Wirtschaft

Commerzbank startet Kapitalerhöhung Anleger bluten für Operation Entstaatlichung

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Die neuen Aktien der Commerzbank werden deutlich billiger als gedacht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit einer 2,5 Mrd. Euro schweren Kapitalerhöhung will sich die Commerzbank von den letzten Resten der Staatshilfe befreien, die der Bankenrettungsfonds ihr in der Finanzkrise gegeben hatte. Die Aktionäre müssen für den Abschied vom Staat allerdings noch stärker bluten als befürchtet.

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Die Commerzbank mutet ihren Anleger bei der lange erwarteten Kapitalerhöhung noch mehr zu als gedacht. Deutschlands zweitgrößte Bank gibt neuen Aktionären einen Rabatt von mehr als 50 Prozent auf den Börsenkurs. Die 555,6 Mio. neuen Aktien werden zu 4,50 Euro verkauft, weit billiger als erwartet. Darum müssen nun mehr neue Anteilsscheine ausgegeben werden als geplant. Der Anteil der Altaktionäre wird dadurch noch stärker verwässert als gedacht. Damit muss die Commerzbank ihr Kapital fast verdoppeln, um die angepeilten 2,5 Mrd. Euro einzunehmen.

Anleger können die neuen Papiere von Mittwoch an bis zum 28. Mai zeichnen. Für je 21 alte Anteilsscheine gibt es 20 neue. Am Montag waren die Commerzbank-Papiere mit 9,94 Euro aus dem Handel gegangen, am Dienstagmorgen sackten sie auf 9,75 Euro ab und näherten sich damit ihrem Allzeittief. Die Platzierung der Aktien könnte bereits am Dienstagabend nach Handelsschluss beginnen und quasi über Nacht abgeschlossen werden, hieß es in Finanzkreisen. Begleitet wird die Kapitalerhöhung von der Deutschen Bank, der Commerzbank selbst sowie von Citi und HSBC. Sie haben auch das Risiko für den Fall übernommen, dass sich nicht alle Aktien verkaufen lassen.

Endlich wieder "eine normale Bank"

Mit dem Geld will die Commerzbank endlich die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin (1,6 Mrd. Euro) und der Allianz (750 Mio. Euro) zurückzahlen, die die Bank in der Finanzkrise vor der Pleite bewahrt hatten. Zu Beginn der Zeichnungsfrist wirft der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin Commerzbank-Aktien ohne Bezugsrecht für 625 Mio. Euro auf den Markt, damit er bei der Kapitalerhöhung kein frisches Geld mehr in die Hand nehmen muss.

Damit sinkt die Staatsquote nach dem Ende der Operation erstmals unter die Sperrminorität von 25 Prozent. Der Bankenrettungsfonds Soffin bleibt allerdings weitherhin mit gut 17 Prozent beteiligt, dann allerdings nur noch über ein Aktienpaket. Ursprünglich hatte der Bankenrettungsfonds Soffin einst für 1,8 Mrd. Euro 25 Prozent an der Commerzbank übernommen und weitere 16,4 Mrd. Euro in Form von stillen Staatseinlagen in das Geldhaus gepumpt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing erhofft sich vom "Einstieg in den Ausstieg" des Staates eine "Normalisierung" der Aktionärsstruktur. Die Commerzbank solle endlich wieder "eine normale Bank mit einem größeren Aktionär" werden, hatte er seine Beweggründe zur überraschenden Ankündigung der Kapitalerhöhung erklärt. Die Commerzbank spare mit der Rückzahlung der Hilfen zudem 200 Mio. Euro im Jahr, die dann für Dividenden zur Verfügung stünden.

Quelle: n-tv.de, hvg/rts/DJ

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