Technik

Sonys Bestes hat viel zu bieten XZ2 Premium ist eine Wucht

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Das Xperia XZ2 Premium ist Sonys Spitzenmodell.

(Foto: jwa)

Das XZ2 Premium ist Sonys neues Top-Smartphone. Die starke Technik und das knackig scharfe Display stecken in einem schicken Gehäuse. Ein Highlight ist die Kamera. Es gibt aber auch gewichtige Gründe, die gegen das Premium-Handy sprechen.

Seit Jahren fährt Sony in seiner Smartphone-Sparte ein hohes Tempo, alle sechs Monate erscheint ein neues Top-Gerät. Dass sich die neuen Modelle von ihren jeweiligen Vorgängern oft nur in Details unterscheiden, scheint die Japanern nicht zu jucken. Kein Wunder also, dass Sony kurz vor Beginn der Berliner Technikmesse IFA, wo wahrscheinlich das Xperia XZ3 Premiere feiert, das XZ2 Premium auf den Markt bringt. n-tv.de hat sich die aufgemotzte Version des Frühjahrs-Flaggschiffs XZ2 angeschaut.

Technische Daten

  • System: Android 8.0
  • Display: 5,8 Zoll, LCD, 4K HDR, 3840 x 2160 Pixel
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 845
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Dual-Kamera: 19 MP RGB/ 12 MP Monochrom
  • Frontkamera: 13 MP
  • Akku: 3540 mAh
  • WLAN ac, Bluetooth 5.0, NFC
  • USB 3.1 Typ C
  • Dual-SIM
  • IP65/68
  • Stereo-Lautsprecher
  • Maße: 158 x 80 x 11,9 mm
  • Gewicht: 236 g

Die Vorstellung des XZ2 ging mit einer für Sony-Maßstäbe bahnbrechenden Veränderung einher: Das über Generationen hinweg gepflegte betont kantige Design wurde durch abgerundete Ecken und einen gewölbten Gehäuserücken aus glattem Glas ersetzt. In der konservativen Formensprache der Japaner kam das einer Revolution gleich. Das XZ2 Premium folgt nun exakt diesem "Ambient Flow"-Design. Vom Vorgänger unterscheidet es sich vor allem durch die Dual-Kamera und durch Größe und Gewicht.

Kompakt geht anders

Wo schon das XZ2 kein Leichtgewicht ist und mit seinem gewölbten Gehäuse zwar schick aussieht, aber eben auch ein bisschen klobig, legt das XZ2 Premium noch eine Schippe drauf. Das Smartphone ist mit seinem 5,8-Zoll-Display ein echter Klopper, und weil Sony hier aufs 16:9-Format setzt, ist das Gehäuse länger und breiter als bei 18:9-Smartphones mit vergleichbaren Display-Diagonalen. Außerdem wiegt es deutlich mehr.

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Auch wenn es nicht danach aussieht: Das Huawei P20 (oben) hat die gleiche Displaydiagonale wie das Xperia XZ2 Premium.

(Foto: jwa)

Zum Vergleich: Das Huawei P20 hat ebenfalls einen 5,8-Zoll-Bildschirm, ist aber jeweils rund 9 Millimeter kürzer und schmaler und nur 7,7 Millimeter dick, während es das XZ2 Premium an seiner dicksten Stelle auf stolze 11,9 Millimeter bringt. Laut Datenblatt wiegt es zudem 236 Gramm - das P20 ist mit 165 Gramm erheblich leichter. Diese Unterschiede sieht und fühlt man deutlich: Legt man beide Geräte nebeneinander, bekommt man den Eindruck, dass beide in zwei völlig unterschiedliche Kategorien gehören, obwohl sie technisch in einer Liga spielen.

Die Dual-Kamera bringt's

Die wichtigste und zugleich die einzige wirklich relevante Neuerung beim XZ2 Premium im Vergleich zum Vorgänger ist die Dual-Kamera. Endlich setzt auch Sony auf die Kraft der zwei Linsen. Es verzichtet aber auf zwei verschiedene Brennweiten und verbaut stattdessen neben dem 19-Megapixel-Farbsensor einen zweiten Monochrom-Sensor mit einer Auflösung von 12 Megapixeln. Der zweite Sensor soll vor allem dabei helfen, bei Porträts und Nahaufnahmen einen schönen Unschärfeeffekt zu bekommen. In Situationen mit wenig Licht soll er zudem für rauscharme und trotzdem detailreiche Fotos sorgen.

In der Vergangenheit konnte Sony die hohen Erwartungen an seine Smartphone-Kameras nicht immer erfüllen, was vor allem an schlecht abgestimmter Software und einer umständlich aufgebauten Kamera-App lag. Auch in die Kamera-App des XZ2 Premium muss man sich erst einmal etwas hineinfuchsen, weil Funktionen und Optionen über mehrere Softwaretasten verteilt oder versteckt sind. Verwirrung erzeugt zum Beispiel die Taste, mit der man die Dual-Kamera einschaltet: Im Modus "Intelligente Automatik" hat man die Wahl zwischen Bokeh-Effekt und Monochrom, im manuellen Modus aktiviert man mit der gleichen Taste die "Extrem hohe Empfindlichkeit" für Situationen mit wenig Licht - dann sind ISO-Werte bis zu 52.000 drin. Das Bildergebnis ist dann aber so stark verrauscht, dass man es eigentlich gleich lassen kann.

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Die Dual-Kamera des XZ2 Premium ist Sony gut gelungen.

(Foto: jwa)

Immerhin: Die Testfotos sehen dieses Mal richtig gut aus, offenbar hat es Sony endlich geschafft, die Kamerasoftware richtig abzustimmen. Fotos im Bokeh-Modus haben einen scharfen Vordergrund und einen präzise berechneten Unschärfebereich. Aufnahmen im Automatikmodus sind auch bei weniger Licht gestochen scharf und haben viele Details, während die unscharfen Bereiche außerhalb der Fokusebene gleichmäßig glatt sind. Hier ist zwar immer noch ein leichtes Rauschen zu sehen, und Kameras wie die des Huawei P20 glätten deutlich stärker und erzeugen kontrastreichere Bilder. Doch weil das XZ2 Premium dezenter nachbearbeitet, bleiben mehr Details erhalten. Das lässt mehr Spielraum für die eigene Bildbearbeitung.

Insgesamt macht die Kamera einen sehr guten Eindruck, sie geht locker als Sonys bisher beste Smartphone-Knipse durch. Einziges Manko: Die Wartezeit, bis man sich ein fertiges Foto ansehen kann, ist zu lang, gleiches gilt für den Wechsel zwischen den Modi. Und bei Aufnahmen im hohen ISO-Bereich bietet das Sucherbild keine Echtzeitvorschau - das ganze verrauschte Ergebnis sieht man erst nach dem Auslösen.

Fast alles richtig gemacht

Damit hat das XZ2 Premium den wichtigsten Test bestanden, denn technisch ist es so stark ausgestattet, dass nichts schiefgehen kann. Qualcomms Snapdragon 845, 6 Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte Festspeicher bilden das Grundgerüst. Dazu kommt ein ausdauernder Akku mit 3540 Milliamperestunden, ein wasserdichtes Gehäuse, Stereolautsprecher und High-Res-Audio-Wiedergabe. Das Display ist mit seiner 4K-Auflösung gestochen scharf, sehr hell und es unterstützt die Darstellung von HDR-Inhalten - das hat außer Sony so sonst keiner zu bieten. Auch sonst ist das aktuelle Premium-Modell der Japaner top ausgestattet - alles andere wäre für den Preis von rund 900 Euro aber auch ein No Go.

Mit dem XZ2 Premium macht Sony also technisch alles richtig und die Kamera kann nach einer Reihe von Testaufnahmen wirklich überzeugen. Problematisch bleiben aber Größe und Gewicht: Ein Smartphone, das über 230 Gramm wiegt und damit nicht nur viel schwerer, sondern auch deutlich größer, breiter und dicker ist als fast alle direkten Konkurrenten, lässt sich nur schwer verkaufen. Zumal das XZ2 Premium kein echtes Alleinstellungsmerkmal hat, das als unschlagbares Kaufargument herhalten könnte. Sonys Premium-Modell ist technisch sehr gut, aber eben nicht einzigartig. Und mit dem XZ3 in den Startlöchern gibt es selbst für Sony-Fans eigentlich kaum einen Grund, hier jetzt zuzuschlagen. Einzig die Dual-Kamera spricht fürs Premium-Modell: Letzten Gerüchten zufolge stattet Sony das XZ3 mit nur einer Hauptkamera aus. 

Quelle: n-tv.de

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