Wirtschaft

Höhere Mehrwertsteuer auf Silbermünzen Anleger sollten noch 2012 zugreifen

Die Regierung plant, das Steuerprivileg für Silbermünzen abzuschaffen. Entsprechende Berichte bestätigte das Bundesfinanzministerium. Bislang fällt beim Kauf von Silbermünzen nur der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent an. Dieser steigt nun voraussichtlich zum Jahreswechsel auf 19 Prozent. Vor diesem Hintergrund rät der Steuerexperte Michael Bormann interessierten Anlegern, noch vor dem Jahreswechsel Silbermünzen zu erwerben.

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Egal, ob mit oder ohne königliche Konterfeis: Silbermünzen ziehen bezüglich der Mehrwertsteuer 2013 mit Silberbarren gleich.

(Foto: Reuters)

n-tv.de: Wie sicher ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer beim Kauf von Silbermünzen und was bedeutet sie für den Anleger?

Michael Bormann: Die Erhöhung scheint vergleichsweise sicher. Denn das Bundesfinanzministerium hat bereits entsprechende Pläne bestätigt. Ich gehe davon aus, dass die Erhöhung in das Jahressteuergesetz 2013 aufgenommen wird und vom nächsten Jahr an gilt. Für den Anleger heißt dies, dass der Kauf von Silbermünzen teurer wird. Derzeit kostet eine Münze mit dem Gewicht einer Feinunze (31,1 Gramm), beispielsweise ein Philharmoniker, rund 27 Euro. Auf den Kaufpreis entfällt damit aktuell 1,89 Euro Mehrwertsteuer. Künftig werden das 5,13 Euro sein. Eine Ein-Unzen-Silbermünze verteuert sich somit beim aktuellen Kurs um 3,24 Euro.

Silbermünzen waren in Deutschland jahrelang steuerlich privilegiert. Woher kommt auf einmal die Änderung?

Da hat vor allem die EU-Kommission Druck gemacht. Brüssel stört es schon länger, dass beim Kauf von Silbermünzen in Deutschland nur sieben Prozent Mehrwertsteuer anfallen. In den anderen Ländern der EU sind die normalen Mehrwertsteuersätze im Bereich von 20 Prozent üblich.

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Michael Bormann ist Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Können Anleger die Steuererhöhung umgehen?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die erste ist, sich noch vor Neujahr, bevor wahrscheinlich die Steuererhöhung greift, entsprechend einzudecken. Die Edelmetallhändler erwarten bei Silbermünzen auf jeden Fall ein gutes Weihnachtsgeschäft. Außerdem kann man Silbermünzen in der Schweiz kaufen. Dort fallen bislang nur acht Prozent Mehrwertsteuer an. Bei der Einfuhr nach Deutschland muss dann allerdings die Differenz nachversteuert werden. Ansonsten handelt es sich um Steuerhinterziehung. Davon kann ich nur abraten.

Was ist mit einem sogenannten Zollfreilager?

Das bieten auch einige Edelmetallhändler an – das ist die dritte Möglichkeit, der Steuererhöhung zu entgehen. Anleger können beispielsweise in der Schweiz Silbermünzen in Zollfreilagern kaufen und aufbewahren. Das lohnt sich aufgrund der damit verbundenen Kosten aber erst ab höheren fünfstelligen Beträgen. Außerdem fehlt dem Anleger der physische Zugriff zu seinen Silbermünzen. Lässt er sich diese ausliefern, muss er dann auch die Mehrwertsteuer zahlen – also in der Schweiz acht Prozent und in Deutschland künftig wahrscheinlich 19 Prozent.

Wie werden andere Edelmetalle besteuert?

Silberbarren werden bereits mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt. Das gilt auch für andere Edelmetalle wie Platin oder Palladium. Nur Anlagegold ist von der Mehrwertsteuer vollständig befreit. Vereinfacht gesagt sieht der Gesetzgeber Goldmünzen und –barren nicht als Kapitalanlage, sondern als Zahlungsmittel an. Verkauft der Anleger Goldmünzen oder -barren mit Gewinn, ist dieser nach einer zwölfmonatigen Haltefrist steuerfrei. Davor greift die Einkommensteuer.

Was raten Sie dem Kleinanleger?

Wer sich vor einem Finanzcrash oder Bankenrun absichern will, ist sicherlich nicht schlecht beraten, auch ein paar Silbermünzen zu halten. Aufgrund ihres niedrigeren absoluten Wertes sind Münzen aus Silber in einem absoluten Krisenfall sicherlich liquider als Goldmünzen. Schließlich kostet eine Silbermünze mit dem Gewicht einer Unze derzeit rund 27 Euro, für eine entsprechende Goldmünze muss der Anleger dagegen 1365 Euro zahlen.

Quelle: ntv.de