Wirtschaft

Neuer Rückschlag für die Telekom AT&T zieht Kaufantrag zurück

Anhörung in Washington: Im Mai reiste René Obermann persönlich an, um Bedenken gegen den Verkauf auszuräumen.

Anhörung in Washington: Im Mai war René Obermann persönlich angereist, um Bedenken gegen den Verkauf auszuräumen.

(Foto: REUTERS)

Die Deutsche Telekom und AT&T wollen den umstrittenen Verkauf des schwächelnden Telekom-US-Mobilfunkgeschäfts mit einem taktischen Rückzug retten. AT&T will sich nun zuerst um die Bedenken der Kartellwächter in Washington kümmern. Danach erst soll ein neuer Antrag bei der Branchenaufsicht folgen.

Die US-Telefongesellschaft AT&T hat unter dem Druck anhaltender Widerstände ihren Antrag auf eine Übernahme der Telekom-Tochter T-Mobile USA zurückgezogen. Mit diesem Schritt wolle sich das Unternehmen zunächst um die Zustimmung des US-Justizministeriums bemühen und sich erst dann an die Regulierungsbehörde FCC wenden, teilte AT&T am Firmensitz in Dallas mit. Auf lange Sicht halten sowohl AT&T als auch Telekom an dem geplanten Deal fest.

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Ungünstig abgelichtet: AT&T-Chef Randall Stephenson, hier bei der Ankündigung des 39-Mrd-Dollar-Kaufs im Frühjahr.

(Foto: REUTERS)

Die Partner kündigten an, sie wollten sich zunächst auf das vom US-Justizministerium angestrengte kartellrechtliche Gerichtsverfahren konzentrieren. Der Prozessbeginn ist für den 13. Februar angesetzt. Sowohl die Federal Communications Commission (FCC) als auch das Ministerium haben schwere Bedenken gegen den Deal, weil AT&T ohnehin bereits eine starke Position im US-Markt hat.

Es gehe darum Kräfte zu bündeln und die fortlaufenden Anstrengungen darauf zu konzentrieren, begründeten beide Unternehmen den Schritt. Ein Telekom-Sprecher sagte, bei der Federal Communications Commission (FCC) solle "zu gegebener Zeit" ein neuer Genehmigungsantrag gestellt werden.     

Der im März angekündigte 39-Mrd-Dollar-Deal (rund 28 Mrd. Euro) war in den USA auf anhaltende Zweifel gestoßen. Die FCC bezweifelt die Angaben von AT&T, wonach eine Übernahme von T-Mobile USA die mobile Datennutzung in den USA und die ländliche Infrastruktur verbessern würde. Außerdem hatte der Kaufinteressent angegeben, die Übernahme werde zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Vor diesem Hintergrund hatte die FCC am Dienstag eine strengere Prüfung des Vorhabens angeordnet.

Mit der angekündigten strengeren Prüfung durch die FCC hätte sich ein Abschluss der Transaktion ohnehin zumindest weitere Monate in die Länge gezogen. Denn die Anhörung bei der FCC, die überprüft, ob der Deal im öffentlichen Interesse ist, hätte erst nach dem kartellrechtlichen Verfahren mit der US-Regierung stattgefunden.

Die härtere der beiden Nüsse

Das US-Justizministerium wiederum hat Bedenken angemeldet, dass der Wettbewerb beeinträchtigt werde, wenn die Zahl der großen Mobilfunkanbieter in den USA von vier auf drei verringert werde. Die Beamten in Washington hatten daher im August Klage gegen die Fusion der Nummer zwei und vier auf dem US-Mobilfunkmarkt eingereicht. Die Transaktion berge die Gefahr, dass Millionen Bürger im ganzen Land weniger Auswahl hätten, lautete die Befürchtung. Die Bürger müssten dann womöglich höhere Mobilfunk-Preise zahlen, hatte die US-Regierung die Klage begründet.

Die Telekom und AT&T wollen nun zu gegebener Zeit bei der FCC einen neuen Antrag zur Genehmigung ihres Vorhabens stellen. Wann das sein soll, ließen beide Unternehmen allerdings offen. Sprecher der beiden Konzerne zeigten sich zuversichtlich, die Transaktion durchzubringen. "Wir arbeiten weiter daran, die Genehmigung zu erhalten", sagte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage. "Auf ein Scheitern bereiten wir uns nicht vor."

AT&T kündigte zudem Rückstellungen in Höhe von 4 Mrd. Dollar im vierten Quartal an. Damit will der US-Konzern Vorsorge für den Fall treffen, dass die Transaktion platzt und die Telekom in den Genuss von milliardenschweren Ausgleichszahlungen kommt. Bei den Rückstellungen für Entschädigungszahlungen handelt es sich um 3 Mrd. Dollar in bar und 1 Mrd. Dollar, die als Gegenwert in Form von Mobilfunkfrequenzen zu begleichen wären. Die Rückstellungen wegen des ungewissen Ausgangs der Transaktion gehen im vierten Quartal als Belastungen in die AT&T-Bilanz ein.

In den möglichen Entschädigungszahlungen sahen Analysten das einzig Positive für die Telekom an dem taktischen Schritt. Es verringere sich das Risiko, dass die Transaktion platze und die Telekom danach mit komplett leeren Händen dastehe, kommentierte Lawrence Sugarman von der RBS. Insgesamt sind Analysten jetzt deutlich skeptischer, dass die Transaktion noch in trockene Tücher gebracht werden kann. Adrian Pehl vom Brokerhaus Equinet hatte die Wahrscheinlich für einen Erfolg zuletzt noch bei 20 Prozent gesehen. "Nun fällt die Wahrscheinlichkeit voraussichtlich weiter auf 5 Prozent," so seine pessimistische Einschätzung.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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