Wirtschaft
Hebt sich Hochtief an der Elbphilharmonie einen Bruch?
Hebt sich Hochtief an der Elbphilharmonie einen Bruch?(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 04. Mai 2013

Massive Kritik an Elbphilharmonie-Vertrag: Bei Hochtief rumort es

Der zum Weiterbau der Elbphilharmonie in Hamburg ausgehandelte Vertrag sorgt für wachsenden Unmut unter den Hochtief-Managern. Angeblich gehen die Forderungen weit über das hinaus, was in der Branche üblich ist. Wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Geschäftspolitik haben bereits mehrere Manager ihre Posten geräumt.

Unter den Managern des Baukonzerns Hochtief regt sich immer mehr Unmut: Manager haben laut "Wirtschaftswoche" Kritik an den Verträgen des Unternehmens zum Weiterbau der Hamburger Elbphilharmonie geübt. Anlass gibt nach Angaben des Magazins der von Hochtief-Chef Marcelino Fernandez ausgehandelten Vertrag, der den Konzern dazu verpflichtet, das Konzerthaus zum Festpreis von 575 Mio. Euro weiterzubauen und alle Baurisiken zu übernehmen. Ein Hochtief-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Hochtief verzichte laut Vertragswerk auf alle "jetzt oder künftig zustehenden Mehrforderungen, gleich aus welchem Rechtsgrund, ob bekannt oder unbekannt", so das Magazin. Der Konzern habe "etwaige Mängel der Planungsgrundlagen zu beseitigen, unabhängig davon, ob diese von ihm verursacht wurden oder nicht". Ein Unternehmenssprecher habe der Zeitschrift gegenüber eingeräumt, dass eine so hohe Verantwortung bei Bauverträgen unüblich sei.

Auf der Baustelle für Deutschlands größtes Kulturprojekt herrscht seit rund eineinhalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum "Globalpauschalfestpreis" von 575 Mio. Euro zu Ende baut.

Wegen der Verträge sei es bei Hochtief zur Zerreißprobe zwischen Fernandez und der früheren Führungsriege der Tochter Hochtief Solutions gekommen. "Früher hätte man uns so einen Vertrag um die Ohren gehauen", gibt die Wirtschaftswoche Aussagen eines Hochtief-Managers wieder. "Die Garantien, die wir da übernehmen, sind hoch riskant. Niemand kann heute sagen, in welcher Höhe Hochtief dafür zahlen muss."

Personeller Aderlass

Nach drei Aufsichtsräten warfen im April auch zwei Manager aus dem Vorstand der Hochtief-Tochter Solutions das Handtuch. Die Vorstandsmitglieder Ullrich Reinke und Wolfgang Homey hätten das Unternehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftspolitik verlassen, hatte das Unternehmen mitgeteilt - ohne nähere Angaben zu machen.

Quelle: n-tv.de