Wirtschaft

Weichenstellung für Verstaatlichung Belgien will Dexia retten

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Irgendwann sind die Finanzmittel erschöpft ...

(Foto: REUTERS)

Die belgische Regierung will nach Gewerkschaftsangaben das belgische Geschäft des angeschlagenen Finanzinstituts Dexia übernehmen. Die Ratingagentur Moody's sieht das kritisch. Der belgische Staat ist selbst hoch verschuldet. Angesichts der massiven Finanzprobleme der Bank droht Belgien jetzt die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit.

In Belgien werden die Weichen für eine Rettung eines Teils der angeschlagenen Dexia-Bank gestellt. Ministerpräsident Yves Leterme habe erklärt, der Staat wolle den nationalen Zweig der angeschlagenen  französisch-belgischen Großbank sichern, erklärten drei belgische Gewerkschaften in einer gemeinsamen Erklärung. Leterme hoffe auf eine Lösung "in den kommenden Tagen".

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Fahne hoch für Dexia, Bonität runter für Belgien?

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Die niederländische Zeitung "De Standaard" berichtete, die belgische Regierung habe sich mit den Regionen des Landes auf die Verstaatlichung des belgischen Zweigs der Bank, Dexia Banque Belgique, geeinigt. Damit bleibe die Regierung "wahrscheinlich für mehrere Jahre Eigentümer", hieß es in dem Bericht. Die Übernahme könne bereits ab dem Wochenende vollzogen werden, "damit die Märkte vor Öffnung am Montag beruhigt" würden, berichtete die Zeitung weiter. In einer zweiten Phase könnten sich die belgischen Regionen dann ebenfalls am Kapital der Bank beteiligen. Die Vorbehalte der belgischen Regionen waren laut Nachrichtenagentur Belga. Sie hätten eine unabhängige Bank vorgezogen.

Eine ursprünglich für diesen Samstag geplante Verwaltungsratssitzung wird nun nach Angaben der Bank voraussichtlich auf den Sonntag verschoben. Offen ist laut Belga, ob die Sitzung in Paris oder in Brüssel stattfindet.

"Scheibchenlösung": Wer übernimmt was?

Dexia war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme im Zuge der europäischen Schuldenkrise ins Schlingern geraten. Seit Tagen werden Zerschlagungspläne für den belgisch-französischen Finanzkonzern debattiert. Dazu laufen auch Gespräche zwischen der belgischen und der französischen Regierung.

Wie es aussieht, könnten auf französischer Seite die beiden staatlichen Banken Caisse des Dépôts und Postbank die Kredite über 70 Mrd. Euro übernehmen, die Dexia den französischen Kommunen  gewährt hat. Für den luxemburgischen Zweig ist ein internationaler  Investor zur Übernahme bereit. Faule Wertpapiere über 95 Mrd. Euro sollen in eine so genannte Bad Bank ausgelagert werden.

Aktien vom Handel ausgesetzt

Die Aktien sind bis Montag von der Notierung an den Börsen in Paris und Brüssel ausgesetzt. Laut einer Mitteilung der Bank wird die Börsenaufsicht über die Wiederaufnahme der Notierung entscheiden, sobald mehr Klarheit über die Optionen für die Zukunft der Gruppe herrsche.

Die Dexia-Bank, die in Belgien 850 Niederlassungen und in  Frankreich keine einzige Filiale hat, ist der größte Kreditgeber  der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Das Geldinstitut  war vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise ins Trudeln geraten.  Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit  6,4 Milliarden Euro gestützt und ihm öffentliche Garantien gegeben.  Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an Dexia.

Moody's zählt Belgien an

Angeschlagene Staaten, die finanziell noch große Sprünge wagen und dazu noch Bankenübernahmen planen, werden von den Ratingagenturen erwartungsgemäß kritisch gesehen. Wegen der Finanzprobleme bei Dexia warnte die Ratingagentur Moody's so erwartungsgemäß vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes.

Die Bonität des Landes werde ab sofort "auf eine mögliche Herabstufung hin geprüft", teilte die Agentur gestern mit. Zur Begründung hieß es, für Belgien seien insbesondere mögliche künftige Hilfszahlungen an schwächelnde Banken und verschuldete Euroländer bedenklich. Eine zu erwartende schwache wirtschaftliche Entwicklung des Landes komme erschwerend hinzu.

Zuvor war Moody's dem Beispiel der Konkurrenten Standard & Poor's und Fitch gefolgt und hatte die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft. Fitch wertete zudem das ebenfalls kriselnde Euroland Spanien ab. 

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/AFP