Wirtschaft

Analysten fürchten Schocks von außen Agenturen stufen Slowenien ab

RTR2OX6D.jpg

Die nächste große Baustelle?

(Foto: REUTERS)

Mit sicherem Griff legen die Beobachter von Moody's und S&P den Finger in die nächste wunde Stelle der Eurozone: Die Analysten sehen den Bankensektor in Slowenien mit Sorge und zweifeln nun an der Widerstandskraft des ganzes Landes.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar ,98

Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) haben Slowenien heruntergestuft. Die Bonitätswächter von Moody's senkten das Rating von bisher "A2" auf die Note "Baa2". Damit wird das Euro-Land nur noch zwei Stufen über dem sogenannten Ramschstatus eingestuft. Ab der Einstufung "Ba1" werden Anleihen im Bewertungsschema von Moody's nicht mehr als Investment empfohlen, sondern gelten als spekulative Anlage.

Weitere Abstufungen sind möglich, da die Agentur den Ausblick auf "Negativ" beließ. Die Moody's-Analysten begründete die schlechtere Bewertung mit Sorgen über das schwache Bankensystem des Landes sowie eine gestiegene Anfälligkeit für externe Schocks.

S&P senkte die Bewertung laut Mitteilung um lediglich eine Stufe von "A+" auf "A". Zudem setzten die S&P-Experten den Ausblick für die Kreditbewertung von Slowenien auf "negativ". Die Agentur begründete die negative Bewertung mit politischer Unsicherheit in dem Land.

Seit September haben alle großen Ratingagenturen die Bonität des Euro-Landes mehrfach wegen schleppender Reformen, dem steigenden Haushaltsdefizit und Risiken im Bankensektor herabgestuft.

Leicht getrübte Erfolgsstory

Das kleine Land südlich der Alpen gehört seit 2007 zur Eurozone. Wegen einiger Besonderheiten in der Wirtschaftsstruktur wurde Slowenien von der Finanzkrise besonders hart getroffen.

In einem Länderporträt des deutschen Auswärtigen Amtes heißt es, Slowenien habe zum Herbst 2008 ein langjähriges, kräftiges Wirtschaftswachstum verzeichnet. "Dank hochwertiger Produkte konnte das Land den Wegfall seiner traditionellen Märkte auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien verkraften und von der internationalen Arbeitsteilung profitieren."

Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe in dem aufstrebenden Euro-Staat ab 2009 jedoch auch "einige Strukturschwächen" und eine "hohe Abhängigkeit vom Export" offen gelegt. Der Exporteinbruch sein ein Hauptgrund dafür, dass die Wirtschaft im Jahr 2009 um 8,0 Prozent schrumpfte.

Die Wirtschaft des Landes ist eng mit der Bankenlandschaft in verbunden. Mittelfristig kämen daher wohl auch Auswirkungen auf die Bonitätseinstufung der Alpenrepublik nicht überraschend.

Die aktuelle Herabstufung durch Moody's erschwert dem Land den Zugang zu günstigen Krediten am Kapitalmarkt. Da Slowenien fester Bestandteil der Währungsgemeinschaft ist, müssten die Rating-Analysten eigentlich davon ausgehen, dass die Eurozone dem Land selbst im Fall größerer Schwierigkeiten - ähnlich wie zuvor Griechenland, Irland und Portugal - tragbare Refinanzierungsmöglichkeiten offenhält.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen