Wirtschaft

Absatz sinkt, Aktienkurs steigt Abgasskandal hinterlässt Spuren bei VW

VW verkauft weniger Autos. Die neuen Zahlen scheinen ein erster Hinweis auf eine bevorstehende schwierige Zeit. Autoexperte Becker prognostiziert einen "Einbruch" in den kommenden Monaten - auch, weil immer neue Details des Abgasskandals bekannt werden.

Der Volkswagen-Konzern bekommt weiter Feuer. So muss der Konzern mitten in der Aufarbeitung des Abgasskandals Absatzrückgänge hinnehmen. Gleichzeitig weitet sich die Affäre weiter aus. "Das ist erst der Beginn der Fahnenstange", sagt n-tv-de-Autoexperte Helmut Becker. Positives gibt es dagegen vom Aktienmarkt zu vermelden: Der Kurs der VW-Papiere legt zu. Allerdings ziehen in einem positiven Marktumfeld die Notierungen der Konkurrenten deutlicher an.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 179,92

Die Auslieferungen des Marktführers in der EU sanken im Oktober gegen den Trend. Das Minus des Konzerns lag bei 0,5 Prozent auf knapp 277.000 Fahrzeuge, wie der Branchenverband Acea mitteilte.  Zwischen Bestellung und Auslieferung der Autos liegen aber meist mehrere Wochen oder sogar Monate. Deswegen könnte sich der Skandal um manipulierte Abgastests, der Mitte September bekannt wurde, in den kommenden Monaten stärker auf die Auslieferungen niederschlagen. 

Im einzelnen ging der Absatz der Konzern-Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat im Oktober in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Prozent zurück. Die spanische Tochter Seat verzeichnete ein Minus von 11,4 Prozent, Skoda lag bei minus 2,6 Prozent. Dagegen gab es für Audi einen Zuwachs von 4,1 Prozent, für Porsche ein Plus von 13,9 Prozent.

Die Uhr tickt

VW selbst hatte bereits am vergangenen Freitag Absatzzahlen vorgelegt. Demnach wurden im Oktober weltweit 5,3 Prozent weniger Wagen der Kernmarke VW verkauft als ein Jahr zuvor. "In Westeuropa wirkten sich die in einigen Ländern ausgesprochenen, vorübergehenden Verkaufsstopps für von der Dieselthematik betroffene Fahrzeuge in den Verkäufen aus", hatte VW-Markenvorstand Jürgen Stackmann gesagt. Bei allen Konzernmarken betrug das Minus 1,7 Prozent auf knapp 8,26 Millionen Fahrzeuge.

Im Abgasskandal selbst wollen sich VW-Konzernmanager Ende dieser Woche in den USA mit Vertretern der US-Umweltbehörden Epa treffen. Dort sollen Vorschläge vorgestellt werden, wie die Abgasmanipulationen behoben werden können. In Konzernkreisen wurden entsprechende Medienberichte bestätigt. Mit dabei sei unter anderem der Chef der VW-Motorenentwicklung, Friedrich Eichler.

In den USA sind von den Abgas-Manipulationen rund 500.000 Diesel-Autos aus dem VW-Konzern betroffen. Mitte September hatte die US-Umweltbehörde Epa mitgeteilt, VW habe eine Software eingesetzt, um Test-Messungen beim Ausstoß des gesundheitsschädlichen Stickoxids zu manipulieren. Dies hatte den Skandal ausgelöst. Die kalifornische Umweltbehörde CARB hatte Volkswagen eine Frist bis Freitag gesetzt, um einen Plan zu präsentieren, wie die Manipulationen beendet werden sollen.

CO2-Skandal: Mehr Motoren betroffen

Ein Ende des Skandals um manipulierte Abgaswerte ist derzeit nicht abzusehen. Bei weiteren Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass womöglich mehr Benziner von falschen CO2-Angaben betroffen seien als anfangs angegeben, sagte ein VW-Sprecher. Aus der VW-Übersicht "kritischer CO2-Fahrzeuge" des Modelljahres 2016 geht hervor, dass insgesamt 24 Fahrzeugmodelle mit Benzinmotor betroffen sind. Bisher war nur die Rede von einem besonders sparsamen Benzinmotor mit Zylinderabschaltung, dessen CO2-Werte geschönt sind.

Volkswagen hatte Anfang November mitgeteilt, dass bei rund 800.000 Fahrzeugen falsche Kohlendioxid-Werte angegeben und damit zu niedrige Verbrauchswerte versprochen wurden. Dabei hatte es geheißen, betroffen seien überwiegend Diesel-Fahrzeuge.

Nun stellte sich heraus, dass auch die CO2-Werte des 1,0-Liter-TSI-Motors mit 95 PS im Seat Ibiza und im VW Polo betroffen sind . Auch der 1,0-Liter-Benziner mit 115 PS im Seat Leon und der 1,4-Liter-Motor im VW Jetta (125 PS) stehen im Verdacht geschönter Angaben. Messungen des Kraftfahrt-Bundesamtes sollen nun klären, ob die CO2-Werte tatsächlich höher sind. An der genannten Gesamtzahl von rund 800.000 betroffenen Fahrzeuge ändere sich damit aber nichts, betonte der Sprecher. Er begründete dies damit, dass bei den internen Untersuchungen andere Fahrzeuge herausgefallen seien.

Becker: "Dilettantische" Kommunikation

"In der Tat ist das erst der Beginn der Fahnenstange", sagt Autoexperte Becker. "Wie jetzt VW bekannt gegeben hat, sind ja sehr viele CO2-manipulierte Modelle noch beim Handel auf Lager, die sind jetzt weitgehend unverkäuflich oder nur mit hohen Rabatten in den Markt zu bringen." Er unterstreicht: "Die VW Zulassungen werden in den nächsten Monaten deutlich einbrechen!"

Becker kritisiert zudem die "Krisenbewältigungspolitik" des Konzerns. Diese strotze vor "Dilettantismus" des Vorstands und des Aufsichtsrats und setzt "negative Benchmarks für die Kommunikationslehrbücher".

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts/DJ

Mehr zum Thema