Wirtschaft

Duell in Wembley Adidas trifft auf Puma

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Der Münchner Thomas Müller und Marcel Schmelzer aus Dortmund im Kampf um den Ball.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für viele ist es das Spiel des Jahres: Bayern München gegen Borussia Dortmund. Doch in Wembley treten nicht nur zwei deutsche Teams gegeneinander an. Auch bei den Sponsoren gibt es ein deutsches Aufeinandertreffen: Adidas gegen Puma.

Wenn im Champions-League-Finale der FC Bayern München und Borussia Dortmund aufeinandertreffen, ist das nicht das einzige Duell zweier deutscher Rivalen im Londoner Wembley-Stadion. Mit den beiden Clubs stehen als Ausrüster Adidas und Puma auf dem Spielfeld: Im milliardenschweren Geschäft mit Schuhen, Trikots, Schals und anderen Artikeln liefern sich die aus verfeindeten Zweigen derselben Familie hervorgegangenen Hersteller einen nicht minder harten Kampf. Wer am Samstagabend vor Hunderten Millionen Fernsehzuschauern den Sieger auf seiner Seite hat, kann sich in dessen Glanz sonnen – und mit zusätzlichen Verkaufsumsätzen rechnen.

Während der deutsche Platzhirsch Adidas seit fast 50 Jahren von den Triumphen der weltweit bekannten Bayern profitiert, will sich der krisengeschüttelte Konkurrent Puma wieder einen vorderen Platz im lange vernachlässigten Fußballgeschäft erobern. Zur laufenden Saison nahm die Marke mit der Raubkatze dem Weltmarktführer Nike den Ausrüstervertrag mit den Dortmundern ab. Die deutsche Tochter des französischen Luxusgüterkonzerns PPR hatte lange Zeit vor allem auf sportliche Lifestyle-Kleidung gesetzt und kämpft mittlerweile mit Gewinneinbrüchen.

Um Rang drei in der Branche gegen aufstrebende Konkurrenten vor allem aus Asien zu verteidigen, braucht Puma dringend Erfolge. Vorgemacht hat es ihnen ihr Partnerclub, der sich gegen die erfolgsverwöhnten Bayern nach oben kämpfte. "Ich wäre sehr froh, wenn wir diesem Vorbild folgen könnten", sagte Puma-Vertriebsvorstand Stefano Caroti. Die Dortmunder, die vor weniger als zehn Jahren knapp an der Insolvenz vorbeischrammten, kamen finanziell wieder auf die Beine und schreiben solide Gewinne. Seit Jahresbeginn hat der Kurs der BVB-Aktie um 15 Prozent auf 3,10 Euro zugelegt. 2011 wurden die Borussen erstmals seit neun Jahren wieder deutscher Meister und verteidigten den Titel 2012.

Nachdem sie die Meisterschale in diesem Jahr an den Münchner Rivalen abgeben mussten, ist der Einzug ins Champions-League-Finale bereits ein großer Erfolg für den Verein und seinen Partner: "Die Aufmerksamkeit, die wir vor allem an diesem Wochenende erreichen, macht diesen Club nicht nur zu einem lokalen Wert, sondern lässt sich weltweit vermarkten", sagte Caroti. Vor dem Endspiel hat Puma bereits mehr als 300.000 Borussia-Trikots verkauft und verbucht Caroti zufolge reges Interesse auch von Einzelhändlern in Großbritannien, Japan und sogar Malaysia. "Die Nachfrage hat das Angebot übertroffen."

Um wieder fit zu werden, setzt Puma nun verstärkt auf das Geschäft mit Schuhen, Kleidung und Zubehör für den Mannschaftssport, darunter vor allem Fußball. "Wir wollen im Mannschaftssport überproportional wachsen. Unser langfristiges Ziel ist es, Mannschaftssport zu einem Milliardengeschäft zu machen", sagte Caroti. Derzeit erwirtschafte der Konzern "deutlich mehr als zehn Prozent" seiner Umsätze mit Fußballartikeln. Der Konzern hat im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Euro erlöst. Anfang Juli soll ein ehemaliger Profifußballer den vakanten Chefposten bei Puma übernehmen: Das Unternehmen, wie Adidas im fränkischen Herzogenaurach ansässig, holt den Norweger Björn Gulden vom dänischen Modeschmuckhersteller Pandora. Der ehemalige Spieler des 1. FC Nürnberg tritt die Nachfolge von Franz Koch an, der auf Druck des Hauptaktionärs PPR gehen musste.

Quelle: ntv.de, jga/rts