV-Geräte mit Diagonalen ab 75 Zoll "das am schnellsten wachsende Segment auf dem Markt", sagt Samsung-Manager Joe Stinziano. "Und in diesem Segment ist die 8K-Auflösung am wichtigsten."

Zumindest theoretisch hat er recht. Denn verglichen mit den sehr scharfen Displays aktueller Smartphones mit 400 Pixeln pro Zoll (ppi) genügen die Bildpunkte bei einem 75-Zoll-Fernseher mit 4K-Auflösung gerade mal für mickrige 59 ppi. Mit 8K sind es immerhin 117 ppi. Der Vergleich hinkt allerdings, denn wer sitzt nur eine Armeslänge entfernt vor seinem Fernseher? Panasonic gibt den optimalen Sitzabstand bei einem 75-Zöller mit 4K-Auflösung mit 2,80 Metern an. Das heißt, auf diese Entfernung sehen die Augen garantiert keine einzelnen Pixel. Die meisten Nutzer sitzen wohl weiter entfernt vor deutlich kleineren Bildschirmen.

8K-Inhalte bleiben Mangelware

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Sony hat auf der CES 8K-LCD-Fernseher der Serie ZH8 vorgestellt.

(Foto: Sony)

Trotzdem bietet ein 8K-Fernseher ein schärferes und damit besseres Bild. Dafür benötigt er allerdings Inhalte mit der entsprechenden Auflösung und diese sind heute fast genauso selten wie vor einem Jahr. Erst in noch nicht absehbarer Zukunft soll es bei Streaming-Anbietern erste 8K-Serien oder -Filme geben. Eine weitere Möglichkeit wären Blu-ray-Discs. Doch wie flatpanelshd.com anmerkt, gibt es bisher schon kaum 4K-Scheiben und so lange die Studios keinen Content in 8K produzieren, werde es auch keine 8K-Blu-rays geben.

Zwar kommen in Hollywood bereits 8K-Kameras zum Einsatz, beispielsweise bei "Guardians of the Galaxy Vol. 2". Allerdings werden sie bisher nur genutzt, um möglichst viele Bildinformationen für bestmögliche 4K-Qualität zu gewinnen. Heimkino-Atmos.de bezweifelt, dass es in absehbarer Zeit überhaupt ein physisches 8K-Medium geben wird. Unter anderem sei nicht klar, ob der für UHD-Inhalte genutzte Codec langfristig ausreiche.

Spielkonsolen erneut Pioniere?

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Kann die neue Xbox Series X tatsächlich 8K-Spiele mit 120 fps wiedergeben?

(Foto: Microsoft)

Wie schon bei 4K könnten erneut die Spielkonsolen den entscheidenden Impuls geben. So sagte Sonys leitender Ingenieur Mark Cerny im vergangenen Frühjahr dem Magazin Wired.com, die Playstation 5 werde 8K-Inhalte wiedergeben können. Sony-CEO Jim Ryan sprach wenig später im Interview mit cnet.com allerdings nur noch von 4K mit sehr hohen Bildwiederholraten von 120 Bildern pro Sekunde (fps). Das ergibt jedenfalls mehr Sinn, als 8K-Spiele mit holperigen 30 fps darzustellen, 60 fps sollten es mindestens sein. Was die Playstation in Sachen 8K tatsächlich auf dem Kasten hat, weiß man spätestens Ende des Jahres, wenn sie vor Weihnachten auf den Markt kommt.

Ähnliches gilt für Microsofts Xbox Series X. Hier hat Abteilungsleiter Phil Spencer als Twitter-Profilbild kürzlich den Hauptprozessor der kommenden Konsole mit 8K-Gravur eingesetzt und es halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach die neue Xbox-Generation 8K mit 120 fps beherrscht.

Upscaling vorerst Standard.

Auf absehbare Zeit werden originäre 8K-Inhalte so oder so Mangelware bleiben. Die Hersteller setzen daher vor allem auf das sogenannte Upscaling, wobei die fehlenden Informationen mithilfe künstlicher Intelligenz in Echtzeit hinzugerechnet werden. Da ist was dran, auf der CES konnte man sich überzeugen, wie gut die in den 2020er-Geräten eingesetzten neuen KI-Chips ihre Arbeit beherrschen. Obwohl ein direkter Vergleich nicht möglich war, scheint der Qualitätsunterschied zu auf 4K hochgerechneten Inhalten allerdings nicht allzu groß sein.

Wer in den kommenden Monaten einen neuen, großen Fernseher kaufen möchte, hat aktuell also kaum Vorteile, wenn er ein 8K-Gerät wählt. Allerdings ist er auf die Zukunft vorbereitet, zu der unter anderem HDMI-2.1-Anschlüsse gehören. Sie sind nicht nur für die 8K-Auflösung bei 60 fps (oder 4K bei 120 fps) nötig. Die Schnittstelle mit Übertragungsraten von bis zu 48 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) ist unter anderem auch Voraussetzung für die höchste HDR-Qualität, variable Bildwiederholraten oder besonders geringe Latenzen (Verzögerungen). Das bieten aber auch hochwertige neue 4K-Fernseher in diesem Jahr zu deutlich niedrigeren Preisen.

Lieber noch warten

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Das Label der 8K Association garantiert, dass ein 8K-Fernseher zukunftssichere Mindeststandards einhält.

(Foto: 8K Association)

Zwar ist noch nicht bekannt, was die auf der CES vorgestellten Geräte kosten werden. Aktuelle 8K-Fernseher findet man selbst mit kleinem 55-Zoll-Display kaum unter 3000 Euro. Vor einem Kauf sollte man die Spezifikationen genau überprüfen. Denn bei ihnen ist nicht gewährleistet, dass sie zukunftssicher sind. Erst die neuen Geräte tragen das Label 8KUltra HD der Consumer Technology Association, das Mindeststandards festlegt. Ähnliches gilt für das Label der 8K Association.

8K gehört die TV-Zukunft, das steht wohl außer Frage. Der Unterschied zu 4K ist allerdings bei Weitem nicht so deutlich zu sehen wie der Sprung von Full-HD zu 4K. Vor allem bei Größen unter 75 Zoll steht der Mehrwert in keinem Verhältnis zur Preisdifferenz. Wer bereits einen guten 4K-Fernseher hat, kann sich getrost zurücklehnen und die Entwicklung entspannt abwarten. Soll ein älteres Full-HD-Gerät ersetzt werden, gilt es abzuwägen, ob es nicht schlauer ist, erstmal in einen gut ausgestatteten Top-4K-Fernseher zu investieren, als auf den 8K-Zug aufzuspringen, der noch gar nicht richtig losgefahren ist. In den kommenden zwei, drei Jahren wird man kaum etwas vermissen und kann später ein ausgereiftes, günstigeres 8K-Gerät kaufen.

Quelle: ntv.de