Wirtschaft

Mursi in Schwierigkeiten Ägyptens Pfund auf Talfahrt

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In Kairo befestigt eine Frau ein Papier mit den aktuellen Kursen an den Eingang einer Wechselstube.

(Foto: AP)

Die regierenden Islamisten in Ägypten haben mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Präsident Mursi bemüht sich, gelassen zu wirken. Doch der Absturz der Währung dürfte ihm ernsthafte Sorgen bereiten.

Das ägyptische Pfund befindet sich im freien Fall. Die Auswirkungen sind insbesondere für die einfachen Leute in dem nordafrikanischen Land zu spüren, die sich kaum noch die notwendigsten Lebensmittel leisten können. "Die Menschen sind verzweifelt", sagte Sherif Abuseid von der Handelsgesellschaft Global Counter and Trade Offset. "Sie wissen kaum noch, wie sie ihre Familien versorgen sollen."

Sowohl die ägyptische Regierung als auch die Zentralbank versuchen, die Talfahrt der Landeswährung aufzuhalten. Während Präsident Mursi bemüht ist, das Pfund starkzureden, verkauft die Notenbank Dollar. Doch damit wird der Wertverlust bestenfalls gebremst, aufgehalten wird er nicht.

In der Spitze mussten am Donnerstag schon 6,421 Pfund für einen Dollar bezahlt werden. Am Vortag waren es noch um 6,39 Pfund. Allein in dieser Woche hat das Pfund mehr als drei Prozent an Wert eingebüßt. Die Talfahrt hatte sich beschleunigt, als die Notenbank angesichts von schrumpfenden Devisenreserven Kapitalkontrollen eingeführt hatte.

Die Notenbank hofft, damit die stark gestiegene Nachfrage nach Devisen besser kontrollieren zu können. Dies ist nötig, da die für Benzin- und Lebensmittelimporte wichtigen Währungsreserven knapp werden. Die Zentralbank hat seit Beginn des Aufstandes gegen Husni Mubarak vor knapp zwei Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar zur Stützung des ägyptischen Pfundes eingesetzt. Im November lagen die Währungsreserven bei rund 15 Milliarden Dollar und damit 60 Prozent tiefer als im Februar 2011.

Nahrungsmittel werden teurer

Aussagen von Regierungsvertretern, wonach sich die wirtschaftliche Lage bald bessern werde, halfen dem Pfund wenig. Wer es sich leisten kann, versucht offenbar weiter Dollar zu kaufen. Das Vertrauen in die Währung und die Wirtschaft des Landes sei stark erschüttert, betonen Analysten. Doch Präsident Mohammed Mursi gibt sich gelassen: "Das macht uns keine Sorgen und jagt uns keine Angst ein, binnen weniger Tage wird es sich wieder stabilisiert haben."

Doch das krisengeplagte Land steht vor immensen Problemen, weil Importe von subventionierten Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Tee und Zucker immer teurer werden. Mögliche Preiserhöhungen für Nahrungsmittel oder aber auch für Kochgas und Benzin könnten wie sozialer Sprengstoff wirken und neue Proteste in einem Land auslösen, in dem vier von zehn Ägyptern umgerechnet von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen. Sie sind auf staatlich subventionierte Lebensmittel angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Dazu kommt, dass der Internationale Währungsfonds einen dringend benötigten Kredit in Höhe von 4,8 Mrd. Dollar zurückhält. Besonders schwierig dürfte es für Mursi werden, Steuern zu erhöhen und die beliebten Kraftstoff-Subventionen abzuschaffen. Einen Vorgeschmack auf die Probleme, vor denen er stehen könnte, bekam er bereits kurz vor dem Referendum. Damals musste er höhere Mehrwertsteuern auf Alkohol, Zigaretten oder auch Handygespräche, nach massiver Kritik aus den Medien und von Gegnern wieder zurücknehmen. Daraufhin setzt der IWF die Verhandlungen über den Milliardenkredit aus.

Die aktuelle Krise hat verschiedene Ursachen. Eine davon ist der Mangel an politischer Stabilität, der abschreckend auf Investoren wirkt. Auch der Tourismus, die Haupteinnahmequelle des Landes, erlitt deutliche Einbußen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit Ägyptens kürzlich auf B- heruntergestuft. Das ist die gleiche Kategorie, in der sie momentan Griechenland führt.

Die politischen Unruhen im Zusammenhang mit dem Referendum über eine neue Verfassung, die Ungewissheit über die politische und wirtschaftliche Zukunft des Landes sorgen dafür, dass viele Ägypter weiterhin ihr Geld in Devisen tauschen. Der Verfall des ägyptischen Pfundes dürfte deshalb vorerst kein Ende finden.

Quelle: ntv.de, jga/dpa/rts/AFP

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