Wirtschaft

Wie es zur Eurokrise kam – Teil 3 Aus der Bankenkrise wird eine Schuldenkrise

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Griechenland entgeht der Pleite nur durch milliardenschwere Hilfe von außen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um den taumelnden Finanzsektor zu retten, müssen Regierungen in Europa Milliardensummen aufwenden. Mitgliedsländer geraten an den Finanzmärkten unter Druck und bekommen immense Schuldenprobleme. Der Euro steckt plötzlich in existenziellen Schwierigkeiten.

Die Krise erreichte in Europa eine solche Dimension, dass der Zusammenbruch des gemeinsamen Währungsraums drohte. Als Kernproblem stellte sich heraus, dass sich die großen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen der Mitgliedsländer zu einer existenziellen Bedrohung entwickelt hatten.

Bevor die Finanzkrise Europa mit voller Wucht erwischte, hatten sich erhebliche Unterschiede in den Leistungsbilanzen herausgebildet. Während vor allem in Südeuropa Länder über ihre Verhältnisse lebten und Defizite verzeichneten, steigerten andere Länder ihre Exporte viel stärker als ihre Importe. Zur ersten Gruppe gehörten beispielsweise Spanien und Italien, zur zweiten Deutschland.

Die öffentlichen Haushalte waren aber in den meisten Ländern dennoch solide, das Haushaltsdefizit überschritt dort nicht die Maastricht-Grenze von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Als fatal erwies sich im Verlauf der Krise nicht die öffentliche Verschuldung, sondern die private. Dazu hatten nicht nur billige Kredite beigetragen, sondern das zu geringe Risikobewusstsein von Banken und Verbrauchern. Ein Beispiel ist Spanien, wo eine riesige Immobilienblase entstand.

Im Zuge der Finanz- und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit an, Steuereinnahmen sanken. In Spanien platzte die Immobilienblase. Zugleich waren Regierungen in der Europäischen Union gezwungen, Banken zu retten. Aus privaten Schulden wurden öffentliche, in vielen Ländern stiegen die Defizite und die Schuldenstände.

Exzessive Kreditvergabe rächt sich

Viele Ökonomen, so auch der deutsche Sachverständigenrat, führen die gegenwärtigen Schuldenprobleme deshalb nicht primär auf unsolide Fiskalpolitik zurück. Spanien hatte – im Gegensatz zu Deutschland – vor der Krise sogar Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet. Die zu hohen Schuldenstände sind ein Resultat der Krise, nicht deren Ursache. Die Hauptursache für die gegenwärtigen Schwierigkeiten liegt in der exzessiven Kreditvergabe während der Boom-Jahre.

Vor diesem Hintergrund ist Griechenland ein Sonderfall. Bis zum Ausbruch der Krise erfreute sich das Land zwar überdurchschnittlicher Wachstumsraten, doch die öffentlichen Haushalte befanden sich in einer massiven Schieflage. An der unsoliden Finanzpolitik störten sich weder Ratingagenturen noch Investoren. Obwohl ein Defizitverfahren gegen Athen lief, wurde die Kreditwürdigkeit regelmäßig erhöht, das Land kam billig an Geld – und die Regierungen trieben sie Schulden immer höher.

Lange hatten die Finanzmärkte damit kein Problem. Doch in der ersten Jahreshälfte 2010 wurde plötzlich erst die Kreditwürdigkeit Griechenland und dann die Bonität anderer Länder in Frage gestellt. Investoren forderten immer höhere Zinsen. Die Refinanzierungskosten stiegen für einige Länder so kräftig, dass sie Hilfe ihrer Euro-Partner brauchten, um die Pleite abzuwenden. Griechenland, Irland und Portugal flüchteten unter den Rettungsschirm. Später baten Spanien und Zypern um Hilfe.

Die Hilfe kam - denn die Pleite eines Euro-Mitglieds wollte die Eurozone nicht riskieren. Zu groß und zu unkalkulierbar erschienen Risiken und Ansteckungsgefahren. 

Milliardenkredite gibt es aber nicht umsonst. Im Gegenzug müssen die betroffenen Länder ihre Defizite reduzieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Die Regierungen kürzen ihre Ausgaben – und bremsen damit die ohnehin schon schwächelnde Konjunktur weiter. Zugleich entschulden sich die privaten Haushalte. Die Konsequenz: weite Teile Europas stecken in der Rezession und leiden unter Rekordarbeitslosigkeit.

Wann die bereits Jahre dauernde Krise überwunden ist, lässt sich nicht vorhersagen. Fest steht nur, dass sie uns noch lange erhalten bleiben wird.

Quelle: ntv.de