Wirtschaft

Kann es "Dr. Z" noch? "Autofreak" Zetsche und sein Jubiläum

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Muss Daimler wieder auf Vordermann bringen: Dieter Zetsche.

(Foto: picture alliance / dpa)

Dieter Zetsche lebt für Autos. Doch seine Leidenschaft färbt bisher noch nicht auf den Daimler-Konzern ab: Der Rückstand zu den Hauptkonkurrenten BMW und Audi vergrößert sich. In China hinkt Mercedes hinterher. Zudem gibt es Qualitätsprobleme, wie der Citan beweist. Feiern kann Zesche dennoch - ein rundes Jubiläum.

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Dieter Zetsche ist nicht zu bremsen. Er rast über Küstenstraßen, schleudert kontrolliert auf nasser Fahrbahn, bewältigt mit einem Geländewagen einen Hindernisparcours. Selbst vor Hausbesuchen bei skeptischen Kunden schreckt er nicht zurück. Während er ihnen die Vorzüge eines Mini-Vans erklärt, nimmt er lässig einen Kopfball.

Das war vor sieben Jahren. Damals ließ sich Zetsche als "Dr Z." für eine ganze Serie von Werbespots für die US-Marke Chrysler abfilmen. Etwa zur gleichen Zeit kehrte Zetsche als strahlender Retter nach Stuttgart zurück, um als frischgebackener Daimler-Chef von Deutschland aus die Fusion mit Chrysler zu retten. Inzwischen fährt Daimler längst wieder allein - und der frühere Problemfall Chrysler gehört zu Fiat.

"Der Dieter kann es nicht"

Auch sonst sieht die Lage inzwischen ungewohnt anders aus. Erst vor wenigen Tagen musste Zetsche zum wiederholten Mal in seiner Position als Daimler-Chef eine Gewinnwarnung verkünden. Zetsche, der am kommenden 5. Mai seinen 60. Geburtstag feiert, ist in die Defensive geraten. Die Kritik an seiner Person hält an. Der "Spiegel" zitierte jüngst einen hochrangigen Manager mit den Worten: "Der Dieter kann es nicht."

Die aktuellen Probleme des Autobauers sind weitläufig bekannt. BMW und Audi sind den Schwaben mit ihren Modellen weit voraus, vor allem aber, was die Rendite angeht, mit der Konzerne ihre Profitabilität vergleichen. Laut n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker kann Zetsche "einem leidtun", "schließlich wurde er nur mangels geeigneter Alternativen zum neuen Daimler-Chef gekürt".

Arbeitnehmer immer kritischer

Der Chef greift gern höchstpersönlich in die Fahrzeug-Entwicklung ein. Zetsche lässt es sich selten nehmen, neue Modelle selbst Probe zu fahren, sagt ein Konzernsprecher. Er verpasst kaum eine Vorstandsabnahme. Der Daimler-Chef ist ein Autofreak durch und durch. Im vergangenen Jahr nahm er in einem Mercedes 300 SL an der italienischen Oldtimer-Rallye Mille Miglia teil.

Vor allem in Arbeitnehmerkreisen hatte sich Zetsche einen guten Ruf aufgebaut. Er galt immer als jemand, der die Leute für sich einnimmt, heißt es. Selbst eine Kündigung könne man ihm nicht übelnehmen, sagte einmal ein enger Mitarbeiter über ihn.

Doch zuletzt bröckelte die Unterstützung für Zetsche. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat sprach Zetsche regelrecht ihr Misstrauen aus. Sein Vertrag wurde nur auf drei Jahre - nicht auf die erwarteten fünf verlängert. Wäre es nach den Betriebsräten gegangen, säße der 59-Jährige gar nicht mehr im Chefsessel. Unzufrieden war die Arbeitnehmerseite demnach vor allem damit, dass Zetsche über ein anstehendes Sparprogramm nicht mit sich diskutieren ließ.

Désirée Nosbusch und ... ?

Über sein Privatleben lässt Zetsche kaum etwas raus. Anfang des Jahres wurde seine neue Liebe zu der Schauspielerin Désirée Nosbusch bekannt. Viel mehr aber auch nicht. Selbst Nosbusch sagte in einem Interview: "Aber Privatleben heißt Privatleben, weil es ein Privatleben ist." Ähnlich schmallippig äußert sich der Daimler-Konzern auf Anfrage.

Von Werbespots hält sich Zetsche inzwischen fern. Symbolträchtige Bilder könnten in Krisenzeiten auch schnell anders ausgelegt werden, als gewünscht - vor allem nach den jüngsten Nachrichten über die missglückten Crashtests des Kastenwagens Mercedes Citan, der im Euro NCAP-Test im Frontalaufprall große Schwächen und Sicherheitsmängel offenbarte. "Das Ergebnis ist selbstverständlich völlig unbefriedigend. Damit müssen wir uns natürlich beschäftigen", sagte Zetsche vor kurzem den Zeitungen der "WAZ"-Gruppe. "Dass unsere Wettbewerber auch nicht besser abschneiden, ändert nichts an dieser Tatsache."

Vor sieben Jahren hatte man solche Sorgen noch nicht: Am Ende eines Spots aus dem Jahr 2006 setzt "Dr.Z" den Wagen in einem Crashtest noch frontal gegen die Wand. Zetsche steigt völlig unbeschadet aus - nur das Auto ist hinüber.

Quelle: n-tv.de, Annika Graf, dpa