Wirtschaft

Ex-SAP Chef zieht es in die USA Apotheker verarztet HP

Die Lücke, die der spontane Abgang von Mark Hurd an der Konzernspitze hinterlassen hat, ist geschlossen: Leo Apotheker übernimmt den Job der Spitze von Hewlett-Packard. Der ehemalige SAP-Chef hat nichts zu meckern. HP wartete gerade erst mit guten Zahlen auf. Apotheker war bereits seit Februar auf Arbeitssuche.

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Leo Apotheker zieht es in die USA.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der frühere SAP-Chef Leo Apotheker macht einen überraschenden Karrieresprung. Der Manager soll ab November den weltgrößten Computerhersteller Hewlett-Packard führen, wie das US-Unternehmen in der Nacht zum Freitag mitteilte. Apotheker folgt damit auf Mark Hurd, der Anfang August nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung abgetreten war.

Die Berufung des bei SAP nach nur wenigen Monaten gescheiterten Apotheker an die HP-Spitze kommt unerwartet, da Übergangschefin Cathie Lesjak zuletzt signalisiert hatte, ihr Haus werde sich mit der Chefsuche Zeit lassen. Zudem hatten Branchenkenner eher darauf gesetzt, dass der US-Konzern einen internen Topmanager als neuen Chef seiner 300.000 Mitarbeiter benennt. Als aussichtsreiche Kandidaten hatten PC-Chef Todd Bradley und Firmenkundenchefin Ann Livermore gegolten, da bei HP mit Hurd und seiner Vorgängerin Carly Fiorina die letzten beiden von außen kommenden Führungskräfte ihre Karriere mit einem Skandal beendeten. Kreisen zufolge ist Apotheker nur dritte Wahl bei HP. Demnach hatte der Konzern das Amt bereits zwei IBM-Spitzenkräften angetragen, die allerdings ablehnten.

Apotheker vergällt Anleger

Unter Analysten sorgte Apothekers Berufung für Stirnrunzeln. "SAP unterscheidet sich als Unternehmen stark von HP, das ist meine größte Sorge", sagte Kim Caughy von Fort Pitt Capital. "Die Ausrichtung von SAP ist eine ganz andere, die Kunden sind ganz verschieden. Wie gut kennt sich der Neue mit Hardware aus? Das ist die Frage." Aktienhändler reagierten auf den Neuzugang mit Verkäufen: Die HP-Titel sanken nachbörslich um drei Prozent.

Hewlett-Packard
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SAP-Patriarch Hasso Plattner hatte Apotheker im Februar nach einem Dreivierteljahr allein an der Spitze vor die Tür gesetzt. Apotheker hatte mit der forschen Einführung einer Wartungsgebühr viele Kunden verprellt und auch den Zorn von Großabnehmern wie Siemens auf sich gezogen. Kreisen zufolge hatte der polyglotte Manager zudem Teile der Belegschaft nicht mehr hinter sich. Nun gratulierte SAP-Aufsichtsratschef Plattner dem 57-Jährigen zu seiner neuen Stelle. "Dies ist eine interessante Aufgabe und ich wünsche ihm dafür alles Gute."

In Amerika will Apotheker, der bei den Walldorfern den ersten Stellenabbau der Unternehmensgeschichte durchgesetzt hatte, wieder ordentlich aufdrehen. "Man kann nie effizient genug sein, und bei HP werden wir das Thema Effizienz weiter vorantreiben", sagte er. "Daneben werden wir unser Augenmerk auch weiterhin auf Wachstum richten. Wir werden sowohl das eine als auch das andere tun." HP setzte im vergangenen Jahr 130 Mrd. Dollar um.

Investoren zeigten sich besorgt darüber, dass Apotheker die Kluft zwischen HP und dem SAP-Erzrivalen Oracle weiter vertiefen könnte. HP und der US-Softwarespezialist sind sich nicht mehr grün, seit Oracle-Chef Larry Ellison HP wegen des Umgangs mit Ex-Chef Hurd öffentlich rüffelte und ihn nach der Entlassung schließlich in den Oracle-Verwaltungsrat berief. Mittlerweile klagt HP gegen den Wechsel von Hurd zu Oracle.

Zweite Karriere in den USA

Der vielsprachige und eloquente Apotheker reiht sich in eine Garde von Managern ein, die nach ihrem Scheitern in Deutschland in den Vereinigten Staaten eine zweite Karriere starteten. Prominentester Vorreiter ist der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der nach seinem Zerwürfnis mit dem Aufsichtsrat im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre beim Aluminiumriesen Alcoa anheuerte und den Konzern inzwischen führt. Ein anderes Beispiel ist der frühere Infineon-Manager Thomas Seifert. Als einer von zwei Vorständen hatte er die Speicherchiptochter Qimonda in die Pleite geführt. Nachdem der Insolvenzverwalter angetreten war, wurde Seifert Finanzchef beim kalifornischen Chipkonzern AMD.

Apotheker bekommt von HP eine Antrittsprämie von vier Mio. Dollar, wie der Konzern in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC erklärte. Zudem erhält der Manager ein jährliches Festgehalt von 1,2 Mio. Dollar sowie HP-Aktien im Wert von vermutlich mehr als 2,4 Mio. Dollar.

Der Posten bei HP war freigeworden, nachdem CEO Mark Hurd im August dieses Jahres über eine Liaison mit einer externen Mitarbeiterin und damit verbundenen Vorwürfen über falsche Spesenabrechnungen gestolpert war. Hurd wechselte Anfang September zum HP-Konkurrenten Oracle, was einen heftigen Streit zwischen beiden Konzernen entfachte, da HP sich um Firmengeheimnisse sorgt.

Wie HP weiter mitteilte, wird außerdem Ray Lane, Managing Partner bei Kleiner Perkings Caufield & Byers, vom 1. November an Mitglied des HP-Verwaltungsrates.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa

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