Wirtschaft

Solon und Solar Millennium Altlasten im Vordergrund

Conergy und Q-Cells machen es vor, SMA Solar und Roth & Rau ziehen nach, aber Solon schafft die Wende nicht. Statt Gewinn meldet der Solarmodulhersteller wieder Verlust. Verantwortlich dafür: "die ein oder andere Altlast". Die schlägt auch bei Solar Millennium aufs Gemüt: Der Zwischenberichts ist verschoben.

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Verantwortlich für den Nettoverlust sei "die ein oder andere Altlast", so der Vorstand. Ohne das nötige Geld im Rücken habe Solon das margenstarke Geschäft mit Solarkraftwerken nicht stemmen können.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der krisengeschüttelte Solarmodulhersteller Solon schreibt trotz des Booms in der Photovoltaik-Branche unter dem Strich weiter rote Zahlen. Im zweiten Quartal habe die Firma wegen Finanzierungsproblemen auf Geschäfte verzichten müssen und deshalb einen Verlust von 1,4 Mio. Euro eingefahren, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten dagegen mit einem Gewinn von 1,5 Mio. gerechnet. Die Solon-Aktie verlor knapp zwei Prozent.

Verantwortlich für den Nettoverlust sei "die ein oder andere Altlast", sagte Firmenchef Stefan Säuberlich. Ohne das nötige Geld im Rücken habe Solon das margenstarke Geschäft mit Solarkraftwerken nicht stemmen können. "Im ersten Halbjahr haben wir beinahe vollständig auf das Systemgeschäft verzichten müssen", erklärte der Firmenchef. Im Juni einigte sich Solon dann mit den Banken nach der Zusicherung einer Staatsbürgschaft auf einen neuen Kreditrahmen. Ein Konsortialkredit unter Führung der Deutschen Bank sichert dem Unternehmen bis Ende kommenden Jahres 275 Mio. Euro. Zudem beschaffte sich Solon über eine Kapitalerhöhung 20 Mio. Euro. In der Folge könne die Firma das Projektgeschäft nun wieder vorantreiben, sagte Säuberlich. Für 2010 stellte er einen Umsatz von 500 Mio. Euro nach 354 Mio. Euro im Vorjahr an und ein ausgeglichenes operatives Ergebnis in Aussicht nach einem Verlust von 199 Mio. Euro.

Im zweiten Quartal schrieb Solon nach fünf verlustreichen Quartalen operativ erstmals wieder schwarze Zahlen. Die Berliner Firma verdiente vor Zinsen und Steuern (Ebit) 4,3 Mio. Euro nach einem Verlust von 32 Mio. vor Jahresfrist. Der Umsatz verdoppelte sich auf 155 Mio. Euro.

Solar Millennium braucht noch Zeit

Der wegen vermeintlicher Bilanzierungstricks in die Schlagzeilen geratene Solarkraftwerksbauer Solar Millennium hat nach einer Sonderprüfung die Veröffentlichung seines Zwischenberichts indes verschoben. Das ursprünglich für diesen Donnerstag geplante Zahlenwerk für die ersten acht Monate des bis Ende Oktober laufenden Geschäftsjahres soll nun spätestens am 13. September vorliegen, teilte das Unternehmen mit. Ein Grund sei der Wechsel des Wirtschaftsprüfers, woraus sich ein höherer Prüfungsbedarf ergebe. Zudem müssten Ergebnisse einer Sonderprüfung aus dem Frühjahr in den Zwischenabschluss eingearbeitet werden.

Solar Millennium hatte im März die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit der Sonderprüfung beauftragt, weil immer wieder Vorwürfe an der Bilanzierungspraxis aufgetaucht waren. Zweifel an der Substanz des Unternehmens waren gewachsen, nachdem Vorstandschef Utz Claassen nach nur zweieinhalb Monaten als Vorstandsvorsitzender Mitte März völlig überraschend zurückgetreten war. Der frühere EnBW-Chef hatte, nachdem er zunächst keine Gründe für seinen Abschied genannt hatte, später unsauberes Geschäftsgebaren bei Solar Millennium angedeutet.

Hochkomplexe Bilanzierung

Die Experten von Deloitte attestierten dem Unternehmen dessen Angaben zufolge nach der Sonderprüfung der Abschlüsse aus den vergangenen fünf Jahren, die internationale Rechnungslegungsstandards mit Ausnahme eines einzigen Falles korrekt angewendet zu haben. Die Ausnahme betrifft das Solar-Kraftwerksprojekt Andasol 3 in Spanien. Die Veräußerung von Anteilen hätte laut Prüfungsergebnis nicht im Geschäftsjahr 2005/2006, sondern erst drei Jahre später verbucht werden dürfen. Diese Änderungen sollen im nun anstehenden Zwischenbericht auftauchen.

Die Bilanzierung des Geschäfts von Solar Millennium ist hochkomplex. Das fränkische Unternehmen, das an der Wüstenstrominitiative der deutschen Wirtschaft beteiligt ist, deckt von der Projektentwicklung und -finanzierung über den Kraftwerksbau bis hin zum Besitz und Betrieb solarthermischer Kraftwerke die gesamte Wertschöpfungskette ab. Einen wesentlichen Teil des Umsatzes verbucht Solar Millennium bereits vor Baubeginn eines Kraftwerks. Kritiker halten dieses Modell für wenig transparent, weil nicht immer deutlich werde, wann tatsächlich Geld fließt.

Quelle: ntv.de, bad/rts