Wirtschaft

Von 1827 bis 2014 Argentiniens lange Pleitengeschichte

Seit seiner Unabhängigkeit vor fast 200 Jahren hat Argentinien seine Schulden im Ausland sieben Mal nicht bedienen können, fünf Mal fielen Zahlungen bei inländischen Schulden aus. In der Reihe der globalen Serientäter bei Zahlungsausfällen rangiert das Land damit irgendwo in der Mitte.

Die von starken Aufschwungsphasen und ebenso heftigen Einbrüchen geprägte Wirtschaftsgeschichte des Landes hat die nationale Psyche jedoch mit Narben übersät. Und ausländische Kreditgeber schauen argwöhnisch auf das Land, das nun vor seinem zweiten Zahlungsausfall im 21. Jahrhundert steht.

Es begann früh

Die Geschichte der argentinischen Staatspleiten reicht bis ins Jahr 1827 zurück. Damals waren gerade einmal elf Jahre vergangen, seit das Land seine Unabhängigkeit von Spanien erklärt hatte. Das üppige Ackerland in den Pampas sorgte für einen ständigen Geldfluss aus Exporten für die junge Nation. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis die erste Wirtschaftskrise aufflackerte.

Argentinien hatte ebenso wie eine Reihe weiterer südamerikanischer Länder in London Anleihen verkauft, um den Übergang in die Unabhängigkeit zu finanzieren. Als die Bank of England 1825 ihre Zinsen anhob, die Aktienmärkte einbrachen und eine Rezession über Europa hereinbrach, geriet jedoch auch Argentinien ins Taumeln. Erst 1857 nahm das Land die Zahlungen für die notleidenden Anleihen wieder auf.

Baring am Rande der Pleite

Im Jahr 1890 gerieten die weltweiten Anleihemärkte erneut in Panik, als die Bank Baring Brothers, die üppige Kredite an Argentinien vergeben hatte, am Rande der Pleite wandelte. Das Land hatte sich hohe Summen geliehen, um Züge zu bauen und die Hauptstadt Buenos Aires zum "Paris Südamerikas" zu machen. Ein Rohstoffboom hatte zudem eine Spekulationsblase genährt, die platzte, als das Land Schulden im Wert von 48 Millionen Pfund nicht zurückzahlen konnte.

Als Konsequenz kollabierten einige der führenden Banken des Landes, Präsident Miguel Juárez Celman musste zurücktreten. Wieder dauerte es Jahre, bis sich Argentinien aus der Pleite herausgearbeitet hatte und seine Anleihen wieder bedienen konnte.

In den Jahren 1915 und 1930 rutschten argentinische Provinzen in die Zahlungsunfähigkeit, die Bundesregierung konnte ihre Schulden diesmal aber weiter bedienen.

Von Péron bis Brady

Unter dem populistischen Diktator Juan Domingo Perón schlug Argentinien einen Kurs der Verstaatlichungen, des Protektionismus, der Vermögensumverteilung und staatlicher Interventionen in die Wirtschaft ein, der das Wachstum anheizte und zur Entstehung einer starken Mittelschicht führte.

Als Péron 1955 per Militärputsch aus dem Amt gedrängt wurde, stand Argentinien jedoch vor einer Welle neuer Turbulenzen. 1956 einigte sich Argentinien mit dem Pariser Club kreditgebender Staaten auf ein Abkommen, mit dem ein erneuter Zahlungsausfall verhindert werden konnte. Einen Teil des Geldes ist Argentinien bis heute schuldig. Erst in diesem Jahr vereinbarte das Land mit dem Pariser Club die Modalitäten für die endgültige Rückzahlung.

In den 1980er Jahren erfasste eine erneute Schuldenkrise die Welt und drückte zahlreiche Länder in Südamerika und Afrika in die Staatspleite. 1982 stoppte Argentinien den Schuldendienst für seine Auslandsverbindlichkeiten, 1989 folgte der Zahlungsausfall für inländische Schulden. Erst zehn Jahre später konnte sich das Land durch die Ausgabe auf Dollar lautender, so genannter Brady Bonds - benannt nach dem damaligen US-Finanzminister Nicholas Brady - aus der Zahlungsunfähigkeit befreien.

Im Jahr 2001 konnte Argentinien Anleihen im Wert von fast 100 Milliarden Dollar nicht bedienen - zum damaligen Zeitpunkt die größte Staatspleite aller Zeiten. Vorausgegangen war eine neue Schuldenorgie unter Präsident Carlos Menem. Als das Land zur Jahrtausendwende aus der Rezession in den kompletten finanziellen Kollaps abglitt, konnte es die Belastungen aus den Verbindlichkeiten nicht mehr schultern. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 20 Prozent, Bankkonten wurden eingefroren und Dollar-Ersparnissen in die kräftig abgewertete Landeswährung Peso zwangskonvertiert.

Hedgefonds schlagen zu

2005 und 2010 wurden den Anleihebesitzern für ihre Papiere neue Bonds angeboten, deren Nennwert aber nur noch ein Drittel der ursprünglichen Anleihen betrug. Trotz des heftigen Schuldenschnitts akzeptierten 93 Prozent der Gläubiger das Angebot.

Eine Gruppe zum Widerstand entschlossener Hedgefonds, die die Anleihen nach der Staatspleite günstig eingesammelt hatten, beharrte jedoch auf vollständiger Rückzahlung und verklagte Argentinien vor Gerichten in etlichen Ländern, um ihre Ansprüche durchzusetzen.

Im vergangenen Jahrzehnt wuchs die argentinische Wirtschaft rasant, bis im vergangenen Jahr die ausufernde Inflation und die massiven Eingriffe der Regierung in die Wirtschaft ihren Tribut forderten. Jetzt, da die Regierung dem erneuten Zahlungsausfall ins Auge sieht, steckt Argentinien in der Rezession und kämpft mit schnell zur Neige gehenden Fremdwährungsreserven.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ

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