Wirtschaft

Deutsche Bank will Kapitel beenden 775 Millionen für Kirchs Erben

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Leo Kirch gehörte zu Deutschlands mächtigsten Managern. Seiner Meinung nach sorgte ein Interview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer für den Zusammenbruch seines Medienimperiums. Kirch ist mittlerweile tot.

(Foto: REUTERS)

Jahrelang streiten Leo Kirch und die Deutsche Bank über die Pleite des einstigen Medienimperiums und die Rolle des Ex-Bank-Chefs Rolf Breuer. Kirch ist mittlerweile tot. Seine Erben einigen sich nun offenbar mit Deutschlands größtem Finanzinstitut auf die Zahlung einer hohen Millionensumme.

Die Deutsche Bank zieht Verhandlungskreisen zufolge einen teuren Schlussstrich unter ihren zehnjährigen Rechtsstreit mit . Voraussichtlich gut 775 Millionen Euro werde Deutschlands größtes Geldhaus in einem Vergleich an die Familie des 2011 verstorbenen Medienunternehmers zahlen, verlautete aus Verhandlungskreisen. Im Gegenzug würden alle juristischen Streitigkeiten beendet.

Noch sind zwar nicht alle Unterschriften unter den Verträgen. Doch die Verständigung lässt auf einen Sinneswandel der Bank wenige Monate vor dem Ende der Amtszeit von Vorstandschef Josef Ackermann schließen. Bislang hat der Schweizer jeden Vergleich mit Kirchs Familie abgelehnt, die das Institut für den Zusammenbruch des Medienimperiums verantwortlich macht. Auslöser des Streits war ein Fernsehinterview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer vor zehn Jahren, in dem er Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit geweckt hatte.  

Im ersten Quartal dürfte der Bank nach einem solchen Vergleich kein großer Nettogewinn mehr bleiben, sagen Experten. Bereits im vergangenen Jahr haben Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten vor allem in den USA das Ergebnis verhagelt. Darunter waren aber keine Kirch-Lasten, wie ein Sprecher klarstellte. Weder das Geldhaus noch ein Kirch-Vertreter äußerten sich zu den neuen Informationen.

Auf den Vergleich haben sich den Kreisen zufolge Vertreter des Instituts und Anwälte der Kirch-Erben nach langen Gesprächen geeinigt. "Der Vorstand der Deutschen Bank muss noch zustimmen", hieß es. "Das ist noch nicht komplett in trockenen Tüchern." Mehrere Anläufe zur Einigung sind in den vergangenen Jahren gescheitert, obwohl die Verhandlungen weit fortgeschritten waren. Der zuständige Richter am Oberlandesgericht München, Guido Kotschy, hatte zuletzt vor einem Jahr einen Vergleich über 775 Millionen Euro vorgeschlagen. Er äußerte wiederholt Zweifel an der Sichtweise beider Seiten.

Unendliche Geschichte      

Seit Jahren streiten sich Dax-Unternehmen und Kirch-Vertreter vor Gericht. In Bankkreisen ist von mehr als drei Dutzend Verfahren die Rede, die das Institut bisher einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hat. Leo Kirch ist tot forderte mehrere Milliarden Euro an Schadenersatz von der Bank. Angefangen hat alles mit Breuers Interview im Februar 2002. "Was man alles lesen und hören kann ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", sagte er damals. Anschließend drehten die Banken dem Unternehmer aus Kirchs Sicht den Geldhahn zu.         

"Erschossen hat mich der Rolf", sagte Kirch einst. Nach der Pleite seines Konzerns kam der gläubige Katholik zu dem Schluss: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen." Breuer bezeichnete seine Interview-Aussagen zuletzt als "Unfall" und bereute sie, beharrte aber stets auf der Sichtweise, dass Kirchs Imperium durch unternehmerische Fehlentscheidungen und hohen Schulden zusammengebrochen sei.  

Seinen letzten größeren öffentlichen Auftritt hatte der Medienunternehmer vor einem Jahr, als er im Rollstuhl vor Gericht in München seinem Erzfeind Breuer begegnete. Die beiden würdigten sich keines Blickes, obwohl sie nur zwei Meter voneinander entfernt saßen. Nach Kirchs Tod hat die Familie den Kampf gegen das Geldhaus fortgesetzt. Vor Gericht haben beide Parteien immer wieder Siege errungen und Niederlagen eingesteckt. Ende 2011 geriet plötzlich auch Ackermann persönlich ins Visier der Behörden: Ihm wird im Zusammenhang mit seinen Aussagen im Kirch-Verfahren Prozessbetrug vorgeworfen. Vorstandsbüros wurden durchsucht. Die Deutsche Bank weist die Vorwürfe zurück.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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